Waldfeucht: Auftragsmord im Gewerbegebiet

Messerattacke : Auftragsmord im Waldfeuchter Gewerbegebiet

Ein 27-jähriger Mann wird in Waldfeucht Opfer eines brutalen Messerangriffs. Zunächst geht die Mordkommission vom Motiv Eifersucht aus. Aber ihre Ermittlungen führen zum Verdacht auf einen Auftragsmord.

Was zunächst wie ein eskalierter Beziehungsstreit oder die Folge eines missglückten Drogengeschäftes aussah, entpuppte sich am Ende als heimtückisch geplanter Auftragsmord. Das legen jedenfalls die Ermittlungen der Mönchengladbacher Mordkommission zu einer tödlichen Messerattacke in Waldfeucht nahe. Fünf Täter seien daran beteiligt gewesen, sagte Ingo Thiel, Leiter der Mordkommission. Alle sitzen in Untersuchungshaft. Der letzte wurde am Freitag, 9. November, von einem Spezialeinsatzkommando der Kölner Polizei festgenommen.

Dass es im Fall des am 2. Oktober im Waldfeuchter Gewerbegebiet erstochenen Dominik J. noch einmal zu dieser Wendung kam, ist offensichtlich der Hartnäckigkeit der Ermittler zu verdanken. Trotz qualitativ schlechter Videobilder, trotz inhaltlich „schwieriger“ Vernehmungen führte die Spur zu einem Deutsch-Albaner aus dem Kreis Heinsberg, der „die Truppen“ für den Mord zusammenstellte und dafür möglicherweise Geld kassiert hat.

Nachdem die Leiche des 27-jährigen Mannes gefunden worden war, hatte die Mordkommission erst einmal versucht, den Hergang der Tat zu rekonstruieren. Dazu konnten die Ermittler zwar auf Videomaterial einer benachbarten Firma zurückgreifen, die Qualität sei aber so schlecht gewesen, dass Personen und Fahrzeuge bloß schemenhaft zu erkennen waren.

Was die Ermittler rekonstruieren konnten, lässt auf ein extrem brutales und kaltblütiges Vorgehen der Täter schließen. Gegen 23 Uhr halten zunächst zwei Autos an einem Kreisverkehr nebeneinander an. In einem sitzt Dominik J., das spätere Opfer. In dem anderen Marvin R., der Albaner Sandrino K. und die Iraner Hosein S. und Said M.. Marvin R. und Dominik J. müssen sich kurz abgesprochen haben. Denn wenig später fahren sie beide zum Tatort.

Überraschende Wendung: Ingo Thiel, Leiter der Mordkommission, spricht von einem Auftragsmord in Waldfeucht. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Was dort passiert, können die Ermittler anhand der Videobilder nur zum Teil nachvollziehen. Klar scheint aber, dass Dominik J. brutal attackiert wurde. Mehr als 50 Mal hätten sich Thiel und seine Kollegen das Video angeschaut. Trotzdem war nicht alles zu erkennen, was sich an diesem Abend zutrug.

Nach einiger Zeit wurde das Opfer, so Thiel, „schwerstverletzt“ in den Kofferraum des Autos gebracht. Wenig später öffnete sich die Klappe des Kofferraums noch einmal, und Dominik J. versuchte zu fliehen. „Dann geht die Fahrertür auf. Der Fahrer des Autos läuft dem Opfer hinterher. Es folgen mehrere Stiche in den Thorax, die tödlich waren“, sagte Thiel. Wie oft Marwin R. auf sein Opfer einstach wollte Thiel nicht sagen. Nach Informationen unserer Zeitung waren es jedoch mehrere Dutzend Stiche.

Hintergrund der Tat ist offensichtlich ein Beziehungsstreit: Dominik J. hatte einen Tag zuvor den Schlüssel zu seiner ersten gemeinsamen Wohnung mit seiner Freundin bekommen. Diese Frau ist die Ex-Freundin von Marvin R.. „Er war mit der Beziehung nicht einverstanden“, sagte Thiel. Was wohl eine sehr nüchterne Zusammenfassung des Motivs des mutmaßlichen Täters ist.

Polizei gibt nach Auftragsmord in Waldfeucht Details bekannt

Schon die ersten Vernehmungen führten die Ermittler jedoch nicht nur zum Motiv Eifersucht, sondern auch zum Verdacht, dass es sich um einen Auftragsmord handeln könnte. Am 4. Oktober stellten sich  Sandrino K., Hosein S. und Said M. der Heinsberger Polizei. Am Abend des 5. Oktober nahm die Polizei Marvin R. fest. Damit hätte sich die Polizei zufrieden geben können.

Für Thiel und seine Kollegen blieben aber noch zu viele Fragen offen. Zum Beispiel die nach der Rolle des Deutsch-Albaners Besard D.. Der habe versucht, auf Zeugen einzuwirken, der habe versucht, die Tatwaffe und das protzige Auto, mit dem die Täter unterwegs waren, verschwinden zu lassen.

Am Ende kommen die Ermittler zu folgendem Schluss: Marvin R. will den neuen Partner seiner Ex-Freundin umbringen. Er beauftragt Sandrino K., ihm zu helfen. Der wiederum bittet Besard D. um Hilfe, der die beiden Iraner „auftreibt“, in die Planung der Tat involviert ist und für seine Dienste Geld haben will.

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