Kerpen/Merzenich: Vorfall am Tagebau: Auto fährt in Sandwall, Vermummte am Unfallort

Kerpen/Merzenich : Vorfall am Tagebau: Auto fährt in Sandwall, Vermummte am Unfallort

Eine Autofahrerin und ihre 18 Jahre alte Tochter sind am Donnerstagabend am Tagebau Hambach mit ihrem Wagen in einen Erdwall gefahren, weil dort Warnbaken entfernt worden waren. Die alarmierten Rettungskräfte wurden durch eine brennende Barrikade aufgehalten, die von rund 20 Vermummten in der Nähe errichtet worden war.

Wie die Polizei am Freitag mitteilte, hatte sich die 49-Jährige in der Dunkelheit am Donnerstagabend bei Kerpen verfahren. Weil die Software ihres Navigationssystems veraltet war, geriet sie auf die ehemalige Landesstraße 276 in Richtung der ehemaligen Autobahnauffahrt Kerpen-Buir, inzwischen eine Werkstraße des Energiekonzerns RWE.

In unmittelbarer Nähe zum Wall hatten Unbekannte eine Barrikade aus Ästen aufgebaut und angezündet. Foto: RWE

„Obwohl sie recht langsam unterwegs war, fuhr sie nahezu ungebremst in einen dort aufgeschütteten Sandwall“, heißt es im Polizeibericht. Der Wall soll verhindern, dass Autos auf die stillgelegte, ehemalige A4-Trasse auffahren. Die 18-jährige Tochter wurde beim Aufprall leicht verletzt. Nach Polizeiangaben waren zuvor die reflektierenden Warnbaken vor dem Wall gestohlen worden.

Der Erdwall soll Verkehrsteilnehmer davon abhalten, auf das mittlerweile zum Tagebaugelände gehörende Stück der ehemaligen Landesstraße zu fahren. Foto: RWE

Unmittelbar nach dem Unfall erschienen den Angaben zufolge 20 vermummte Personen - nach Einschätzung der Polizei wahrscheinlich aus der Szene von Waldbesetzern, die den Hambacher Wald vor dem fortschreitenden Tagebau retten wollen. Andere Unbekannte errichteten in der Nähe der Unfallstelle eine Barrikade und zündeten sie an. Im Polizeibericht heißt es weiter: „Rettungskräfte und Polizei mussten daher warten, bis der herbeigeeilte Betriebswerkschutz und die Betriebsfeuerwehr das Feuer löschten und die Barrikaden beseitigten.“

Als der Werkschutz eintraf, verschwanden die Vermummten und weitere Personen im Wald. Die 18-Jährige kam mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus. Das Auto musste abgeschleppt werden. Der Schaden beläuft sich auf mehrere tausend Euro.

In dem Gebiet am Tagebau gibt es immer wieder Barrikaden, die den Braunkohlegegnern zugeordnet werden. Die Polizei ermittelt nun unter anderem wegen des Herbeiführens einer Brandgefahr, des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr sowie Nötigung.

(red/pol/dpa)
Mehr von Aachener Nachrichten