Unwetter wütet über Aachen, Heinsberg und Düren

Region : Unwetter wütet in der Region: Überschwemmungen und Hunderte Einsätze

Der historisch warme April hat in der Region mit einem schweren Unwetter geendet. Starke Gewitter haben vor allem in der Städteregion Aachen in der Nacht von Sonntag auf Montag für Hunderte Einsätze von Polizei und Feuerwehr gesorgt. Allein in der städteregionalen Leitstelle gingen 1300 Notrufe wegen des Unwetters ein. Besonders betroffen waren die Städte Aachen und Herzogenrath.

Rund um Aachen staute sich der Autoverkehr, was nicht nur an diversen Straßensperrung nach dem Unwetter lag. Durch den Abriss der Autobahnbrücke an der A544 war eine der Haupteinfahrtsrouten in die Aachener Innenstadt gesperrt. Ein Unfall auf der A4, bei dem drei LkW ineinander fuhren, sorgte für einen langen Stau.

Der Bahnverkehr blieb ebenfalls nicht verschont: Wegen Unwetterschäden war die Zugstrecke zwischen Kohlscheid und Aachen am Morgen gesperrt. Gegen 9.30 Uhr waren die Schäden beseitigt und die Züge konnten wieder auf der regulären Strecke mit allen geplanten Halten fahren. In Folge kam es aber weiter zu Verspätungen. Reisende sollten ihre Verbindung vor der Abfahrt noch einmal überprüfen.

Die starken Regenfälle haben auch die Feuerwehren im Nordkreis ausrücken lassen. In Alsdorf musste ein Altenheim mit Sandsäcken vor Überflutung geschützt werden, in einem Neubaugebiet mussten Anwohner selbst mit Hand anlegen, um es vor den Wassermassen zu schützen. In Herzogenrath trat erstmals seit der Begradigung der Wurm vor rund 30 Jahren der Fluss über die Ufer. Die Stadtmitte war rund einen halben Meter überflutet. Zahlreiche Keller liefen voll. Auch die Bundesstraße 57n in Baesweiler wurde zwischen Ludwig-Erhard-Ring und Kreisverkehr B56 Immendorf/Waurichen voll gesperrt.

Auch in Eschweiler hatte die Feuerwehr alle Hände voll zu tun. Der erste Notruf kam um 23.11 Uhr. Besonders die Stadtteile Kinzweiler, Hehlrath, Röhe, Dürwiß, Hastenrath und St. Jöris waren betroffen. Der heftige Regen hatte insbesondere die Röher Straße und die Straße Auf dem Felde mit Schlammmassen unbefahrbar gemacht. Bis um 8 Uhr waren Feuerwehr, THW, gemeinsam mit WBE und einer Firma damit beschäftigt, die Straßen zu reinigen. Auch auf einem etwa 100 Meter langen Stück der Jülicher Straße staute sich das Wasser zeitweise bis zu 30 Zentimeter hoch.

80 Zentimeter hoch sammelte sich das Wasser im Europa-Tunnel (L238) in Stolberg. Die Tunnelleitzentrale musste die Durchfahrt am Morgen komplett sperren. „Da steht komplett das Wasser drin”, sagte ein Sprecher der Polizei. Erst gegen Mittag konnte der Tunnel wieder freigegeben werden, sagte ein Sprecher der Feuerwehr.

Im Kreis Heinsberg mussten die Bundesstraße 56n sowie die Kreisstraße 13 zwischen Gangelt und Breberen für die Dauer von Einsätzen gesperrt werden. Auch hier folgten dem Wasser Schlammmassen, die für rutschige Fahrbahnen sorgten. Derzeit noch gesperrt ist die Landesstraße 227. Die Feuerwehr hat Schwierigkeiten, die Wassermassen abzuleiten. In einer Senke im Kurvenbereich stand das Wasser etwa 30 Zentimeter hoch. Auf der Landesstraße 364 zwischen Tüschenbroich und Gerderath musste die Feuerwehr einen großen Ast beseitigen. In Doveren stürzte ein Baum auf eine Stromleitung. Bis zum Nachmittag fuhr die Feuerwehr mehr als 200 Einsätze, besonders betroffen waren Gangelt, Geilenkirchen und Heinsberg. Verletzt wurde dort niemand.

In Düren wurde die Bundesstraße 57 wegen Schlamm auf der Fahrbahn für 15 Minuten gesperrt. Sturm und Regen richteten in der vergangenen Nacht im Kreis insgesamt verhältnismäßig wenig Schaden an. Einem 43-Jährigen aus Aldenhoven wurde ein umstürzender Baum auf der Landesstraße 136 allerdings zum Verhängnis. Der Autofahrer musste mit wohl schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht werden, sein Wagen wurde stark beschädigt. Neben diesem Unfall gab es in Düren elf witterungsbedingt Einsatzanlässe. Der Nordkreis war deutlich häufiger betroffen als das übrige Kreisgebiet.

In Aldenhoven wurde ein Mann schwer verletzt, als ein Baum auf sein Auto stürzte.

Auch in der Eifel wütete das Gewitter, wie Bodo Friedrich von eifelwetter.de berichtete. „Ich habe selten so ein heftiges Gewitter im April gesehen“, sagte Friedrich am Montag auf Nachfrage unserer Zeitung. „Das war ein ganz außergewöhnliches Ereignis“. Eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes schätzte das Unwetter wie ein Sommergewitter aus Südfrankreich, Luxemburg und Belgien ein. Hagel und Starkregen seien auch das, „was im Sommer typischerweise die Gewitter ausmacht”, so die Expertin.

„Seit 40, 50 Jahren kein so heftiges Gewitter mehr“

Das konnte auch Friedrich bestätigen: „Seit 40, 50 Jahren hat es so früh kein so heftiges Gewitter mehr gegeben“. Es sei eine „relativ einmalige Geschichte“ gewesen, selten habe er so schnelle Blitzfolgen, eine solche Unwetterentladung mit Hagelkörnern und so viel Wasser gesehen. In kürzester Zeit seien zwischen 60 und 80 Liter/qm Regen gefallen. Zustande gekommen sei dieses ungewöhnliche Wetterereignis durch Tief Quitta. In einer Tiefdruckrinne war ungewöhnlich warme Luft von Süden her gekommen, die dann aufstieg und sich so heftig entladen hatte.

Für die nächsten Tage sieht Friedrich aber eine deutliche Entspannung vorher: „Im Fokus steht am Montag der ruppige Wind.“ Wieder trifft es dabei vor allem den Aachener Raum und die Eifel: Dort könnten Sturmböen Geschwindigkeiten von bis zum 100 Stundenkilometern erreichen, so die Warnung. Auch die Temperaturen seien im Sinkflug, weshalb er für das Hohe Venn sogar mit ein wenig Schneefall rechnen würde. „Es geht zunächst kühl weiter, aber nicht unfreundlich“, so Friedrich. Gegen Ende der Woche könne es wieder recht angenehm werden mit Temperaturen von 17 bis 23 Grad.

Landwirte besorgt über Folgen des Unwetters

Weil es so stark geregnet hat, blicken die Landwirte der Region mit einiger Sorge auf die Folgen des Unwetters. „Was konkret passiert ist, können wir erst in einigen Tagen sagen“, sagte Bernhard Conzen, Präsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes, am Montag. „Dort, wo das Unwetter war, ist jede Senke vollgelaufen, mit Sicherheit verursacht das Wasser also Strukturschäden.“

Und das bedeutet: Die frischen Aussaaten bei Zuckerrüben und Mais sind gefährdet, denn wenn sie zwei bis drei Tage unter Wasser stehen, sind sie zerstört. „Zuckerrüben kann man nicht mehr nachträglich setzen“, sagte Conzen. „Wir müssen also auch damit rechnen, dass die Zuckerfabrik in Jülich weniger Rohstoff zur Verfügung hat.“

(red/pol/dpa)
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