Autofahrerin randalierte im Stau: Verunglückter Motorradfahrer im Krankenhaus gestorben

Autofahrerin randalierte im Stau : Verunglückter Motorradfahrer im Krankenhaus gestorben

Ein 16-jähriger Kradfahrer ist nach einem schweren Verkehrsunfall in Düsseldorf im Krankenhaus gestorben. Er war laut Polizei am 31. Juli offenbar durch einen Fahrfehler gestürzt, unter den Auflieger eines Lkw geraten und wurde mitgeschleift.

Die Polizei teilte gestern mit, dass er im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen sei. In Erinnerungen geblieben ist der Unfall auch, weil eine 50 Jahre alte Frau sich am Unfallort lautstark über die Dauer der Rettungsmaßnahmen beschwert haben soll. Gegen sie werde weiter ermittelt, hieß es gestern. Ihr droht ein Strafverfahren.

Ein Einzelfall ist das Verhalten der Frau nicht. Doch wie kann es sein, dass Menschen auch dann so ungeduldig reagieren, wenn es für einen anderen um Leben und Tod geht? „So etwas hat immer mehrere Gründe“, sagt Frank Lasogga, Notfallpsychologe an der Technischen Universität Dortmund. „Ein Problem ist allerdings, dass immer mehr Menschen glauben, sie hätten das Recht, alles zu machen.“

Ein Eindruck, der laut Lasogga vor allem durch Werbung verstärkt wird. „Überall heißt es: mein Karstadt, mein RTL, für Sie scheint die Sonne heute sechs Stunden lang, wir bauen für Sie, für Sie machen wir unseren Laden wieder schön. Zahlreiche Firmen arbeiten mit Slogans, die starken Bezug auf die Menschen selbst nehmen.“ In der Folge würden diese immer mehr das Gefühl bekommen, es ginge speziell nur um sie allein.

„Einfach keine Empathie“

Lasogga gehört zu den wenigen Experten, die sich mit dem Thema Schaulust bei Rettungseinsätzen beschäftigt haben. „Wir wissen, dass es das immer im Menschen gab, das Bedürfnis, ganz vorne dabei zu sein.“ Die Persönlichkeit mache jedoch den größten Teil aus.

„Manche Menschen haben einfach keine Empathie. Ihnen geht es nur um sich selbst.“ Und das werde noch verstärkt durch die Signale der Werbung und durch die spätkapitalistische Kultur, in der die Nachbarschaftshilfe, bei der einer dem anderen helfe, durch eine App ersetzt werde, die den Handwerker ruft.

Bleibt die Frage: Wie sollte man reagieren, wenn man so einen Ausraster beobachtet? „Polizisten haben für die Deeskalation solcher Situationen eine spezielle Ausbildung. Deshalb sollte man das ihnen überlassen“, sagt Lasogga. Sollte man aber doch mit einer ungeduldigen Person aneinandergeraten, empfiehlt er: Bloß nicht schreien. „Sonst steht man da und brüllt sich gegenseitig an, eine Lösung bringt das aber nicht.“ (sh/red)

(dpa)
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