Insolvenzverwalter gibt bekannt: Was von Oebel übrig bleibt

Insolvenzverwalter gibt bekannt : Was von Oebel übrig bleibt

Gut drei Monate nach der Insolvenz der Aachener Bäckereikette Oebel wurde am Dienstag bekannt, was aus den seinerzeit mehr als 150 Filialen wird. Einige können wohl gerettet werden – der Name Oebel allerdings wird nur woanders weiterleben.

Auf der Oebel-Homepage werden noch Bezirksleiter/in und Bäckereifachverkäufer/in für „unser dynamisches, erfolgreiches Team“ gesucht – so steht es auf der eigenen Homepage. Es sind Stellenangebote nahezu aus dem Jenseits. Die Bäcker-Gruppe, die ein reiner Filialbetrieb ist, ist pleite. Das Ausmaß der Misere ist nun erkennbar.

Als die Insolvenz am 9. Juli für sechs Gesellschaften beantragt wurde, bestand die Gruppe landesweit noch aus 153 Filialen mit knapp 1000 Mitarbeitern. „Retten“ konnte Insolvenzverwalter Dirk Wegener von der Bonner Wirtschaftskanzlei dhpg 40 Filialen mit 240 Mitarbeitern, teilte er am Dienstag am Ende des Investorenprozesses mit. Er hoffe darauf, noch ein paar mehr Filialen erhalten zu können, die Gespräche laufen derzeit, sagt er.

Der Name Oebel wird nur noch im Großraum Düsseldorf, Neuss, Wuppertal bestehen bleiben. Die Bäckerei Brinker, Lieferant der Teilchen für Oebel, führt 19 Filialen unter dem Namen weiter. Im Kölner Raum übernimmt die Schneider-Gruppe 15 Filialen, auch Merzenich greift an zwei Standorten zu. Verschwinden wird das Familienunternehmen Oebel im Heinsberg und Düren und auch im Aachener Raum, wo es beheimatet ist. „Es hat sich auf dem umkämpften Markt kein Interessent gefunden“, sagt Wegener.

Die Filialen werden geschlossen, wenn sie es nicht schon sind. Etliche Geschäfte sind schon dicht, weil Mietverträge ausgelaufen sind oder Mitarbeiter gekündigt haben, zudem gibt es Dutzende Krankmeldungen, die den Betrieb manchmal auch lahmgelegt haben. Hunderte Mitarbeiter erhalten in den nächsten Tagen ihre Kündigung.

60 Kündigungen mit Wirkung zum 15. November sind bereits versendet, bestätigt der Jurist. „Ich bin zuversichtlich, dass sie auf einem umkämpften Markt schnell unterkommen“, sagt er. Betroffen sind meistens Frauen in Teilzeitarbeit. Das auf drei Monate befristete Insolvenzausfallgeld für die Mitarbeiter ist bereits ausgelaufen. Stattdessen muss nun der Insolvenzverwalter die Gehälter aus den eigenen Mitteln erwirtschaften.

Die Oebel-Gruppe ist ein Familienunternehmen, Geschäftsführer war bis zuletzt Wolfgang Mainz, der nach der Pleite auch als Präsident der IHK Aachen zurücktrat. Die Brüder Lothar und Wolfgang Mainz waren bis vor zwei Jahren auch in der Geschäftsführung von Kronenbrot aktiv. Nach der ersten Insolvenz des Großbäckers wurde die Oebel-Gruppe abgespalten, Wolfgang Mainz leitete nun die Geschäfte bei Oebel. Seine Filialkette vereinbarte damals mit Kronenbrot eine Mindestabnahme im zweistelligen Millionen-Bereich.

Die Zahlen blieben schlecht, Wegener spricht von anhaltenden Verlusten. Die Gründe für die Insolvenz liegen in einer Veränderung des Konsumverhaltens, zahlreiche Discounter bieten längst erfolgreich ihr Back-Sortiment an. Wegener macht aber auch strukturelle Gründe beim Verkaufsbetrieb Oebel aus, die ohne eine Produktion auskommen musste. Größter Zulieferer war Kronenbrot, mit dem inzwischen geschlossenen Betrieb gab es eine Mindestabnahmegarantie im zweistelligen Millionen-Bereich.

Kronenbrots Insolvenzverwalter hatte Anfang Juli die Lieferung gestoppt, weil Oebel seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen sei.

„Managementfehler“

Oebels Hauptproblem sei die fehlende Logistik und die „Abhängigkeit von Kronenbrot gewesen, das keine gute Qualität geliefert habe“, sagt Wegener. All das hätte sich über einen längeren Zeitraum schon abgezeichnet. „Und wie bei jeder Insolvenz gibt es Managementfehler.“

Wegener hat einen größeren Investorenwettbewerb ausgerufen, um den Oebel-Betrieb zu retten. „Der Fokus lag darauf, die Kette komplett zu verkaufen.“ Das stellte sich schnell als illusorisch heraus. Das einzige Angebot eines fachfremden Investors habe keine Substanz gehabt, sagt er. „Es hat sich gezeigt, dass trotz anfänglichem breiten Interesses, kein Käufer die Risiken für eine Kette ohne eigene Produktion und Logistik auf sich nehmen wollte.“

In den letzten Monaten hat er nun versucht, einzelne Filialen des weit verbreiteten Geschäftsnetzes zu veräußern. Auch hier tauchten neue Probleme auf, denn die Einrichtungen der vielen Ladenlokalen gehören einer andern Gesellschaft, die im Besitz der Familie Mainz sei, sagt Wegener. „Mein Problem war, dass ich nicht mit der Ausstattung disponieren kann, sondern jeweils Vereinbarungen mit den Eigentümern treffen musste.“

Wegener räumt Interessenskollisionen in dem Prozess ein. „Mein Fokus lag eher darauf, für Mitarbeiter und Standorte Lösungen zu finden und nicht um jeden Cent zu kämpfen.“ Tatsächlich hätten sich Kaufangebote auch deswegen zerschlagen. Mehrere Mitarbeiter hatten in den letzten Tagen in Schreiben an die Redaktion beklagt, dass die Familie Mainz eine mitarbeiterfreundliche Lösung torpediere.

Das Insolvenzverfahren läuft noch, am Ende werden etwa 70 Prozent der Filialen wegfallen. Die Oebel-Gruppe hat hohe Außenstände, die Hoffnung der Gläubiger auch auf eine nur geringe Kompensation zerschlägt der Experte. „Es wird keine Quote geben. Die vorhandene Masse wird durch bestehende Verpflichtungen wie zum Beispiel noch laufende Mietverhältnisse aufgezehrt.“