Viele Gäste und spannende Geschichten bei unserer Gala „Menschen 2018"

Gala „Menschen 2018“ : Ein respektvoller Abend

Der Blick geht zurück, und das Fazit fällt zunächst ernüchternd aus. 2018, ein Jahr wie sein Sommer: Meistens zu heiß, nicht nur gefühlt, auch in der Debatte, der Aufgeregtheit von Politik und Gesellschaft. Umso wichtiger, den Blick zu Beginn des Jahres auf das zu richten, was dann doch gut war. Bei unserer Gala „Menschen 2018“ kamen diejenigen zu Wort, die Herausragendes geleistet oder Aufregendes erlebt hatten.

Als Noah Bodelier erfuhr, dass er Sportler des Jahres ist, war kurz Stille. So recht konnte es der 15-Jährige dann doch nicht glauben, als Moderator Amien Idries ihn im Publikum mit der Nachricht überraschte. Seit zwei Jahren ist Noahs linker Unterschenkel amputiert, weil ein aggressiver Knochenkrebs nicht anders zu stoppen war. Der Traum von der Karriere als Fußballprofi war ausgeträumt, doch neue Ziele waren schnell gesteckt. Jetzt steht er mit Prothese wieder auf zwei Beinen, ganz sicher – und ist meist ziemlich schnell unterwegs. Die 100 Meter läuft er in knapp 13 Sekunden, im Weitsprung und beim Kugelstoßen ist er Vizeweltmeister – und jetzt eben Sportler des Jahres von Aachener Nachrichten und Aachener Zeitung. Wie sich das anfühlt? „Gut“, sagte Bodelier. Dann wieder Stille. Erst auf der Bühne findet der junge Mann Worte für das, was hinter ihm und vor allem für das, was noch vor ihm liegt. Gold bei den Paralympics will er holen oder auch Weltrekorde im Sprint aufstellen. „Das ist schon realistisch“, sagt Bodelier. „Wenn man genug dafür tut.“ Der Respekt aller 600 Gäste in der Mercedes-Benz-Niederlassung in Aachen war ihm sicher.

Respekt war auch das Thema des Abends, der Leitfaden für unsere Gala „Menschen 2018“. Es war eine versöhnliche Stimmung zu Beginn des Jahres, die sich abseits der großen überregionalen Schlagzeilen in vielen positiven Geschichten aus unserer Region spiegelte. Moderiert von Chefredakteur Thomas Thelen und seinem Stellvertreter Amien Idries entwickelte sich ein launiger, ein mitunter nachdenklich machender Abend mit Gästen, die jede Menge zu erzählen wussten.

Marie-Luise Marjan zum Beispiel, die ewige Mutter Beimer. Marjan hatte im vergangenen Jahr mit Rückschlägen zu kämpfen. Das Aus der „Lindenstraße“ ist für die 78-Jährige nicht leicht zu verkraften. Doch: „Man muss realistisch sein“, sagte sie. Sie sei Schauspielerin, „und da ist es nun mal so, dass man Rollen bekommt und sie auch wieder abgeben muss“. Jetzt hofft sie noch auf die Fans der „Lindenstraße“, die für den kommenden Samstag eine große Protestaktion in Köln geplant haben. Vielleicht verleite das die Verantwortlichen doch noch mal zum Umdenken. Zu teuer sei die Serie ohnehin nicht, so Marjan. „Bedenken sie mal, wie viele Millionen für Fußballübertragungen ausgegeben werden.“ 34 Folgen „Lindenstraße“ kommen noch in diesem Jahr. Dann wird man sehen.

Gala "Menschen 2018": Spannende Geschichten eines turbulenten Jahrs

Auch Claudia Neumann hatte es 2018 nicht immer leicht. Als Kommentatorin bei der Fußball-WM in Russland sah sie sich immer wieder Anfeindungen im Internet ausgesetzt. Respekt für ihre Leistung, ein Fußballspiel 90 Minuten live zu kommentieren? Fehlanzeige! Bei unserer Gala gab sie sich gelassen. „Ich habe weiterhin Spaß an meiner Arbeit“, sagte sie. „Ich mache das ja freiwillig.“ Der Ton im Internet sei ja nicht nur ihr gegenüber derart flätig. „Das nehme ich nicht persönlich.“ Über Fußball, so ihr Fazit, lasse sich nun mal herrlich streiten. „Nur 90 Minuten einer Frauenstimme zuzuhören, das schafft nun mal nicht jeder Mann.“

Toleranz spielt auch bei dem Thema eine Rolle, das das Jahr in unserer Region bestimmt hat wie kein zweites: der Kampf um den Hambacher Forst. Gerade in Sozialen Netzwerken tobte sich der Mob oft ungehindert aus. Wo jeder zum Sender wird, gerät der Ton der Debatte mitunter weit unterhalb des Erträglichen. Unsere Kollegen Ines Kubat und Marlon Gego wussten davon auf der Bühne der Gala „Menschen 2018“ zu berichten. Als Reporter vor Ort haben sie die Unversöhnlichkeit von RWE-Mitarbeitern und deren Unterstützern einerseits, Umweltaktivisten und Randalierern anderseits begleitet. Der Respekt für die Sicht des anderen und auch für die Arbeit der Berichterstatter blieb dabei nicht selten auf der Strecke. Das Problem, so Gego in seiner Analyse, sei, dass ja irgendwie alle Parteien im Recht seien. Nur erkenne eben keiner das Recht des anderen an. „Wenn jeder nur hört, was er hören will, hat man keine Chance.“

Dass nicht alles, was laut herausgeschrien wird, per se schlecht sein muss, beweist die Geschichte von Ramona und Kai Michalke. Im Gespräch mit Thomas Thelen erzählten sie noch mal von der Geburt ihres Sohnes Len, die wegen der Lautstärke und der Sorge von Anwohnern mitten in der heißen Nacht des 31. Juli die Polizei auf den Plan rief. Kommissar Udo Andres hatte den Einsatz rund um das Marienhospital in Aachen damals geleitet und erinnert sich noch gut an die „gotterbärmlichen Schreie, die selbst bei erfahrensten Polizisten reichlich Gänsehaut verursachten“. Am Ende löste sich alles in Wohlgefallen auf – und die Michalkes wurde gar von Günther Jauch vor ein Millionenpublikum ins Fernsehen eingeladen.

Wie nur die breite Öffentlichkeit erreichen? Darüber zerbrechen sich nicht nur die Medienverantwortlichen den Kopf. Über die Frage, was Kultur wert ist, was sie uns wert sein muss oder sollte, diskutierten Anja Dorn, Direktorin des Leopold-Hoesch-Museums und des Papiermuseums in Düren, Christopher Ward, seit August Generalmusikdirektor am Theater Aachen, und Andreas Beitin, scheidender Direktor des Aachener Ludwig Forums. Dorn erinnerte dann auch gleich daran, dass laut Statistischem Bundesamt mehr Menschen im Jahr ein Museum besuchen als ein Fußballspiel. Einig war man sich darin, die Vielfalt der Kulturlanschaft zu erhalten. Der Beweis folgte prompt: Vier Musikerinnen des Sinfonieorchesters Aachen gaben mit Mozarts „Quartett D-Dur für Flöte, Violine, Viola und Violoncello“ eine kleine Kostprobe – leise, gefühlvoll und doch so nachhaltig in der Aussage.

Bei der Gala „Menschen 2018“ zeigte sich auf der Bühne in der Mercedes-Benz-Niederlassung in Aachen, dass es abseits der großen überregionalen Schlagzeilen doch noch viele positive Beispiele für das zurückliegende Jahr gibt. Foto: Harald Krömer

Wie sich Politik in diesen aufgeregten Zeiten gestalten lässt, davon wollte eigentlich Armin Laschet berichten. Der Termin für die Gala war fest eingetragen im Kalender des Ministerpräsidenten. Doch dann rief die Kanzlerin zum Kohlegipfel nach Berlin. Ein Gespräch gab es trotzdem, vorab zu Hause in Burtscheid. Beim Besuch von Thomas Thelen, der per Video eingespielt wurde, gab sich Laschet bescheiden. Ob er auch Kanzler kann? Eine Personaldebatte stehe derzeit nicht an, sagte Laschet. Wie groß sein Einfluss bei der Wahl Aachens als Ort für den neuen deutsch-französischen Freundschaftsvertrag gewesen sei? „Das hat allein die Kanzlerin entschieden“, sagte der gebürtige Aachener. Klar sei aber, dass mit dieser Wahl der Name der Stadt auf Jahrzehnte mit diesem Vertrag verbunden sei. „Da kann man schon stolz sein.“

Stolz durfte auch Ruth Butzen sein. Sie wurde für ihr ehrenamtliches Engagement als Schiedsrichterin mit dem „Egidius-Braun-Preis“ ausgezeichnet. In einer so launigen wie liebevollen Laudatio dankte AZ/AN-Sportchef Lukas Weinberger der 66-Jährigen für die vielen Pfiffe: „Immer schön Mensch bleiben, das ist ihr Motto. So hat sie es immer auf dem Fußballplatz und auch daneben gehalten, und so hält sie es bis heute. Respekt!“ Gefragt nach ihrer Gefühlswelt in diesem Moment, sagte Butzen: „Das habe ich mir nie träumen lassen.“ In den vergangenen Jahren habe sie immer verfolgt, wer Preisträger geworden ist. „Und ich war immer einverstanden“, sagte sie. Und in diesem Jahr? „Ja, in diesem Jahr auch.“ Großes Gelächter und Applaus.

Auch für den Chor Flow aus Aachen war es ein besonderes Jahr. Beim WDR-Wettbewerb „Der Beste Chor im Westen“ belegten die jungen Sängerinnen und Sänger um Chorleiter Luc Nelissen aus Aachen den zweiten Platz. Bei ihrem Überraschungsbesuch bei unserer Gala wurden sie wie Sieger gefeiert.

Respekt wurde dann auch Alina Cvar zuteil. Die Schülerin aus Alsdorfer rettete im vergangenen Jahr einer Mitschülerin mit dem Heimlich-Griff das Leben. Und nicht nur das. Auch als eine Busfahrerin einen Herzinfakt erlitt, war die 17-Jährige zur Stelle.

Ähnlich wie die Nachbarn von Familie Thronicker in Titz, denen im Juni des vergangenen Jahres das Haus abgebrannt war. In wenigen Tagen hatte man für die siebenköpfige Familie in der Umgebung ein neues Zuhause gefunden und hergerichtet. „Meine Nachbarn sind Menschen 2018, definitiv“, sagte Thorsten Thronicker im Gespräch mit Amien Idries.

Marcella Hansch denkt nicht in kleinen Dimensionen. Die 32-Jährige will nicht weniger als die Meere vom Plastikmüll befreien. Dafür hat die Aachener Architektin eine Maschine entworfen, die von weitem an einen riesigen Kamm erinnert. Bis diese Realität geworden ist, begeistert die junge Frau mit ihrer Überzeugungskraft. Auch bei der Gala „Menschen 2018“.

Dazu darf sich wohl auch Peter Borsdorff zählen. Auch wenn er schon seit 24 Jahren mit seiner Sammelbüchse unterwegs ist für den Zweck. Mehr als zwei Millionen Euro hat der Dürener in dieser Zeit unter dem Motto „Running for Kids“ für in Not geratenen Familien schon gesammelt. Ein tolles Hobby – auch über 2018 hinaus.

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