Aachen: Von Grammatik und von der Liebe zur Sprache

Aachen : Von Grammatik und von der Liebe zur Sprache

Es geht um die Liebe. Und um Freude. Oder wahlweise um eine friedliche Revolution. Auf den ersten Blick würde man derart große Lebensthemen womöglich kaum in Verbindung bringen mit — Englischunterricht, genauer gesagt: mit der Vermittlung von Grammatik. Um nichts weniger geht es allerdings Friderike Hirsch-Wright.

Die Aachenerin ist seit Jahrzehnten der englischen Sprache regelrecht verfallen, hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und als Lehrerin und Dozentin gearbeitet. Die studierte Philologin hat ein Lehrbuch veröffentlicht — „weil es erschreckend ist, wie es an deutschen Schulen und Universitäten in Sachen Englischlernen zugeht“, wie sie sagt.

Damit will sie nicht nur die aus ihrer Sicht „alten verkrusteten Systemen“ für den Unterricht aufbrechen. Die 52-Jährige möchte auch ein wenig von dem vermitteln, was für sie längst zum Lebensinhalt und gleichzeitig zum Titel des Buches geworden ist: „The Joy of Syntax and the Zen of Grammar Practice“ (2017) — die pure Freude am Satzbau. Dass der lustvolle Umgang mit der Grammatik nicht unbedingt jedermanns Sache ist, hält die Pädagogin für ein Versäumnis etablierter Lernmethoden: „Das Schulsystem beschränkt Kreativität, Universitäten bereiten angehende Lehrer sprachlich und menschlich nicht ausreichend auf ihre unsagbar wichtigen Aufgaben vor“.

Ergänzend zur handfesten Basis ihrer Philosophie auf 460 gedruckten Seiten hat Hirsch-Wright das zukunftsorientierte Online-basierte Lernen für sich entdeckt. Verschiedene Kurse für ihr im wahrsten Wortsinn buntes Lernprogramm „English in Colour“ sind in Vorbereitung. Ihre Methode, angewandt etwa in der Unterrichtsarbeit mit Studenten der RWTH und Englisch-Referendaren, seien „lebendige Bücher mit Videos, Audios und animierten Dokumenten“.

Mit ihrem Ansatz liegt die Aachenerin unter anderem auf einer Linie mit dem NRW-Landeschef der Grünen. In einem Interview kritisierte Felix Banaszak kürzlich, die Schulen in NRW würden Kinder nicht gut auf die Welt und den Arbeitsmarkt der Zukunft vorbereiten: „Unsere Schulen sind noch an zu vielen Stellen im 20. Jahrhundert stecken geblieben“.

Es reiche nicht, die Schulen mit moderner Technik auszustatten. „Nicht nur die Geräte müssen sich ändern, sondern auch die Inhalte. Schulen müssen auf das Leben in einer globalisierten, digitalisierten Welt und ein verändertes Berufsleben vorbereiten: auf das gemeinschaftliche Arbeiten in Teams, auf weltweite Kommunikation. Wir brauchen auch Schulen, die Kulturoffenheit, Akzeptanz und Respekt für verschiedene Lebensentwürfe vermitteln.“

Mario Oesterreicher, Vorstandsmitglied des Verbands Englisch & Mehrsprachigkeit (E&M) erklärt, „dass der Verband jedwede Bestrebung, und damit auch die entsprechend innovativen Unterrichtskonzepte unterstützt, die den Englischunterricht nicht nur als die Vermittlung einer Fremdsprache sehen“, sondern der prominenten Stellung des Englischunterrichts gerecht werden. Dies habe man mehrfach in Anmerkungen zu Englischlehrplanentwürfen bundesweit bekundet.

Hirsch-Wright fasst ihre Ziele ganz konkret: „Lernen, lieben, lachen, so stelle ich mir den Alltag von Schülern und Studenten vor. Auf dem Weg dahin fasst die Aachenerin das Wohl ihrer jetzigen und aller künftigen „Joy of Syntax“-Schüler ins Auge. „Ich möchte mithelfen, dass sie frei, selbstbestimmt und ganzheitlich lernen können“.

(red)
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