1. Region

Uni-Klinik Essen: 40.000 Kittel von van Laack werden gelagert

Weil sie „schnell reißen“ : Klinik sortiert Kittel von van Laack aus

Im Frühjahr bestellte das Land zehn Millionen Schutzkittel bei van Laack - und war froh, das Schutzmaterial zu bekommen. In mehreren Uni-Kliniken liegen die Teile aber nun ungenutzt im Lager. In Münster wohl noch lange: Denn die Kittel reißen zu schnell, sagt die Klinik.

Die Uni-Klinik Essen hat rund 40.000 Schutzkittel der Modefirma van Laack, deren Bestellung von der Opposition im Landtag kritisiert wird, ausgemustert. Die Kittel würden „beim Anziehen schnell reißen“, teilte die Klinik auf Anfrage mit.

An der Uni-Klinik Essen seien Ende August die gut 40.000 vom Land bereitgestellten Kittel angekommen, aber nicht für die Verwendung freigegeben worden, teilte die Klinik am Dienstag mit. „Wir setzen zum Schutz unserer Anwender und Patienten nur Schutzkittel aus Vlies ein, die gem. DIN EN ISO 10993-5 geprüft und zertifiziert sind“, hieß es in der Mitteilung. Die van Laack-Kittel - die in 476 Paketen kamen - würden derzeit gelagert. Die Klinik bestätigte damit einen Bericht des Podcasts „Lauer und Wehner“.

Van Laack reagierte zunächst nicht auf dpa-Anfrage. In einem gemeinsamen Bericht der Magazine „Capital“ und „Stern“ wird eine Sprecherin mit den Worten zitiert: „Selbstverständlich erhalten unsere Kunden ausschließlich Lieferungen, die den Anforderungen und Kriterien der Bestellungen entsprechen.“

In anderen Kliniken kommen die Kittel von van Laack zurzeit auch nicht zur Anwendung. So teilte die Uni-Klinik Münster auf Anfrage mit, dass die dort angekommenen 28.800 Teile noch nicht die standardmäßige hauseigene Prüfung vollzogen haben - und daher noch im Lager sind. Auch bei der Uni-Klinik Düsseldorf, die laut einem Sprecher 19.200 Kittel in Größe L und 9600 in Größe M bekam, sind die van Laack-Kittel noch nicht ausgepackt. Man habe noch genug Vorräte und sie noch nicht angebrochen. Daher fehle es auch an „Praxiserfahrung“, sagte der Sprecher. Ob sie wirklich schnell reißen, könne man nicht sagen.

Das NRW-Gesundheitsministerium wies am Dienstagabend darauf hin, dass die Kittel im März aus der Liefer-Not heraus beschafft und verteilt wurden. Sie entsprächen zwar „nicht vollständig“ den Anforderungen der europäischen Schutzausrüstungs-Verordnung „und den einschlägigen Normen“, seien vom Ministerium aber getestet und für den Einsatz während der Pandemie freigegeben worden.

Ebenso wie bei Atemschutzmasken habe man Ende März beziehungsweise Anfang April schnell eine Lösung finden müssen, da der übliche Prozess inklusive „Baumusterprüfung“ mehrere Wochen bis Monate benötigt hätte, so ein Ministeriumssprecher.

Die Beschaffung der insgesamt zehn Millionen Schutzkittel wird am Mittwoch auch Thema in der Plenarsitzung des Landtags sein. SPD und Grüne haben jeweils Anfragen an die Landesregierung gestellt. Das Geschäft mit dem Modehersteller van Laack hat für Debatten gesorgt, da Ministerpräsident Armin Laschets (CDU) Sohn den Kontakt zu der Firma hergestellt hatte. Johannes „Joe“ Laschet ist Mode-Blogger und Werbepartner der Firma aus Mönchengladbach. Später hatte van Laack noch zwei Aufträge des Innenministeriums über je 1,25 Millionen Stoffmasken für die Polizei bekommen.

Die zweite Masken-Bestellung für die Polizei beschäftigt derweil auch eine Prüfbehörde. In der vergangenen Woche sei ein sogenannter Nachprüfungsantrag eingegangen, teilte die Bezirksregierung Köln am Dienstag mit. Anwalt Thomas Mösinger von der Kanzlei „Mösinger Bakes Kollewe“ hat den Antrag nach eigenen Angaben im Auftrag einer Unternehmerin aus dem Raum Wuppertal gestellt. Die Unternehmerin sei ebenfalls in der Branche aktiv, aber nicht zum Zuge gekommen.

Die Vergabekammer ist eine gerichtsähnliche Instanz. Sie überprüft auf Antrag Vergabeverfahren öffentlicher Auftraggeber, deren Volumen bestimmte Schwellenwerte erreichen oder überschreiten.

(dpa)