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Düsseldorf: Verstimmung: NSU-Untersuchungsausschuss prüft Fall „Corelli”

Düsseldorf : Verstimmung: NSU-Untersuchungsausschuss prüft Fall „Corelli”

Er hat möglicherweise jahrelang vom NSU gewusst: Thomas R., Neonazi aus Sachsen-Anhalt, besser bekannt als V-Mann „Corelli” des Verfassungsschutzes. Nun soll seine Rolle noch einmal beleuchtet werden. Doch es gibt Ärger.

Die Arbeit hat noch gar nicht begonnen, da ist der Eklat schon da. Der NSU-Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags will von diesem Donnerstag an die Rolle des mysteriösen rechtsextremen V-Manns „Corelli” untersuchen. Doch dies hat bereits im Vorfeld für Ärger gesorgt, denn ein potenziell wichtiger Zeuge soll dem Ausschuss vorenthalten werden.

Der V-Mann-Führer von „Corelli” beim Bundesamt für Verfassungsschutz erhielt vom Inlandsgeheimdienst keine Aussagegenehmigung. Der Ausschussvorsitzende Sven Wolf (SPD) zeigt sich verärgert. Die zugesagte Kooperation stelle er sich anders vor. Ein Sprecher des Bundesamtes für Verfassungsschutz bestätigt lediglich, dass es keine Aussagegenehmigung für den V-Mann-Führer gibt.

Der Mitarbeiter war allerdings bereits vom Untersuchungssausschuss des Bundestags vernommen worden. Die Rolle von „Corelli” - der unbestätigten Berichten zufolge rund 180 000 Euro für seine Spitzeldienste aus dem braunen Sumpf kassiert haben soll - blieb in Sachen NSU dennoch im Dunkeln.

„Corelli” gilt als einer von mehreren V-Leuten im weiteren Umfeld der Terrortruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Bereits 2005 soll er dem Verfassungsschutz eine CD mit Bilddateien und dem Hinweis auf „NSU/NSDAP” zugespielt haben. Damals konnte man mit dem Kürzel NSU allerdings noch herzlich wenig anfangen.

Zudem erschien in der rechtsextremen Postille „Der Weiße Wolf”, an der auch „Corelli” mitgewirkt haben soll, 2002 ein bemerkenswertes Vorwort: „Vielen Dank an den NSU.” Dabei handelt es sich wohl um die erste öffentliche Erwähnung der Terrorgruppe, neun Jahre bevor sie mit ihrer Mordserie aufflog.

Zudem soll „Corelli”, sein Tarnname wurde einem Barockkomponisten entliehen, laut Ausschuss-Chef Wolf einen Draht in die rechte Szene in Dortmund gehabt haben. Das wiederum wäre für den Untersuchungsausschuss besonders interessant: Er untersucht mögliche Verbindungen der rechten Szene in NRW zum Treiben der Thüringer Neonazi-Terroristen.

Dass Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe für die Anschläge in NRW Helfer vor Ort gehabt haben müssen, ist bislang eine Vermutung geblieben. Könnte „Corelli”, dessen Kontaktdaten bei Uwe Mundlos gefunden wurden, der Schlüssel sein? Er selbst lässt sich nicht mehr befragen, denn „Corelli” starb im April 2014 im Alter von 39 Jahren in Paderborn. Über ein Zeugenschutzprogramm war er an eine neue Identität und Wohnung gekommen.

Sein Tod nährte Spekulationen, jemand könnte beim Zuckerschock nachgeholfen haben, der bei ihm ein tödliches Koma ausgelöst hatte. Doch die untersuchenden Mediziner sind sich einig: Eine unerkannte Diabetes-Krankheit sei „Corelli” zum Verhängnis geworden. Als ihn Verfassungsschützer noch mal zum NSU befragen wollten, lag er tot zu Hause. Die Staatsanwaltschaft hat die Aufbewahrung der Leichenasservate für die Dauer von 30 Jahren angeordnet.

(dpa)