Ganztagsangebot in NRW: Verbände kritisieren Qualitätsmangel

Ganztagsangebot in NRW : Verbände kritisieren Qualitätsmangel

Gut zehn Jahre nach Einführung der Ganztagsbetreuung an Grundschulen in NRW lässt die Qualität vielerorts zu wünschen übrig. „Es gibt in dem Bereich keine verbindlichen Qualitätsstandards“, sagte Helga Siemens-Weibring, Beauftragte für Sozialpolitik beim Diakonischen Werk Rheinland-Westfalen-Lippe, einem der Träger Offener Ganztagsschulen (OGS) in NRW.

Kinder würden nach der Schule teilweise in viel zu kleinen Räumen betreut, manchmal gar im Keller. Nicht selten sei ein Betreuer — nicht unbedingteine Fachkraft — für mehr als 25 Schüler zuständig.

In NRW besuchen einer IW-Studie zufolge 44,1 Prozent der Grundschüler den offenen Ganztag. Es gibt 315.600 Plätze. Das Land liegt beim Ganztagsangebot bundesweit an siebter Stelle. Das Angebot variiert jedoch von Kommune zu Kommune stark. Auch bei den Elternbeiträgen gibt es große Unterschiede, sie reichen einer großen Anfrage der SPD-Fraktion im Landtag zufolge bei einem Brutto-Jahreseinkommen von 43.000 Euro von 18 Euro in Olfen bis 140 Euro in Bad Münstereifel.

In Spitzengesprächen wollen die Landesregierung und die Wohlfahrtsverbände in ihrer Funktion als Träger der OGS ab kommender Woche über eine bessere finanzielle und qualitative Ausstattung des Ganztags beraten. Die neue Landesregierung sei mit dem Ziel angetreten, die OGS auszubauen, qualitativ zu verbessern, aber auch flexibler zu gestalten, sagte NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP).

300 Millionen Euro pro jahr

Doch die Positionen liegen nach Informationen unserer Zeitung vor dem Spitzengespräch weit auseinander. „Die vorgesehenen Mittel des Landes reichen bei weitem nicht aus, um die bereits bestehenden Lücken in der jetzigen Finanzierung zu decken und darüber hinaus auch zukünftig die notwendige gute Qualität für alle Kinder“, sagte Siemens-Weibring, die an den Gesprächen teilnimmt. Notwendig sei analog zum Kita-Gesetz ein OGS-Gesetz, um eine ausreichende Finanzierung sicherzustellen. Etwa 300 Millionen Euro jährlich müsse das Land dafür veranschlagen. Auch müsse es einen verbindlich festgelegten Personalschlüssel pro Gruppe geben und die Vorgabe, dass pädagogisch ausgebildetes Personal zum Einsatz kommen muss. Ein verbindliches Raumkonzept müsse garantieren, dass die OGS-Schüler auch Turnhallen mitbenutzen dürfen.

Bisher erhalten Kommunen auf Grundlage einer Rechtsverordnung eine OGS-Pauschale vom Land, die in den vorigen zwei Jahren um sechs Prozent erhöht wurde. Sie liegt den Wohlfahrtsverbänden zufolge bei 813 Euro pro Kind pro Schuljahr plus 0,2 Lehrerstellen pro 25 Kinder.

Die Kommunen ihrerseits müssen den Angaben der Wohlfahrtsverbände zufolge einen Pflichtbeitrag beisteuern, den sie je nach kommunaler Finanzlage aufstocken können. Dieser Mindestbetrag liegt demnach bei rund 475 Euro pro Kind pro Schuljahr, die meisten Kommunen gäben aber mehr. Die Qualität des Ganztags hängt damit stark von der Finanzlage der Kommunen ab.

Die Landesregierung wollte sich nicht äußern.

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