Schleiden: Unerwünschtes Interesse an Vogelsang-Gelände

Schleiden : Unerwünschtes Interesse an Vogelsang-Gelände

Die gute Nachricht ist, dass es den Verantwortlichen der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang im Nationalpark eigentlich nie langweilig wird, irgendwas ist ja immer. Nachdem im Mai nach Jahren des Ringens um Förderbescheide endlich mit dem Um- und Ausbau Vogelsangs begonnen wurde, ganz knapp bevor sich die EU dieses Themas annahm und den Baubeginn vermutlich um Jahre verzögert hätte, ging den Vogelsang-Betreibern Mitte Juli ein Schreiben der Bezirksregierung Köln zu.

Darin hieß es: Die gesamte Vogelsang-Fläche, 250 Hektar groß, was etwa 350 Fußballfeldern entspricht, wird unter Denkmalschutz gestellt. Jeder Grashalm. Und das ist, zumindest aus Sicht der Vogelsang-Betreiber, die schlechte Nachricht.

Helle Aufregung beim Kreis

Besonders beim Kreis Euskirchen, in dem Vogelsang liegt, und bei der Standortentwicklungsgesellschaft (SEV), die das Gebiet um die Burg im Auftrag des Bundes möglichst gewinnbringend vermarkten soll, sorgte das Schreiben für helle Aufregung. Denn weil allen bisherigen Vermarktungsbemühungen von allenfalls bescheidenem Erfolg waren, dürfte die Vermarktung des bald wohl denkmalgeschützten Geländes noch erheblich schwieriger werden als ohnehin schon. Dabei hatten Kreis und SEV die Hoffnung auf ein Hotel auf Vogelsang eigentlich noch nicht aufgegeben wollen.

Sowohl der Kreis Euskirchen als auch die SEV haben nun Stellungnahmen zur geplanten Unterschutzstellung verfasst, in der beide Seiten ihr Unverständnis über den Plan der Bezirksregierung äußern. Zum einen, heißt es in den beiden Stellungnahmen, stünden die meisten Gebäude Vogelsangs bereits unter Denkmalschutz, was ausreiche, um Vogelsang dauerhaft für die Öffentlichkeit zu bewahren. Zum anderen ließe sich der Erhalt Vogelsangs auf lange Sicht nur dann finanzieren, wenn Teile des Geländes verkauft oder verpachtet werden könnten. Die Pläne der Bezirksregierung würden dies erheblich erschweren.

In der Begründung des Denkmalschutzvorhabens schreibt das Amt für Bodendenkmalpflege im Auftrag der Bezirksregierung: „Die Einpassung in die Landschaft (...) wurde dabei vollkommen in Dienst der nationalsozialistischen Ideologie und der Indoktrination des Volkes gestellt (...).“ Obwohl Vogelsang nie ganz fertiggestellt wurde, widerspiegele die Planung den gigantomanischen Geist der NS-Architektur und müsse auf Vogelsang sichtbar bleiben.

SEV-Geschäftsführer Thomas Fischer-Reinbach erklärte gegenüber unserer Zeitung, er habe wenig Hoffnung, dass die Bezirksregierung von ihrem Vorhaben noch abzubringen sei. In diesem Fall wäre auch die Diskussion darüber beendet, ob die Wüstung Wollseifen zum Teil abgerissen werden soll, denn Wollseifen würde ebenfalls unter Denkmalschutz gestellt. In dem Dorf nahe der Burg hatte das belgische Militär, das Vogelsang bis 2004 als Truppenübungsplatz nutzte, Häuserkampf trainieren lassen. Einige Stimmen hatten dieses Jahr gefordert, die schmucklosen neuen Bauten abzureißen.