Aachen: Uniklinik, Millionendiebe und Papamobil im Kino erleben

Aachen : Uniklinik, Millionendiebe und Papamobil im Kino erleben

Es ist die Zeit der Yuppies und Punker. Götz George stapft als Tatort-Kommissar Horst Schimanski durch das Ruhrgebiet, und der Walkman gilt als unverzichtbarer Begleiter — auch bei den Menschen in Nordrhein-Westfalen, die Papst Johannes Paul II. bejubeln, als er 1980 im Papamobil durch Köln fährt.

„Unser Land in den 80ern“ lautet der Titel einer zehnteiligen WDR-Dokumentationsreihe, die sich jeweils freitags um 20.15 Uhr ein Jahr dieser zehn 80er vornimmt: Diese Woche (1983) stehen Nenas „99 Luftballons“ sowie der „saure Regen“ im Mittelpunkt.

1985: Der damalige Ministerpräsident Johannes Rau (oben) eröffnet das Uniklinikum, Boris Becker wird Wimbledon-Sieger. Sabine Heinrich (re.) ist eine der Sprecherinnen der WDR-Reihe. Foto: Rüdiger Schrader

Eine 90-minütige Fassung der gesamten Reihe können Abonnenten unserer Zeitung am Montag, 10. September, 19.30 Uhr, im Aachener Kino Apollo im Rahmen einer exklusiven Vorstellung sehen. Ehrengast ist der Kabarettist Jürgen Becker aus Alsdorf, der seine Sicht auf die 80er schildern wird.

1985: Der damalige Ministerpräsident Johannes Rau (oben) eröffnet das Uniklinikum, Boris Becker wird Wimbledon-Sieger. Sabine Heinrich (re.) ist eine der Sprecherinnen der WDR-Reihe. Foto: Fulvio Zanettini

14 Koffer voller Geld

Bei der Kooperation des Medienhauses mit dem WDR werden Macher der Filme anwesend sein — zum Beispiel Lukas Hoffmann, Autor und Regisseur für die Jahre 1980 und 1985. „Die Recherche in den Archiven ist mühsam, aber zugleich extrem spannend“, betont Hoffmann, der auf Unglaubliches gestoßen ist. Etwa die Story um die „Metro“-Millionen-Diebe in Düsseldorf: Manfred Vowinkel und Günter Schotte-Natscheff wollten damals dem Unternehmen zeigen, wo sich massive Sicherheitslücken auftun.

„Der eine war Finanzdisponent, der andere Kellner in der Altstadt“, erinnert sich Hoffmann. „Sie haben 36 Millionen D-Mark erbeutet und es geschafft, vor der Verhaftung eine Million zu verprassen.“ Kaum vorstellbar: Die beiden Täter sind mit 14 Koffern voller Geld durch die Flughafenkontrolle marschiert — unbehelligt. Was ihn an der Arbeit für Dokumentationen fasziniert: „Man spürt den Zeitgeist, das ist spannend.“ Seine Episoden nennt er „Inseln“, die dem Zuschauer das Ganze lebendig näherbringen. Mit Annette Frier als Erzählerin für 1980 hat er jemanden gefunden, der persönliche Erinnerung einbringt.

„Ein Highlight der 85er-Folge war das Uniklinikum in Aachen“, erzählt Hoffmann. Was für Gefühle weckte der hochmoderne und umstrittene Bau? „Ich war vor Ort, heute noch ist es so, als würde man einen fremden Planeten betreten, eine andere Welt“, sagt Hoffmann, der als Zeitzeugen die Kinderärztin Larissa Lassay und den Krankenpfleger Wolfgang Klein gefunden hat. „Eine Geschichte überzeugt viel mehr, wenn wir Protagonisten aus der Zeit haben“, betont der Autor, der die Skepsis der Patienten, aber gleichzeitig die medizinischen Möglichkeiten hinterfragt hat.

Viel ist geschehen 1985: In Köln-Bocklemünd geht die erste Seifenoper an den Start, die „Lindenstraße“ mit ihren schicksalhaften Geschichten, die bis heute ihre Fans haben. Im Ruhrgebiet wird den Menschen das Atmen schwer — Smog-Alarm. Sprecherin ist Sabine Heinrich. Sie hatte in diesem Jahr plötzlich Smog-frei. „Ein beklemmendes Erlebnis“, meint Hoffmann. Es gab witzige und schöne Sachen, Sensationen im Sport etwa, wie der Sieg von Bayern 05 Uerdingen gegen Bayern München im DFB-Pokalfinale und Boris Becker als Wimbledon-Tennis-Star.

In Münster fand Hoffmann etwas Besonderes: „Spannend, was Oliver Wirtz und Josef Hesse geschafft haben“, schwärmt er von den Auto-Begeisterten, die den „Delorean“ aus dem Film „Zurück in die Zukunft“ bis zum letzten Schräubchen nachgebaut haben. Was ihn noch bewegt hat, erzählt er am 10. September im Apollo-Kino, denn nach dem Film dürfen Fragen gestellt werden.