Düsseldorf: Vor Laschets Besuch in Belgien: Atomgegner fordern Abschaltung von Tihange

Düsseldorf : Vor Laschets Besuch in Belgien: Atomgegner fordern Abschaltung von Tihange

Die nordrhein-westfälische Landesregierung macht Druck auf Belgien, die störanfälligen Atomkraftwerke Tihange nahe Aachen und Doel bei Antwerpen stillzulegen. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wollte am Dienstag in Brüssel erstmals auf höchster politischer Ebene bei einem Gespräch mit Belgiens Premier Charles Michel einen Vorstoß unternehmen.

Ein schwerer Reaktorunfall in Tihange oder Doel könnte „verheerende Folgen für Westeuropa” haben, hieß es. Die Initiativen forderten ein sofortiges Ende der Lieferungen von Brennelementen aus Lingen im Emsland sowie von angereichertem Uran aus dem westfälischen Gronau. Solange Deutschland durch Uran-Lieferungen am Weiterbetrieb der Reaktoren mitbeteiligt sei, bleibe die offizielle Kritik an den Atomkraftwerken unglaubwürdig.

Er erneuerte sein Angebot an Belgien, als Ersatz für Atommeiler Strom aus NRW zu liefern. Es handele sich um einen Strommix aus Kohle, Braunkohle und erneuerbaren Energien. „Dem Strom sieht man nicht an, aus welcher Quelle er kommt”, sagte Laschet mit Blick auf Kritik an der Braunkohle.

Es sei „wünschenswert”, dass Reaktoren nach wiederholten Pannen abgeschaltet würden, sagte Laschet der belgischen Tageszeitung „De Standaard”. „Je schneller, desto besser.” Kommende Woche reist auch NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) zu Gesprächen über Atomkraft und Energiepolitik nach Brüssel.

Umweltverbände hatten die Offerte Laschets wegen des Einsatzes der umstrittenen Braunkohle ein „vergiftetes Angebot” genannt. Laschet sagte in dem Interview, Braunkohle sei erschwinglich. Und Elektrizität „aus dieser breiten Mischung” sei sicherer als Atomkraftwerke, in denen Vorfälle langfristig sehr folgenschwer sein könnten. Vor allem in der Aachener Region herrscht Sorge, sollte es zu einem Atomunfall im Nachbarland Belgien kommen.

Für den Transport großer Mengen Strom nach Belgien gibt es allerdings nicht genügend Leitungen. Bisher sei eine Hochspannungsleitung im Bau, die aber nur ein Gigawatt transportieren werde, sagte Laschet. Er habe der belgischen Seite vorgeschlagen, das Planungsverfahren in Deutschland zu beschleunigen, um eine zweite Leitung zu schaffen.

Mit der Regionalregierung Flanderns vereinbarte Laschet zum Auftakt seines Antrittsbesuches in Belgien, eine gemeinsame Brexit-Strategie auszuarbeiten. Verantwortlich dafür werde auf NRW-Seite der Brexit-Beauftragte Friedrich Merz sein. Von Großbritannien hingen in Flandern und NRW Hunderttausende von Arbeitsplätzen ab, sagte Laschet nach einem Gespräch mit dem flämischen Ministerpräsidenten Geert Bourgeois. Dieser äußerte die Sorge vor möglichen Einfuhrzöllen und Handelsschranken.

Außerdem wollen Flandern und NRW das Projekt einer Güter-Eisenbahnlinie zwischen dem Ruhrgebiet und dem Hafen Antwerpen („Eiserner Rhein”) voranbringen und in diesem Jahr eine gemeinsame Kabinettssitzung abhalten.

(dpa)
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