Fragen und Antworten: Was Sie zum Wilke-Rückruf wissen sollten

Fragen und Antworten : Was Sie zum Wilke-Rückruf wissen sollten

Vor knapp einer Woche schlossen Behörden den Betrieb des Fleischherstellers Wilke. Zuvor hatte es wiederholt Keimfunde in Wurstprodukten und zwei Todesfälle gegeben. Noch immer läuft ein weltweiter Rückruf von Wilke-Produkten – auch in der Region Aachen, Düren, Heinsberg. Fragen und Antworten dazu.

Müssen Verbraucher Angst haben, ohne ihr Wissen Wilke-Wurst zu kaufen oder zu essen?

Zum Stand der Rückrufaktion und den betroffenen Firmen haben Behörden bisher keine Angaben gemacht. Dennoch dürfte ein Großteil der Wilke-Waren in Deutschland aus dem Verkehr gezogen sein: Nachdem der Fall am Mittwoch bekannt wurde, nahmen viele Unternehmen die Produkte aus den Regalen. Großhändler haben reagiert und ihre Kunden informiert.

Die Lebensmittelkontrolleure der Kreise Düren und Heinsberg und der Städteregion Aachen haben insgesamt sieben Großhändler ausfindig gemacht, die zahlreiche Gastro-Betriebe in der Region beliefern: Mensen, Kantinen, Bäckereien, Restaurants, Pizza-Lieferdienste und andere. Diese Abnehmer wurden umgehend informiert.

Inzwischen, so teilt Detlef Funken, Sprecher der Städteregion, mit, seien die Tranchen komplett vernichtet, bevor der Endverbraucher damit in Kontakt geraten sei. Davon gehen auch die Kreise Düren und Heinsberg aus. Ulrich Hollwitz, Sprecher des Kreises Heinsberg, bescheinigt den Großhändlern und deren Abnehmern durchweg Kooperationsbereitschaft.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hält es dagegen für wahrscheinlich, dass immer noch Wilke-Produkte in Umlauf sind.

Foodwatch spricht von „schweren Versäumnissen“ beim Krisenmanagement. Gibt es dafür Belege?

Die Ereignisse sprechen für Foodwatch. So hielten es die Behörden zunächst nicht für nötig, Listen mit Wilke-Produkten zu veröffentlichen. Die Fleischwaren seien nur unter dem Firmennamen verkauft worden, hatte der Landkreis Waldeck-Frankenberg erklärt. Doch wie später bekannt wurde, gab es auch Handelsmarken mit Wilke-Fleisch. Das bestätigte auch der Kreis Düren auf Anfrage unserer Zeitung: „Diese Produkte sind nur an der Betriebsnummer DE-EV-203-EG auf dem Etikett zu identifizieren“, erklärte Behördensprecher Josef Kreutzer.

Vollständige Listen der belieferten Unternehmen fehlen weiter: Laut dem Land Hessen legte Wilke eine Listen der direkten Kunden vor, die Großhändler umfasst. Wie die Ware nach mehreren Vertriebsstufen im Einzelhandel landete, sei unbekannt. Der Fall zeige, dass die durch europäisches Recht vorgeschriebene Rückverfolgbarkeit von Waren nicht funktioniere, sagte Foodwatch-Sprecher Andreas Winkler.

Was passiert, wenn man Wilke-Wurst isst?

In Wilke-Wurst wurden Listerien nachgewiesen. Das sind in der Natur vorkommende Bakterien. Nur wenige Menschen erkranken an der sogenannten Listeriose. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektionskrankheit meist unauffällig oder nimmt einen harmlosen Verlauf mit grippeähnlichen Symptomen. Gefährlich ist die Infektion für abwehrgeschwächte Menschen und Schwangere.

Gab es eklatante Hygienemängel bei Wilke?

Medienberichte über langjährige eklatante Hygienemängel haben die Behörden bisher nicht kommentiert. Sicher ist, dass Wilke seit Monaten wegen Listerienfunden auffällig war – und deshalb Besuch von Aufsichtsbehörden bekam. Das Unternehmen sei „seiner Verantwortung als Lebensmittelunternehmen nicht vollumfänglich nachgekommen“, erklärte das hessische Umweltministerium.

Wie sind die Behörden auf Wilke aufmerksam geworden?

Dem Robert-Koch-Institut waren bundesweit Patienten aufgefallen, die an Listeriose erkrankt waren und deren Erkrankung vermutlich auf eine gemeinsame Infektionsursache zurückzuführen ist. Das Institut hatte seine Informationen daraufhin den Lebensmittelbehörden für Ermittlungen zur Verfügung gestellt. Nach Angaben des Landkreises Waldeck-Frankenberg hatte es in Südhessen zwei Todesfälle bei älteren Personen gegeben. Man sei zu dem Schluss gekommen, „ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den Todesfällen und dem Verzehr von Wurstprodukten besteht“, sagte ein Sprecher des Kreises Waldeck-Frankenberg.

(dpa/pa/gego)
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