Verschiebung: Kölner Bühnen sollen laut Reker 2023 saniert sein

„Desaster am Offenbachplatz“ : Kölner Bühnen sollen 2023 saniert sein

Keine andere Zahl steht so sehr für die Stadt Köln wie die elf. Da ist einerseits der Karneval, der am Elften im Elften um 11.11 Uhr beginnt. Und da sind die elf Tränen im Stadtwappen, die die 11.000 Jungfrauen um die Heilige Ursula, die der Legende nach ermordet wurden, symbolisieren. Jede der elf Tränen könnte bald aber auch für jeweils ein Jahr stehen, an dem die Oper Köln am Offenbachplatz saniert wurde.

Seit Dienstag ist nämlich klar, dass die Schlüsselübergabe für die Bühnen der Stadt wohl erst im zweiten Quartal 2023 stattfinden wird. Das ist eine erneute Verspätung um ein halbes Jahr, wie die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) und der Geschäftsführer der Bühnen Bernd Streitberger bei einer Pressekonferenz im Kölner Rathaus erklärten.

Ursprünglich sollte die Schlüsselübergabe im letzten Quartal 2022 stattfinden. Streitberger spricht ganz bewusst nur über die Übergabe der Gebäude und nicht über die Spielzeit. „Ich mache das hier fertig, den Rest müssen die anderen machen.“ Und auch Reker drückt sich um eine Antwort, Spekulationen um die Spielzeit seien unseriös, sagt sie. Streitberger sagt, er werde in zwei Jahren einen definitiv fixen Termin für die Übergabe der Oper, des Schauspielhauses, der Opernterrassen und der Kinderoper benennen können. Vorher nicht.

Niemand möchte so recht ­darüber reden, es ist aber ziemlich wahrscheinlich, dass die um ein halbes Jahr verspätete Schlüsselübergabe größere Auswirkungen hat. Es ist nicht gewagt, zu prognostizieren, dass die Spielzeit 2023/24 – anders als bislang angepeilt – eben noch nicht in der neuen Oper stattfinden wird. Wenn die Schlüssel im Mai übergeben würden und die Spielzeit im September beginnt, hätten alle Beteiligten nur knapp vier Monate Zeit, um aus den Ausweichspielstätten im Staatenhaus und im Depot an den Offenbachplatz zu ziehen – mit allen Büros, Kostümen und Requisiten. Außerdem müssten Künstler und vor allem die Techniker sich mit der neuen alten Spielstätte erst vertraut machen. Streitberger hatte den Umzug in der Vergangenheit als eine große Herausforderung bezeichnet. Köln wird wohl erst 2024/25 eine ganze Spielzeit in der sanierten Oper erleben.

Die parteilose Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Foto: dpa/Marius Becker

Eine aktualisierte Prognose

Kölns Oberbürgermeisterin und Streitberger wollten viel lieber darüber reden, dass Streitbergers Planung von 2017 durch seine aktuelle Prognose bestätigt wird. Zuletzt hatte der Technische Betriebsleiter der Bühnen über Kosten in Höhe von 545 bis 570 Millionen Euro gesprochen. Seine aktualisierte Prognose liegt bei 554 und 571 Millionen Euro. Ursprünglich einmal wollte die Stadt die Bühnen für 250 Millionen Euro sanieren. Die Kosten für die Interimsspielstätten seit 2012 sind noch nicht mit eingerechnet.

Reker bedankte sich am Dienstag aber bei Streitberger, der 2016 gekommen ist, um die Kölner aus dem Chaos zu retten. Die Lage hat sich seitdem entspannt, insgesamt aber bleibt auch Reker nichts anderes übrig, als von dem „Desaster am Offenbachplatz“ zu sprechen. Um die komplizierte Lage zu verdeutlichen, lässt Streitberger Folien von Schächten an die Wand werfen. Schächte, die zu klein für die erforderlichen Kabel waren. Es ist ein Beispiel für das Chaos, das auf der Baustelle herrschte. Das Chaos hat Streitberger gelichtet. Man könnte ihn nun als Helden feiern, was aber nicht jedem in der Stadt gefällt, denn schließlich hatte Streitberger selbst als Baudezernent das Konzept für die Sanierung der Bühnen mitentwickelt. Ein Konzept, das grandios gescheitert ist.

Wer an dem ganzen Desaster Schuld hat, darum geht es derzeit nicht mehr so richtig in Köln. Im Fokus stand immer schon die Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach, die aber mal sagte, dass sie hier nicht den „Oberverantwortungshut“ aufhabe. Das reicht offensichtlich.

Immerhin: Eine erste Rückkehr an den Offenbachplatz hat es in diesem Offenbach-Jahr schon gegeben: „Je suis Jacques“ wird in der Kantine der Opern-Baustelle gegeben. Der Kölner Kommunalpolitiker Ralph Elster (CDU) hält diese Inszenierung für besonders wichtig, weil die Oper mal wieder in der Kölner Innenstadt gastiert. Die Auslastung gerade in der Oper im Deutzer Staatenhaus ist ausbaufähig. „Die Bühnen müssen mehr Präsenz in der Stadtmitte zeigen“, fordert Elster deshalb.

Der Tag danach

Reker hat indes keine Angst, dass die Kölner ihre Oper und das Schauspiel in Mülheim vergessen. Im Gegenteil. „Ich glaube, die Kölner freuen sich auf den Moment, wenn sich der Vorhang wieder hebt.“ Es sei doch in vielen Städten so, dass wichtige Bauten nicht rechtzeitig fertig oder teurer würden. Aber es gebe auch immer einen Tag danach. Und dann werde erfahrungsgemäß das neue Gebäude bewundert und geliebt, sagte Reker. Man kann sich vorstellen, dass sie auf die Hamburger Elbphilharmonie anspielt, die auch viel teurer wurde. Man tritt dem Kölner Architekten Wilhelm Riphahn (1889-1963) aber sicher nicht zu nahe, wenn man feststellt, dass die nur sanierte Riphahn-Oper keine Busladungen Touristen an den Offenbachplatz bringen wird. Der Elbphilharmonie-Hype wird sich dort wohl kaum wiederholen, deshalb hinkt Rekers Vergleich.

Auf Streitbergers Folie steht sein Motto: „Beginne eine Aufgabe mit dem Herzen, prüfe das Ergebnis mit dem Verstand.“ Im Drama um die Sanierung der Kölner Oper sollte Reker wohl lieber auf das vielgerühmte Herz und die Begeisterungsfähigkeit der Kölner setzen als auf den Verstand.

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