Vier Männer sollen einen Nebenbuhler in Waldfeucht umgebracht haben.

Mordprozess am Landgericht Aachen : Auftragsmord am Nebenbuhler für 3000 Euro?

Am späten Abend des 2. Oktobers 2018 wird Dominik J. in einem Gewerbegebiet in Waldfeucht von Passanten gefunden. Für den 27-Jährigen kommt jede Hilfe zu spät, er erliegt seinen zahlreichen Stichverletzungen. Es ist das Ende eines Beziehungsdramas.

Ab Montag stehen vier junge Männer aus dem Kreis Heinsberg vor dem Landgericht, ihnen wird gemeinschaftlicher Mord vorgeworfen. Der Anstifter zu dem Mord soll der 22-Jährige Marvin R. gewesen sein, der zuletzt in Wassenberg gemeldet war. Der Deutsche hatte eine Beziehung mit einer jungen Frau; das Paar wohnte eine zeitlang zusammen in Stahe-Niederbusch.

Mitte des vergangenen Jahres gingen sie auseinander. Einvernehmlich, so glaubte Natalie G. Doch Marvin R. dachte anders, er wollte die Ex-Freundin wieder sich gewinnen. Natalie G. lernte dagegen Dominik J., den alle nur „Dodo“ nannten, kennen und auch lieben. Das Paar mietete ein Haus in Waldfeucht, plante die gemeinsame Zukunft.

Irgendwann im September – so haben es die Ermittler der Mönchengladbacher Mordkommission – herausgefunden, fasst Marvin R. den Entschluss, den Nebenbuhler aus dem Weg zu räumen. Er redet darüber mit Sandorino K., dem Pflegesohn seiner Eltern. Die beiden nennen sich „Brüder“.

Der Albaner Sandorino K. hat Kontakt ins kriminelle Milieu, und der 17-Jährige findet tatsächlich zwei Komplizen: die Iraner Saeed M., 23, und Hosein S., 27 Jahre, beide wohnhaft in Heinsberg, wollen bei dem Mord mitmachen. Sie verlangen laut Anklage 3000 Euro für die Tatbeteiligung.

Das Opfer, so ist der Plan, soll in einen Hinterhalt gelockt werden. Als Tattag wird der 2. Oktober gewählt. An diesem Dienstag, so hat es die Kripo später ermittelt, schaut Marvin R. bei seiner Ex-Freundin und ihrem neuen Lebensgefährten vorbei, er hilft sogar mit, das neue Haus zu renovieren. Der Tag beginnt entspannt – und endet mörderisch. Abends dann holt Marvin R. seine Komplizen ab, sie lauern Dominik J. an einem Kreisverkehr im Gewerbegebiet auf, unweit der niederländischen Grenze.

Was dann geschieht, lässt sich teilweise anhand der Videobilder von benachbarten Firmen im Gewerbegebiet ermitteln. Die Qualität der Aufnahmen ist nicht sonderlich gut, Personen und Fahrzeuge sind bloß schemenhaft zu erkennen. Doch die Staatsanwaltschaft hat inzwischen den Abend aus ihrer Sicht rekonstruiert.

Die Männer und ihr Opfer verabreden sich „auf eine Zigarette“ auf einem benachbarten Parkplatz. Dort soll die Tortur für Dominik J. begonnen haben. Die beiden Iraner fangen an, ihr Opfer zu schlagen. Und Sandrino K. zückt das Messer, läuft hinter Dominik J. her, der am Rücken und Oberschenkel getroffen wird . Später legen sie den Schwerverletzten in den Kofferraum ihres Autos. Dominik J. gelingt es im Todeskampf, die Notfall-Verriegelung von innen zu öffnen, er flieht ein letztes Mal. Marvin R. springt aus dem Wagen und sticht immer wieder auf ihn ein. Die Ermittler sprechen von einer „brutalen“ und „kaltblütigen“ Tat. Am Ende notiert der Gerichtsmediziner mehr als 50 Stiche, viele davon in Hals und Oberkörper. Die Männer lassen Dominik J. zurück und flüchten mit dem Auto.

Zwei Tage nach der Tat betreten Saeed M., Hosein S. und Sandorino K. mit ihren Anwälten das Kommissariat. Die damals 23-, 27- und 17-Jährigen legen ein Geständnis ab und belasten Marvin R. als Haupttäter. Am Tag danach nimmt ein Sondereinsatzkommando auch ihn in Wassenberg fest. Alle Vier kommen in Untersuchungshaft.

Die mörderische Quartett ist nun angeklagt; die Familie des Opfers tritt als Nebenkläger auf. Auf alle Angeklagten treffe das Mordmerkmal „Heimtücke“ zu, für Marvin R. noch „niedrige Beweggründe“, für Saeed M., und Hosein S. „Habgier“, so sieht es die Staatsanwaltschaft.

Den drei erwachsenen Angeklagten droht somit eine lebenslange Haft, dem Jugendlichen die Höchststrafe von zehn Jahren. 17 Verhandlungstage sind vor der 5. Großen Jugendkammer angesetzt, das Urteil könnte Ende September verkündet werden.

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