Unfall auf der L240 in Alsdorf: Mord-Anklage gegen Golf-Fahrer

Zusammenstoß auf der L240 in Alsdorf-Hoengen : Der Unfall war offenbar ein Mord

Am 3. Januar raste ein 45-Jähriger in Alsdorf-Hoengen mit seinem VW Golf in einen stehenden BMW. Sein Lebenspartner starb auf dem Beifahrersitz, der BMW-Fahrer erlitt schwerste bleibende Schäden. Nun hat die Aachener Staatsanwaltschaft Anklage gegen den 45-Jährigen erhoben – wegen Mordes.

Als die Einsatzkräfte im Trümmerfeld an der Landesstraße 240 zu retten versuchten, was noch zu retten war, dachte wohl noch niemand darüber nach, warum sich dieser Unfall zugetragen hatte. Die Feuerwehr barg drei Schwerstverletzte aus zwei Autos, die Notärzte und Sanitäter kämpften um das Leben dreier Männer, die Polizisten sicherten Spuren und versuchten, die Beeinträchtigung für den Berufsverkehr so gering wie möglich zu halten. Am Abend des 3. Januar ahnte an der L240 in Alsdorf-Hoengen wohl kaum jemand, dass er sich nicht an einer Unglücksstelle, sondern an einem Tatort befand.

Eine Vermutung und 15 Zeugen

Mittlerweile hat die Aachener Staatsanwaltschaft Anklage wegen Mordes gegen den 45 Jahre alten Fahrer des Golfs erhoben. Er war offenbar mit voller Absicht und 147 Kilometern pro Stunde in einen stehenden BMW gefahren.

Der Beifahrer des 45-Jährigen starb, der 48 Jahre alte BMW-Fahrer lag wochenlang in einer Klinik. Er ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft seit dem Unfall querschnittsgelähmt. Dass er überhaupt noch lebt, hat er wohl einer unbeteiligten Verkehrsteilnehmerin zu verdanken. Sie versuchte bis zum Eintreffen der Rettungskräfte, den BMW-Fahrer wiederzubeleben.

Der 45-jährige Golf-Fahrer aus Langenfeld und sein 43-jähriger Beifahrer, der einen Tag nach dem Unfall starb, lebten laut Anklageschrift in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Kurz vor dem Unfall soll der 43-Jährige sich von seinem zwei Jahre älteren Partner getrennt haben, sagte Daniel Kurth am Montag, der Sprecher des Aachener Landgerichts.

In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft sei die Rede davon, dass der 45-jährige Golf-Fahrer „in suizidaler Absicht gehandelt“ habe, als er in den stehenden BMW raste. Offenbar ist dies das Ergebnis von Ermittlungen im Lebensumfeld des 45-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft listet 15 Zeugen auf. Der 45-Jährige selbst hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Die Staatsanwaltschaft wertet das Verhalten des 45-jährigen Golf-Fahrers nun als Mord am 43-jährigen Beifahrer und als versuchten Mord an dem 48-jährigen BMW-Fahrer. Überdies war der Golf durch die Wucht des Aufpralls auf die Gegenspur der L240 geschleudert worden und mit dem Auto einer 30-jährigen Aachenerin kollidiert. Auch diese Fahrerin war damals schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert worden, und auch dies wertet die Staatsanwaltschaft als versuchten Mord. Durch seine Tat könnte der 45-Jährige demnach billigend in Kauf genommen haben, dass auch andere Verkehrsteilnehmer als er und sein Beifahrer hätten ums Leben kommen können.

Das Aachener Landgericht entscheidet nun darüber, ob die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft haltbar erscheinen und die Anklage zugelassen wird. Sollte dies der Fall sein, wird es wohl noch diesen Sommer zum Prozess kommen. Der 45-jährige Angeklagte befindet sich in Untersuchungshaft.

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