Köln: Villen, Fabriken, Kirchen: Bauhaus-Architektur hinterließ Spuren im Westen

Köln : Villen, Fabriken, Kirchen: Bauhaus-Architektur hinterließ Spuren im Westen

Villen, Verwaltungsgebäude, Fabriken: Der bahnbrechende Bauhaus-Stil der 1920er Jahre hat im heutigen Nordrhein-Westfalen Spuren hinterlassen. Bauhaus-Direktor Ludwig Mies van der Rohe hat in Krefeld die Fabrikantenvillen Haus Lange und Haus Esters entworfen.

Industriebauten an Rhein und Ruhr zählen mit ihrer sachlichen Ausstrahlung zu Vorzeigeprojekten des Neuen Bauens. Dazu gehören die Zeche Zollverein in Essen, das Dortmunder U und das Verseidag-Fabrikgebäude in Krefeld.

ARCHIV - 30.03.2016, Nordrhein-Westfalen, Krefeld: Das Foto zeigt das Haus Esters (l) und das Haus Lange. Die beiden Häuser wurde von Bauhaus-Architekt Mies van der Rohe 1927 für Hermann Lange und Josef Esters gebaut. Das Jubiläum „100 Jahre Bauhaus“ im kommenden Jahr wird in Nordrhein-Westfalen mit zahlreichen Ausstellungen gefeiert. (zu dpa „Viele Ausstellungen in NRW zu Bauhaus-Jubiläum“ vom 05.04.2018). Foto: Roland Weihrauch/dpa

Ein großes Verbundprojekt namens „100 Jahre Bauhaus im Westen“ spiegelt die vielen Bezüge in NRW zur berühmten, 1919 gegründeten Design- und Architekturschule. Beteiligte sind die Landschaftsverbände Westfalen-Lippe (LWL) und Rheinland (LVR) sowie das NRW-Kulturministerium. Rund 40 Veranstaltungen, vor allem Ausstellungen, sind bis ins Jahr 2020 hinein geplant.

Bauhaus-Spuren in Nordrhein-Westfalen: Haus Esters und Haus Lange in Krefeld (beide o. li.) von Mies van der Rohe; die Düsseldorfer Tonhalle (o. re.), Zeche Zollverein (u. li.) und St. Engelbert in Köln von Gottfried Böhm. Foto: Imago/blickwinkel, Imagebroker, Arcaid Images

Das Programm bezieht sich auf Bauhaus und Weimarer Republik. „Diese Aufbruchstimmung nach dem Ersten Weltkrieg hängt mit beiden zusammen“, beschreibt Thomas Schleper aus dem Leitungskreis des Projekts. „Dieser Enthusiasmus für das Neue ist in den 1920er Jahren mit Händen zu greifen.“ Nach den Kriegsjahren versprachen Liberalität, Utopien, Frauenwahlrecht und Freiheit der Künste einen Ausbruch aus dem Mief der Kaiserzeit. Und der schnörkellose Bauhaus-Stil machte auch Schluss mit alten Zöpfen.

Bildnummer: 52208784 Datum: 05.08.2007 Copyright: imago/imagebroker Tonhalle in Düsseldorf, Gebäude, außen, Außenansicht; 2007, Düsseldorf, Konzerthaus, Kuppel; , quer, Kbdig, Einzelbild, Bildhauerei, Kunst, Veranstaltungsorte, Deutschland, , Reisen, Nordrhein Westfalen, Europa.

Das Programm „100 Jahre Bauhaus im Westen“ behandelt große Themen: Industriearchitektur, Städtebau, Sehnsucht nach Demokratie und Exil. Die Kunstsammlung NRW etwa stellt von Juni an in einer großen Ausstellung in Düsseldorf die Bauhaus-Textilkünstlerin Anni Albers vor. Ihr Mann, der Maler Josef Albers, bekommt in Essen eine große Retrospektive. „Wir wollen diese Brücke schlagen zwischen gesellschaftlichen Veränderungen und den politischen Rahmenbedingungen damals“, sagt Barbara Rüschoff-Parzinger, die LWL-Kulturdezernentin, in Münster. Geplant sind Ausstellungen zu Mode, Fotografie, der Kunstszene im frühen 20. Jahrhundert, Glasarbeiten und den vielen sichtbaren Bauhaus-Spuren in Krefeld.

Bis ins Jahr 2020 hinein reicht das Programm. Den Anfang macht ein Symposium in Essen auf Zeche Zollverein im September 2018. Als Prolog stellen schon in diesem Frühjahr drei Ausstellungen den „Alleskönner Peter Behrens“ vor. Der umtriebige Architekt (1868 - 1940) gestaltete Weingläser, Stoffe, Möbel, Hausgeräte und baute Häuser. Anfang der 1920er Jahre entwarf er ein Lagerhaus für die Gutehoffnunghütte Oberhausen. Heute ist in dem kolossalen, an einen Ozeandampfer erinnernden Bau das Zentraldepot des LVR-Industriemuseums untergebracht. Eine neue Dauerausstellung dort beschreibt ab dem 28. April Behrens‘ künstlerische Entwicklung. Die anderen Schauen zeigen das Museum für angewandte Kunst in Köln (bis 1. Juli) und das Kaiser-Wilhelm-Museum Krefeld (18.5.- 14.10.).

Ein verborgener Schatz

Ein verborgener Schatz, das „Landhaus Ilse“ in Burbach im Siegerland, wurde erst vor wenigen Jahren wiederentdeckt. Eher zufällig kam heraus, dass die Villa von 1924 sehr einem Gebäude ähnelt, das kurz zuvor zur ersten Bauhaus-Ausstellung als Musterhaus errichtet worden war. Inzwischen unter Denkmalschutz stehend, soll das gelb getünchte Anwesen restauriert werden und im Rahmen des Bauhaus-Jubiläums besichtigt werden können.