Merzenich/Aachen: Verhaftung bei Razzia im Hambacher Forst

Merzenich/Aachen: Verhaftung bei Razzia im Hambacher Forst

Bei der Durchsuchung des Wiesencamps am Hambacher Forst hat die Aachener Polizei einen mit Haftbefehl gesuchten Waldbesetzer aus Polen verhaftet. Der Mann sei bewaffnet gewesen, erklärte Polizeisprecherin Petra Wienen am Dienstagabend auf Anfrage unserer Zeitung.

Hunderte Beamte hätten während des Einsatzes überdies Pyrotechnik, Zwillen, Krähenfüße, Hieb- und Stichwaffen und Material für Brennsätze sichergestellt. Eingezogen wurde auch Material, das für den Bau von Barrikaden geeignet ist. Mehrere Barrikaden, die außerhalb des Wiesencamps errichtet wurden, seien abgerissen und entsorgt worden, teilte die Polizei weiter mit. Die rund 40 Insassen des Wiesecamps wurden kontrolliert und erhielten vorübergehend einen Platzverweis.

Bei der Durchsuchung, die das Amtsgericht Aachen angeordnet hatte, wurden 21 Menschen in vorübergehenden Gewahrsam, zwei weitere vorläufig festgenommen. Eine Person habe bei der Identitätsfeststellung Widerstand geleistet, eine weitere habe versucht zu fliehen, erklärte die Polizei weiter. Das zuständige Umweltamt des Kreises Düren war ebenfalls vor Ort und begutachtete die teils großflächige Vermüllung im Bereich des Wiesencamps. Insgesamt verlief der Einsatz laut Polizei ohne Störungen ebenso wie eine in der Nähe der Wiese stattfindende Mahnwache sowie ein spontaner Demonstrationszug von Aktivisten.

Seit Tagen gibt es im und am Hambacher Wald immer wieder gewalttätige Konflikte und Angriffe auf Polizisten. Das Waldgebiet liegt im Südosten des Tagebaus Hambach und gilt als Symbol des Widerstands gegen die Braunkohle. Der Konzern RWE plant ab Oktober Rodungsarbeiten für den Tagebau. Darüber war es in der frisch gegründeten Kohlekommission in Berlin zu einem offenen Streit gekommen.

Nach den gewaltsamen Auseinandersetzungen vom Wochenende, bei denen Waldbesetzer den Beamten Steine, Fäkalien und Molotowcocktails entgegengeworfen hatten, suchte die Polizei nach Beweisen für kürzlich begangene Straftaten. Außerdem gehe es um Gegenstände, die zur Vorbereitung oder Durchführung von Straftaten geeignet sind, teilte die Polizei mit. RWE riss nach eigenen Angaben Zäune und Bretterverschläge auf einem angrenzenden Grundstück ab, das im RWE-Eigentum ist. Dabei sei „geklautes Baumaterial“ gesichert worden, sagte ein RWE-Sprecher.

Der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach begründete das massive Kräfte-Aufgebot mit einer Gewalteskalation innerhalb einer Woche. „Nachdem wir mit geringen Kräften nicht mehr ohne Gefahr für Leib und Leben der Kollegen in den Wald gehen können, ist jeder Einsatz ein großer - zwangsläufig“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Besetzerszene habe sich stark gewandelt durch neue Gruppen und Straftäter aus ganz Europa.

Umweltschützer machen dagegen die Rodungspläne von RWE noch während der laufenden Gespräche in der Kohlekommission für die Spannungen verantwortlich. Die Bürgerinitiative „Buirer für Buir“ erklärte, die aktuelle Eskalation könnte sogar zu einer Räumung der Baumhäuser im Hambacher Wald aus Sicherheitsgründen und damit zum Fällen vieler Bäume führen, damit die Polizei mit schweren Fahrzeugen überhaupt in den Wald komme: „Dann hätte RWE das Ziel erreicht und im Herzstück des Waldes würde bereits vor dem 1. Oktober gerodet.“

(gego/dpa)