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Gewitter ziehen nach Osten: Unwetter in der Region lassen nach

Gewitter ziehen nach Osten : Unwetter in der Region lassen nach

Unwetterwarnungen, Überflutungen, Starkregen: In der Region ist die kurze Sonnenperiode der vergangenen Tage vorerst vorbei. Die Einsatzkräfte haben seit Donnerstagabend viel zu tun; unter anderem wurde eine Bundesstraße überflutet.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gab am frühen Freitagnachmittag für Städteregion Aachen und Kreis Düren eine kurzfristige – und später nocheinmal verlängerte – Unwetterwarnung für die Zeit von etwa 13.30 bis 14.30 Uhr heraus. Gewarnt wurde vor schweren Gewittern der Stufe 3 von 4. Für die gesamte Region, also auch den Kreis Heinsberg, bleiben darüber hinaus bis auf weiteres auch Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten von bis 85 km/h und Hagel möglich.

Dies gelte gilt bis in die Nacht zum Samstag hinein. Die Gewittertätigkeit lasse dann nur sehr zögerlich nach, so der DWD. Gebietsweise seien weitere, vereinzelt auch noch unwetterartige Gewitter möglich. Erst im Laufe der zweiten Nachthälfte sei mit einer Entspannung der Wetterlage zu rechnen.

Heftige Niederschläge über der Region hatten bereits am Donnerstagabend für überschwemmte Straßen, vollgelaufene Keller und aufgeschwemmte Kanaldeckel gesorgt. Im Kreis Heinsberg musste am Abend die Bundesstraße B221n zwischen der Landesstraße 117 und der Abfahrt Wassenberg-Myhl in beide Fahrtrichtungen voll gesperrt werden. Die Fahrbahn stand in diesem Bereich großflächig unter Wasser.

 Einsatz für die Feuerwehr: Auf der L117 zwischen Ratheim und Wassenberg blockierten Bäume nach dem Starkregen am Donnerstagabend die Fahrbahn.
Einsatz für die Feuerwehr: Auf der L117 zwischen Ratheim und Wassenberg blockierten Bäume nach dem Starkregen am Donnerstagabend die Fahrbahn. Foto: cuh

Ein Spezialunternehmen wurde mit dem Abpumpen des Wassers beauftragt, was sich über den Tag hinzog. Die Sperrung der Bundesstraße wurde erst am Freitagnachmittag nach 18 Uhr aufgehoben. 

An der Landesstraße 117 wiederum wurden zwischen Ratheim und Wassenberg mehrere Bäume umgeworfen.

Die Aachener Feuerwehr musste zu insgesamt 26 unwetterbedingten Einsätzen ausrücken, berichtet Dirk Nellessen, Brandoberinspektor bei der Berufsfeuerwehr Aachen. In vielen Fällen hätten die Einsatzkräfte schon nach kurzem Einsatz wieder abrücken können. So habe etwa das Wasser auf überschwemmten Straßen mit nachlassendem Regen schnell wieder abfließen können. „Wir sind glimpflich davongekommen“, sagt Nellessen.

 Dieses Bild postete eine Aachenerin am Donnerstag. Es zeigt die überflutete Krefelder Straße vor dem CHIO-Gelände.
Dieses Bild postete eine Aachenerin am Donnerstag. Es zeigt die überflutete Krefelder Straße vor dem CHIO-Gelände. Foto: Screenshot/MHA/Gego

Menschen vom Wasser in Kiosk eingeschlossen

Im übrigen Nordhrein-Westfalen waren von den Unwettern das Ruhrgebiet und das Münsterland besonders betroffen.

 In Düsseldorf stürzte ein Kind nach einem Blitzeinschlag mit seinem Fahrrad auf die Straße und wurde daraufhin von einem Auto angefahren. Das zwölfjährige Mädchen, das laut Feuerwehr vermutlich einen Stromschlag erlitt, kam mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus.

Im Rhein-Sieg-Kreis rückten am Freitagabend Hunderte Einsatzkräfte wegen der Unwetter aus. Ein Großteil der rund 430 Einsätze habe sich im Stadtgebiet Hennef ereignet, sagte ein Feuerwehrsprecher. Zahlreiche Keller seien vollgelaufen und Hänge abgerutscht. Es sei „massiv“ Feuerwehr im Einsatz.

Auch in Köln kam es zu mehr als 500 Einsätzen wegen der Unwetter. Betroffen war laut Feuerwehr vor allem der Norden der Stadt. Unter anderem geriet ein Dachstuhl nach einem Blitzeinschlag in Brand. Das Feuer konnte aber unter Kontrolle gebracht werden. Verletzte gab es nicht.Die Essener Feuerwehr etwa wurde ab dem späten Donnerstagabend zu etwa 180 Einsätzen gerufen. Keller und Unterführungen liefen voll Wasser, Gullydeckel wurden hochgedrückt. In einigen Straßen stand das Wasser nach Angeben einer Sprecherin so hoch, dass Autos steckenblieben und die Feuerwehr den Insassen heraushelfen musste. Mehrere Menschen seien in einem Kiosk eingeschlossen gewesen, da der Wasserdruck von außen das Öffnen der Tür unmöglich machte. Die Eingeschlossenen hätten letztlich durch eine Hintertür ins Freie geleitet werden können.

In Recklinghausen geriet während eines Gewitters der Dachstuhl eines Hauses in Brand – möglicherweise durch einen Blitzeinschlag. In Bottrop setzte ein Blitzeinschlag einen Baum in Brand. Insgesamt gingen bei den Einsatzkräften in Bottrop nach Angaben der Feuerwehr 60 Notrufe wegen des Unwetters ein. Wasser sei in Keller eingedrungen und habe Straßenzüge überschwemmt. In einer Straße habe sich das Wasser auf einer Länge von rund 200 Metern teilweise einen Meter hoch gestaut und mehrere angrenzende Gewerbebetriebe unter Wasser gesetzt.

Die großen Unwettergebiete sind nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes bereits am Samstag Richtung Niedersachsen und Hessen abgezogen. Zwar wurden in Ostwestfalen noch einzelne heftige Gewitter erwartet, entlang der Rheinschiene im Westen habe sich die Lage aber vorerst weitgehend entspannt, sagte Wetterexperte David Bötzel am Samstag auf Anfrage. Ab Sonntag gebe es landesweit nur noch vereinzelt Schauer und Gewitter und nicht mehr so große Regenmengen.

Zum Start in die neue Woche soll es warm bleiben, in der Mitte und im Süden Deutschlands können erneut Unwetter niedergehen. Erst für Mittwoch stellen die Meteorologen eine Wetterberuhigung in Aussicht.

(red/dpa)