Nur jeder fünfte Baum ist gesund: Wäldern in NRW geht es schlechter denn je

Nur jeder fünfte Baum ist gesund : Wäldern in NRW geht es schlechter denn je

Hitzewellen und Trockenheit haben den Forst weiter geschädigt. Der Waldzustandsbericht 2019 spricht von der bislang schlechtesten Lage. Gesunde Bäume sind in der Minderheit. Und die Borkenkäferplage ist nach Einschätzung der Fachleute nicht vorbei.

Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer schädigen die Wälder erheblich: Der Zustand der Forste in Nordrhein-Westfalen hat sich in diesem Jahr weiter verschlechtert. Nur etwa jeder fünfte Baum habe keine Schäden, sagte Nordrhein-Westfalens Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) am Montag in Düsseldorf bei der Vorstellung des Waldzustandsberichts 2019. Gegenüber dem bislang schlechtesten Jahr 2018 habe sich der Zustand noch einmal verschlimmert. Die Zahlen seien „besorgniserregend“. Der Waldzustand wird seit 1984 untersucht.

Die Schäden durch Borkenkäfer haben nach Einschätzung des Landesbetriebs Wald und Holz ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. „Wir hoffen, dass nächstes Jahr das Klima nicht so trocken ist, damit die Bestände die Gelegenheit bekommen, sich zu erholen“, erklärte Hubert Kaiser, Forst-Fachmann des Umweltministeriums. Mit Blick auf die einzelnen Arten ergeben sich Unterschiede.

Fichte: Sie hat einen Anteil von 30 Prozent in den Wäldern. Ihr Zustand hat sich weiter verschlechtert. Die deutlichen Kronenschäden seien 2019 um weitere fünf Prozentpunkte auf jetzt 42 Prozent gestiegen. „Gesund sind nur noch 22 Prozent der Bäume“, heißt es im Waldzustandsbericht. 2018 und 2019 fielen alleine bei diesem sehr verbreiteten Nadelbaum über 18,7 Millionen Kubikmeter Schadholz an.

Buche: Der Zustand des in vielen Gebieten typischen Laubbaumes hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht verschlechtert. Die Baumkronen sahen sogar besser aus. Jedoch haben immer noch vier von fünf Buchen eine zu lichte Krone. Dürre und Hitze machten auch diesen Baumriesen zu schaffen. Dies sei durch eingerollte Blätter als Verdunstungsschutz sichtbar geworden, etwa in Ostwestfalen und im Münsterland, erklärte das Ministerium. Die Buche hat einen Waldanteil von 19 Prozent.

Eiche: 2019 wurden die höchsten Eichenschäden seit Beginn der Erhebung festgestellt. „Nur zwölf Prozent der Bäume zeigen keine Kronenverlichtung“, sagen die Fachleute. Insektenfraß, Dürre, Stürme und Pilzbefall brächten eine Dauerbelastung, die den Bäumen kaum eine Gelegenheit zur Erholung lasse. Die Eiche, die sehr alt werden kann, hat in NRW einen Waldanteil von 17 Prozent.

Kiefer: Auch bei diesem Nadelbaum wird eine weitere Verschlechterung gemeldet. Nur elf Prozent haben keine Kronenverlichtung. Zu den Beeinträchtigungen durch das Wetter kamen Pilzbefall und regional auch Schäden durch Käfer dazu. In den Wäldern hat die Kiefer einen Anteil von acht Prozent.

Ministerin Heinen-Esser schlug als regionales Instrument zur Anerkennung der Klimaschutzfunktion des Waldes die Einrichtung eines „NRW-Waldfonds“ vor. Darin könnten beispielsweise Flugreisen der Landesregierung finanziell kompensiert werden. Wenn der Fonds an den Start gehe, könnten auch Unternehmen zur Teilnahme eingeladen werden.

Naturschutzverbände kritisierten, es handele sich um einen reinen Baum-Zustandsbericht. „Ein Wald besteht nicht nur aus Bäumen und Holzvorrat, sondern ist ein artenreiches und komplexes Ökosystem“, erklärte Holger Sticht, der Bund-Landesvorsitzende. Indikatoren wie Pilze und Insekten fehlten völlig. Der Naturschutzbund Nabu verlangte eine langfristige Waldpolitik, etwa einen schonenden Umgang mit dem Boden bei Forstarbeiten, um dem Klimawandel zu begegnen.

Der Waldzustand wird seit 1984 systematisch an immer denselben Orten in Nordrhein-Westfalen erfasst. Dabei wird über das ganze Bundesland verteilt der Zustand von 10 300 Bäumen geprüft. Etwa ein Viertel der Landesfläche ist mit Wald bedeckt. Zwei Drittel der Forstflächen sind in privater Hand.

(dpa)