Aachen: Ward liegt im Rennen um den Posten des Aachener Generalmusikdirektors vorne

Aachen : Ward liegt im Rennen um den Posten des Aachener Generalmusikdirektors vorne

Es ist, das kann man so sagen, eine sehr schwierige Entscheidung. Nicht etwa, weil die drei verbliebenen Kandidaten für den Posten des Aachener Generalmusikdirektors (GMD) so schlechte Visitenkarten bei ihren Probedirigaten abgegeben hätten, sondern im Gegenteil: weil sie sich besonders gut verkauft haben.

Der Brite Christopher Ward, der US-Amerikaner Ido Arad und der Schwede Per-Otto Johansson haben im vergangenen Herbst in Aachen jeweils ein Sinfoniekonzert und eine Oper dirigiert. Dabei haben alle drei bewiesen, dass sie ihr Handwerk verstehen, dass sie mit einem Orchester umgehen können und dass sie imstande sind, auch unter zeitlich knappen, aber realistischen Bedingungen eine anspruchsvolle Oper ordentlich über die Bühne zu bringen.

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Nun verdichten sich die Zeichen, dass bei dieser äußerst knappen Entscheidung Christopher Ward das Rennen machen könnte. Offenbar hat sich die Findungskommission, die Mitte Januar getagt hat, für den 37-Jährigen gebürtigen Londoner entschieden, mit dem nun augenscheinlich Vertragsverhandlungen geführt werden. Bestätigen — oder dementieren — will das aber niemand.

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Der Generalintendant des Theaters Aachen, Michael Schmitz-Aufterbeck, verwies am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung auf die noch laufenden Verhandlungen. Ein Name könne erst genannt werden, wenn die Auswahl auch „politisch abgesichert“ sei. Auch die Aachener Kulturdezernentin Susanne Schwier verwies darauf, dass erst der Rat der Stadt entscheiden müsse. Als Zeitpunkt der offiziellen Bekanntgabe eines neuen GMD nannte sie den 7. Februar. Dass das Rennen um den Posten „nach wie vor völlig offen“ sei, betonte am Donnerstag Hubert Bruynswyck (CDU), Aachener Ratsherr und Vorsitzender des Betriebsausschusses für Theater. Zwar habe es in den vergangenen Tagen ein Gespräch seitens der Findungskommission mit einem der drei Kandidaten gegeben. „Aber es gibt überhaupt noch kein Ergebnis. Die Verhandlungen sind in vollem Gange.“ Schmitz-Aufterbeck, Schwier und Bruynswyck sind alle Mitglieder der Findungskommission.

Seitens der Wiener Agentur Vienna Music Connection (VMC), die Christopher Ward vertritt, war am Donnerstag ebenfalls keine konkrete Stellungnahme zu erhalten. „Wir können dazu im Augenblick noch gar nichts sagen. Offiziell steht zurzeit nichts fest“, betonte Stefan Astner, Artist Manager bei VMC, auf Anfrage.

Der neue Generalmusikdirektor wird Nachfolger von Kazem Abdullah. Der US-Amerikaner hatte das Aachener Sinfonieorchester fünf Jahre lang bis Ende Juli 2017 geleitet. Sein Vertrag wurde nicht verlängert. Derzeit leitet der vorherige 1. Kapellmeister Justus Thorau als kommissarischer GMD das Orchester. Der neue GMD soll sein Amt am 1. August antreten.

Für Rattle und Nagano gearbeitet

Ward ist der jüngste der drei Kandidaten, die sich als Finalisten in einem Auswahlverfahren aus insgesamt 80 Bewerbern durchgesetzt hatten. Der Brite wurde in Oxford und Glasgow ausgebildet, bevor er 2005 nach Deutschland kam. Dort war er zunächst am Staatstheater Kassel als Kapellmeister und Solorepetitor tätig. Anschließend assistierte er ein Jahr lang Sir Simon Rattle bei den Berliner Philharmonikern für Richard Wagners „Rheingold“. Von 2009 bis 2013 war er Kapellmeister an der Bayerischen Staatsoper in München und Assistent von Kent Nagano. Seit 2014 ist er 1. Kapellmeister am Saarländischen Staatstheater.

In den Probedirigaten hat sich Ward — wie seine Mitstreiter — gut geschlagen. Allerdings fiel eine Einschätzung seiner Fähigkeiten gerade nach seinen Auftritten besonders schwer, da er im „Weihnachtskonzert“ einige Ausschnitte aus Tschaikowskys „Nussknacker“ zwar klangschön und schwungvoll zu Gehör brachte, aber keine Gelegenheit hatte, sich mit einem größer dimensionierten Werk zu befassen. Sein Opern-Dirigat ließ zudem nur marginale Unterschiede zu dem seines Kontrahenten Ido Arad erkennen. Die Stärken und Schwächen der Kandidaten halten sich — mit unterschiedlichen Akzenten — insgesamt so weit im Gleichgewicht, dass für die Entscheidung auch Aspekte der Persönlichkeit in die Waagschale geworfen werden müssen, die sich dem Konzert- und Opernbesucher entziehen.

Entsprechend dürften die Eindrücke ins Gewicht fallen, die die Mitglieder der Findungskommission in Gesprächen mit den Kandidaten und durch Einblicke in die Probenarbeit gewinnen konnten. Und nicht zuletzt hat sicher auch das Votum des Orchesters einen großen Einfluss auf die Entscheidung. Unter den Musikern hatte sich Ward knapp gegen Johansson durchgesetzt.

(chr/mh/eho/P.Ob.)
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