Aachen: Viel Mitspracherecht? Podiumsdiskussion zum Thema Studiengebühren

Aachen: Viel Mitspracherecht? Podiumsdiskussion zum Thema Studiengebühren

Eine „feurige Diskussion” hatte Moderator Emanuel Richter vom Politischen Institut der RWTH erhofft, und genauso kam es. Der Allgemeine Studierendenausschuss der RWTH (AStA) hatte zur Diskussion zum Thema Studiengebühren geladen und ein heterogen besetztes Podium um eine Bilanz der ersten drei Jahre gebeten.

Diese Bilanz befasste sich mit drei Fragen: Studiengebühren ja oder nein? Wer kontrolliert die Verteilung? Und wie lässt sich sozialen Härten vorbeugen?

„Studiengebühren sind der Einstieg in eine Teilprivatisierung der Hochschulen”, sagte Karl Schultheis (SPD). Ernst Schmachtenberg, der Rektor der RWTH, sieht die Gebühr hingegen als eine „Investition in den eigenen Lebenslauf, die sich für Sie als künftige Spitzenkräfte rentieren wird.” Im Hinblick auf die Frage nach der Verteilung der Gebühren stellte Michael Stückradt (FDP) klar, dass das Geld ausschließlich zur Verbesserung der Lehre eingesetzt werden dürfe.

Ralf Becker, Landesvorsitzender vom Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS), bemängelte allerdings, dass im Gesetz keinerlei Entscheidungsbefugnisse der Studenten verankert seien.

Anna Nelles, ehemalige AStA-Vorsitzende, warf dem Gesetzgeber vor, das Modell ohne Konzept eingeführt zu haben: „Die Unis haben das Geld gerne abgegriffen und sich wenig Gedanken über die Verwendung gemacht”, sagte Nelles, die allerdings betonte, dass die RWTH den Studenten viel Mitsprache bei der Verteilung einräume.

„Spitzenkarrieren? Zynisch!”

Und dann war da noch die Frage nach der sozialen Verträglichkeit. Stückradt verwies auf die Finanzierung über Kredite und Stipendien. Christina Schrandt vom Aktionsbündnis gegen Studiengebühren sprach sich gegen alle Gebühren aus. Am eindringlichsten sprach jedoch eine Mutter aus dem Publikum: „Mein ganzes Gehalt fließt in das Studium meiner Tochter.

Wir hoffen natürlich, dass sie einen guten Job erhält. Allen Studenten hier eine Spitzenkarriere vorherzusagen, halte ich angesichts der derzeitigen Wirtschaftslage allerdings für zynisch.”

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