Schon 140 Waldbrände: Wassermangel macht den Wäldern in NRW zu schaffen

Schon 140 Waldbrände : Wassermangel macht den Wäldern in NRW zu schaffen

Schädlinge haben nach dem Sommer leichtes Spiel bei den angeschlagenen, trockenen Bäumen. Das Wald-Landesamt rechnet mit massenweise toten Fichten durch die Dürre. Am Freitag könnte sich die Lage entspannen: Eine Kaltfront soll Regen bringen.

Durch den andauernden Regenmangel, die Trockenheit und die hohe Zahl an Schädlingen könnten in diesem Jahr nach Schätzungen von Experten rund eine Million Fichten in NRW absterben. „Der Wald leidet, weil durch die Dürre die Bäume weniger Zuwachs haben, weniger Reservestoffe einlagern können und sich schlechter gegen Schädlinge wehren können“, sagt Wald-Fachmann Friedrich Louen, der Sprecher des Landesbetriebs Wald und Holz NRW, am Montag. „Wir sind für jeden Tropfen Regen dankbar.“ Fichten seien besonders betroffen: „Wir befürchten den schlimmsten Befall mit Borkenkäfern seit 1948“, sagte Louen.

2018 sei rund 40 Prozent weniger Niederschlag gefallen als im Durchschnitt. Hinzugekommen seien die hohen Temperaturen. Vor allem junge Bäume litten unter der Trockenheit. „Teilweise haben wir bis zu 100 Prozent Ausfall auf Kulturflächen.“ Viele Bäume hätten längst auf den ausbleibenden Regen reagiert, etwa mit vorzeitigem Laubabwurf bei Buche oder Birke. „Eichen können Eicheln abwerfen, um sich etwas zu entlasten.“

Wegen der großen Trockenheit habe auch die Zahl der Waldbrände in NRW deutlich zugenommen. „Wir haben bislang rund 140 gezählt“, sagt Louen. Von 2010 bis 2017 seien es im Schnitt pro Jahr nur rund 30 gewesen. „Zum Glück kommen große Waldbrände kaum noch vor. Viele Menschen sind mit Handy ausgestattet. Brände werden sofort gemeldet.“ Louen betonte, dass nur fünf Prozent aller Waldbrände durch natürliche Ursache entstehen, etwa durch einen Blitzschlag. Alle anderen seien von Menschen verursacht, etwa durch eine achtlos aus dem Autofenster geworfene Zigarettenkippe.

Auch an den kommenden Tagen bleibt es trocken und warm mit Temperaturen von bis zu 32 Grad am Dienstag. „Dass man im September nochmal Temperaturen hat, die an die 30 Grad gehen, ist nicht so ungewöhnlich“, sagt der Meteorologe Malte Witt vom Deutschen Wetterdienst in Essen. Neue Wetterrekorde erwartet der Experte in diesen Tagen nicht. So seien 2016 am 13. September beispielsweise in Werl und Bielefeld 33 Grad gemessen worden.

Erst am Freitag rechnet Witt mit einer Kaltfront mit nur noch 16 bis 19 Grad in der Spitze. „Da wird schon ein bisschen Regen mit dabei sein.“ In der Fläche könnten 2 bis 10 Liter pro Quadratmeter fallen. „Das dürfte allerdings nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein sein. Es müsste wirklich mal ein bis zwei Wochen relativ häufig und intensiv regnen.“

Mit Unwettern sei aber nicht zu rechnen. „Die Energie fehlt, die Sonne ist nicht mehr so stark.“ Für die Waldbrandgefahr gilt am Dienstag in weiten Teilen des Landes die zweithöchste Gefahrenstufe, bei trockenem Grasland sogar landesweit. Erst vergangene Woche hatten in Plettenberg im Sauerland rund 3000 Quadratmeter Wald gebrannt. Am Sonntag brannte ein Stück Wald in Hemer.

(dpa)
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