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Keine Abkühlung in Sicht: Vollgelaufene Keller und Straßen halten Feuerwehr in der Nacht auf Trab

Keine Abkühlung in Sicht : Vollgelaufene Keller und Straßen halten Feuerwehr in der Nacht auf Trab

Nach den Gewittern am Dienstagnachmittag krachte es auch in der Nacht zum Mittwoch ordentlich in der Region. Weiter können Gewitter übers Land ziehen – doch es bleibt trotzdem schwül-heiß. Die Waldbrandgefahr ist weiterhin unverändert groß.

134 Mal musste die Feuerwehr in der Stadt Aachen in der Nacht zum Mittwoch ausrücken, um Straßen und Keller leerzupumpen, sagte ein Sprecher der Wehr am Mittwochmorgen. Erst am Dienstagnachmittag wurden etwa an der Kaiser-Friedrich-Allee mehrere Bäume bei einem Gewitter entwurzelt, im ganzen Stadtgebiet wurden Straßen zeitweise überflutet.

„Da ist mehr passiert, als wir erwartet hatten“, sagt Nino Polaczek-Keilhauer, Arbeitsvorbereiter Baumpflege und Baumkontrolle des Stadtbetriebs.

Am Amsterdamer Ring in Richtung Kronenberg stürzte eine Weide auf den Geh- und Fahrradweg, der dadurch vollständig versperrt war. Auch in einigen Grünanlagen stürzten Bäume um. „Die meisten Schäden sind aber Astbrüche“, sagt Nino Polaczek-Keilhauer und erklärt: „Zum Sturm kam die Trockenheit der vergangenen Wochen hinzu. Die Bäume verlieren die Astspannung und dadurch brechen die Äste bei einem Sturm schneller ab.“

Voraussichtlich bis zum Ende der Woche werden die Aufräumarbeiten andauern. Ein Team fährt dabei die Astbrüche ab, ein weiteres kontrolliert Schulen und Kindergärten und ein Team kümmert sich um die Beseitigung der umgestürzten Bäume.

Für die kommenden Tage rät der Experte zur Vorsicht bei Spaziergängen in Parks. „Hin und wieder ein Blick in die Bäume kann nicht schaden“, sagt Nino Polaczek-Keilhauer.

Größere Sachschäden oder bemerkenswerte Einsätze gab es nach ersten Informationen der Feuerwehr in der Städteregion nicht. Jedoch kam es in mehreren Städten ebenfalls zu zahlreichen Einsätzen, um Wasser abzupumpen.

Der Würselener Wehrleiter Patrick Ameri bestätigte am Mittwochmorgen 24 umweltbedingte Einsätze, unter anderem in der Heidestraße in Bardenberg. Besonders betroffen sei das Gebiet Oppen Haal betroffen gewesen. Bis 4.30 Uhr waren insgesamt 60 Wehrleute dort im Einsatz.

In Alsdorf gab es drei Unwettereinsätze, wie Wehrsprecher Christoph Simon auf Anfrage darlegt: Gegen 18 Uhr galt es auf der Autobahn 44 einen umgestürzten Baum zu beseitigen. Gegen 1 Uhr in der Nacht wurde ein Wassereinbruch an der Luisenstraße gemeldet. Und gegen 7 Uhr am Morgen musste ein weiterer umgekippter Baum beseitigt werden, diesmal im Broichbachtal. Gegen 21.30 Uhr am Dienstagabend musste die Wehr zudem eine Ölspur beseitigen, die rund um den Kreisverkehr in Busch gemeldet worden war.

Die Feuerwehr Stolberg spricht von einem „Höhepunkt” der Einsatzzahlen. Rund drei Dutzend Einsätze verzeichnete sie in den letzten 24 Stunden.

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In Herzogenrath-Kohlscheid gab es nur einen überschwemmten Keller, den Kräfte der Hauptwache schnell abgepumt hatten, wie der Herzogenrather Wehrsprecher Thomas Hendriks auf Nachfrage mitteilt. Im Kreis Düren waren „nur wenige Keller” betroffen, so die Leitstelle am Morgen. Vom Gewitter blieb der Kreis Heinsberg größtenteils verschont, so die dortige Feuerwehr.

Das Wetter in den kommenden Tagen

Die extrem hohen Temperaturen in Nordrhein-Westfalen wollen einfach nicht sinken – und das trotz Gewittern mit Starkregen. Der teils kräftige Regen bringe keine Abkühlung, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Mittwoch. Im Gegenteil: „Es wird eher noch schwüler und ausgesprochen drückend.“

Am Mittwoch kletterten die Temperaturen vielerorts schon mittags auf über 30 Grad, am Donnerstag soll es ähnlich bleiben. Gleichzeitig sei immer wieder mit lokalen Unwettern zu rechnen, teils mit Starkregen, Hagel und Sturmböen. „Wo die auftreten, kann man nicht genau sagen, es handelt sich meistens um kleinräumige Hotspots“, sagte der Meteorologe.

Bereits seit Dienstagnachmittag und in der Nacht zum Mittwoch waren Gewitter mit heftigem Regen über NRW gezogen. Unter anderem in Neuss, Düsseldorf und Hattingen meldete die Feuerwehr zig Einsätze wegen vollgelaufener Keller, umgestürzter Bäume oder überfluteter Straßen. In Königswinter entzündete sich nach Angaben der Feuerwehr durch einen Blitzschlag trockenes Gras auf einer Wiese und verursachte einen Flächenbrand. Die Feuerwehr und der einsetzende Regen löschten die Flammen.

Die Waldbrandgefahr bleibt unverändert hoch. „In der aktuellen Extremwetterlage genügt bereits ein Funke, um auf den staubtrockenen Waldböden einen Brand zu entfachen“, teilte der Ruhrverband am Mittwoch mit. Dennoch fänden sich rund um die Talsperren immer wieder illegale Grillplätze und Feuerstellen. Auch NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) hatte zuvor mit eindringlichen Worten vor der Gefahr von Bränden gewarnt und Waldbesucher gebeten, sich umsichtig zu verhalten.

Der Landesverband Gartenbau NRW sorgt sich angesichts der langen Trockenperioden um eine ausreichende Bewässerung von Freiluft-Pflanzen. Nach den heißen und trockenen Sommern 2018 und 2019 sei in diesem Jahr eine weitere Dürre zu befürchten. „Wir müssen diskutieren, wie die regionale Bewässerung sichergestellt werden kann“, forderte Verbands-Präsidentin Eva Kähler-Theuerkauf. „Wir brauchen Weiterentwicklungen in der Bewässerungstechnik und vor allem damit verbunden praktische Entscheidungshilfen für den Betrieb.“

(cheb/dpa)