Automatisiertes Fahren: Verkehr der Zukunft: Teststrecke öffnet in Düsseldorf

Automatisiertes Fahren : Verkehr der Zukunft: Teststrecke öffnet in Düsseldorf

Von außen sehen die Autos wie ganz normale Serienfahrzeuge aus. Doch in ihnen sind jede Menge technische Feinheiten versteckt, wie Sensoren oder Kameras. Die Kofferräume sind mit mehreren Computern und dutzenden Kabeln vernetzt.

Auf der ersten Teststrecke für das automatisierte Fahren im Straßenverkehr in Nordrhein-Westfalen wird der nächste Schritt zum selbstständigen Fahren erforscht.

Die Routenführung der Strecke ist rund 20 Kilometer lang und führt von Meerbusch über Autobahnabschnitte und Tunnel ins Düsseldorfer Zentrum. Im Gegensatz zum autonomen Fahren, können die Fahrzeuge bei dem Projekt noch nicht auf den Fahrer verzichten und sind somit keine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer. Zunächst einmal steht das Datensammeln und Analysieren der bisherigen Verkehrslage im Vordergrund.

An mehreren Stellen entlang der Strecke wurden bereits vor einigen Monaten kleine Funkmodule installiert, die vom Aussehen und der Größe einem WLAN-Router ähneln. Zwischen Fahrzeugen und den Modulen sollen Daten lokal oder über Mobilfunk ausgetauscht werden. Bislang ist der Einfluss des Fahrers auf das Testfahrzeug aber noch sehr groß.

Hunderte Autos Daten sammeln

Bis zum Ende der Testphase im Juni 2019 sollen die Forschungswagen dann aber von allein bremsen können, wenn eine Ampel auf Rot schaltet, wie die Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) berichtet. Sie hat ein solches Testfahrzeug im Einsatz, durch weitere Projektpartner sind es nach Angaben der Stadt Düsseldorf insgesamt fünf. Darüber hinaus sollen weitere Hunderte Autos Daten sammeln, die mit Sensoren ausgestattet werden.

Laut des NRW-Verkehrsministeriums ist die Strecke in der Form einzigartig im bevölkerungsreichsten Bundesland - bislang gab es nur Teststrecken, die vom öffentlichen Straßenverkehr getrennt waren wie etwa in Aldenhoven im Kreis Düren. „Automatisiertes und auf lange Sicht autonomes Fahren machen den Verkehr sicherer und effizienter“, sagte Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) am Montag in Düsseldorf.

Auch der öffentliche Personennahverkehr ist Teil des Projektes. Die Rheinbahn beteiligt sich mit 16 Bussen an der Testphase. Durch einen zusätzlichen Monitor wird dem Busfahrer zum Beispiel schon vor der nächsten Ampel angezeigt, ob diese auf grün, gelb oder rot steht. Für den Busfahrer werde sich nach Angaben der Rheinbahn nicht groß etwas verändern, auch Fahrgäste sitzen wie gewohnt in den Bussen.

In einem Parkhaus in der Düsseldorfer Innenstadt kann hingegen schon komplett auf das Eingreifen des Fahrers verzichtet werden. Ein Testfahrzeug der RWTH Aachen sucht sich selbstständig den Parkplatz und parkt voll automatisiert ein und wieder aus.

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) erhofft sich nicht nur mehr Komfort für den Fahrer. „Es kann auch entscheidende Impulse liefern, den Verkehrsfluss und damit die Verkehrssituation in den Städten zu verbessern und die Sicherheit zu erhöhen.“

Doch wann sind Fahrzeuge im Straßenverkehr zu sehen, die komplett ohne Fahrer auskommen? Für Micha Lesemann von der RWTH Aachen noch ein kleines Stück Zukunftsmusik: „Beim autonomen Fahren wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren viel passieren. Die ersten 80-90 Prozent, die man braucht, sind vergleichsweise leicht zu lösen. Die letzten zehn Prozent sind aber sehr viel Aufwand.“

(dpa)
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