Der Weg ist das Problem, nicht die Idee: Viele Defizite bei Inklusion an Schulen

Der Weg ist das Problem, nicht die Idee : Viele Defizite bei Inklusion an Schulen

Kinder mit und ohne Handicap sollten möglichst gemeinsam unterrichtet werden. Kaum jemand stellt sich nicht hinter dieses Ziel der Vereinten Nationen. Der Weg dorthin ist allerdings holprig - auch in NRW gibt es noch viele Baustellen.

Der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung läuft in Nordrhein-Westfalen vielerorts nicht rund. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der Inklusionsverein „Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen“ und die Landesschülervertretung wollen am Freitag (10.00 Uhr) in Düsseldorf eine kritische Bestandsaufnahme vorlegen. Viele Schulen, Lehrer und Eltern klagen über mangelnde personelle und materielle Voraussetzungen. Außerdem fehlt es oft an Schulungen, Fortbildungen und geeigneten Räumen.

Die ehemalige rot-grüne Landesregierung hatte zum Schuljahr 2014/15 begonnen, stufenweise einen Rechtsanspruch behinderter Kinder auf Unterricht in Regelschulen einzuführen. Inzwischen hat die schwarz-gelbe Landesregierung einen Kurswechsel eingeleitet: Künftig müssen weiterführende Schulen ein pädagogisches Inklusionskonzept vorlegen und genug Räume haben, wenn sie gemeinsames Lernen anbieten wollen. Zudem müssen dort Sonderpädagogen arbeiten und entsprechende Lehrer-Fortbildungen werden Pflicht. Gleichzeitig sollen Förderschulen flächendeckend erhalten werden. Seit dem Schuljahr 2014/15 war ihre Zahl um 23 Prozent auf knapp 500 gesunken.

Nach den Plänen der Landesregierung sollen bis 2025 knapp 5800 zusätzliche Stellen für die Inklusion zur Verfügung gestellt werden. Die Kosten sind bislang mit etwa 1,4 Milliarden Euro kalkuliert.

GEW, „Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen“ und die Landesschülervertretung wollen schwerpunktmäßig die Auswirkungen dieser neuen Standards unter die Lupe nehmen, die ab dem nächsten Schuljahr schrittweise wirksam werden sollen. Bis zum Schuljahr 2024/25 soll die komplette Sekundarstufe I entsprechend umgestellt sein.

Das Deutsche Institut für Menschenrechte hatte kürzlich von „nicht akzeptablen“ Rückschritten bei der Inklusion in NRW gewarnt. Die Maßnahmen der CDU/FDP-Koalition seien nicht vereinbar mit der Verpflichtung der Vereinten Nationen, ein inklusives Schulsystem ohne Sonderschulen aufzubauen.

(dpa)
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