Aachen: Viele Kirchengemeinden suchen nach Sternsingern

Aachen : Viele Kirchengemeinden suchen nach Sternsingern

Sternsinger aus den Bistümern Aachen, Essen, Köln, Münster und Paderborn kamen am Donnerstag zum Dreikönigssingen in die NRW-Staatskanzlei. „Mit ihrer Aktion machen die Sternsinger auf die Nöte anderer Menschen aufmerksam und sammeln Spenden für Kinder und Jugendliche in den armen Ländern dieser Erde. Das ist gelebte christliche Nächstenliebe“, lobte Laschet.

In diesem Jahr werden die Spenden hauptsächlich gegen Kinderarbeit in Indien eingesetzt. Es gebe kaum etwas Schlimmeres als die Tatsache, dass Kinder nicht Kinder sein dürfen, sondern hart arbeiten müssen, sagte Laschet. „Die Sternsinger helfen diesen Kindern, ein hoffentlich auch etwas behütetes Leben zu führen.“

Bundesweit ziehen in diesen Tagen rund 300.000 Sternsinger von Haus zu Haus. „In den 90er Jahren waren es noch rund 500.000“, sagt Thomas Römer, Sprecher des Kindermissionswerks in Aachen. Zwar bestätigen die meisten Bistümer den Nachwuchsmangel; er sei aber kein flächendeckendes Problem. Es hänge immer auch davon ab, wie lebendig die einzelnen Gemeinden sind.

Wo und wie viele Sternsinger genau fehlen, können die Bistümer nicht sagen, weil es dazu keine Statistik gebe. „Die Bereitschaft, sich ehrenamtlich für andere zu engagieren, geht ja überall zurück“, sagt Römer. Auch das Freizeitverhalten habe sich verändert. „Familien verreisen zum Jahreswechsel mittlerweile viel häufiger als früher.“

Im Bistum Aachen sind die Teilnehmerzahlen in den letzten Jahren weitgehend konstant geblieben. „Es geht ein wenig zurück, aber wir haben keinen Einbruch“, sagt Annette Jantzen, die Leiterin des Diözesanverbands des BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend), der die Sternsingeraktion organisiert. In diesem Jahr sind bistumsweit rund 18.000 Jungen und Mädchen dabei.

Die Gesamtzahl wird nicht jedes Jahr ermittelt; sie ist ohnehin nicht präzise festzustellen, weil sich die Teilnehmer als Gruppen melden. 467 Gruppen waren es 2007, 383 im Jahr 2012 und im vorigen Jahr 339. Erhöht hat sich aber bislang immer das Sammelergebnis im Bistum Aachen: 2007 waren es 1,31 Millionen Euro, 2012 1,38 Millionen und im vorigen Jahr 1,52 Millionen Euro.

Sabine Tenholte kümmert sich um die Sternsinger in der Aachener Pfarre St. Laurentius (Laurensberg). 65 Kinder gehen am morgigen Samstag mit. Ihre Vorgängerin Elke Schulte organisierte bis 2016 die Aktion und hatte stets mehr als 80 Kinder dabei — in Spitzenjahren schon mal mehr als 120. „Es ist nicht mehr cool. Die Kinder, die aufhören, werden immer jünger.

Ab zehn Jahren wird das Interesse spürbar geringer“, sagt Tenholte. Betreuer gebe es aber immer noch genügend. Als frustrierend empfindet sie ihr Engagement trotzdem nicht. „Es ist schade, dass es weniger werden. Aber wir machen den Kindern schon deutlich, wie wichtig und lohnenswert ihr Einsatz ist. So viel wie im vorigen Jahr hatten wir noch nie gesammelt.“ Und sie weist auf eine andere Perspektive hin: „Viele warten auf die Sternsinger und freuen sich jedes Jahr darauf.“

Kaplan Achim Köhler ist in der Dürener Pfarre St. Lukas für die Sternsinger zuständig; er sagt unserer Zeitung: „Die Teilnahme ist stabil, aber ich breche nicht in Jubel aus, sondern habe schon ein paar Sorgen.“ Anders als in vorangegangenen Jahren sei für die Kinder nicht mehr selbstverständlich, sich für die gute Sache zu engagieren. „Wir versuchen, gerade die Kommunionkinder einzubinden; das ist mal mehr, mal weniger erfolgreich.“ Etwas optimistisch stimmt ihn, dass die Jahrgänge wieder stärker werden. „In diesem Jahr gibt es wieder mehr Kommunionkinder.“

In den Dörfern läuft es besser

Wie es 2019 aussehen wird, wisse er trotzdem nicht. Positiv sei, dass sich überall viele Ehrenamtliche als Betreuer engagieren. In der Dürener Innenstadt kommen die Sternsinger nur auf konkrete Bestellung hin in die Häuser. Das sei in den dörflichen Gemeinden noch anders. „Da gehen manche Kinder sogar zwei Tage hinter- einander.“

Propst Markus Bruns von St. Gangolf in Heinsberg macht ähnliche Erfahrungen. „In den umliegenden Dörfern läuft es nach wie vor sehr gut, aber in Heinsberg selbst werden wir nicht alle Straßen und Häuser erreichen.“ Es werde deutlich schwieriger, Kinder zu motivieren. Trotzdem sei das Sammelergebnis immer noch jedes Jahr gestiegen.

(dpa/csh/pep)
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