Aachen: Unabhängiger Bürgermeister: Daniel Zimmermann im Interview

Aachen : Unabhängiger Bürgermeister: Daniel Zimmermann im Interview

Der Verdruss über die Lokalpolitik hat Daniel Zimmermann selbst in die Politik geführt. Er wollte es besser machen als die etablierten Parteien. 1998 gründete er „Peto“ (Ich fordere) in Monheim am Rhein. 2009 wurde Zimmermann zum Bürgermeister der Gemeinde mit 40.000 Einwohnern gewählt — mit damals gerade einmal 27 Jahren.

Seitdem hat er die Stadt aus den Schulden geführt. 2014 wurde er wiedergewählt. Viel Ahnung hatte Zimmermann, der Französisch und Physik auf Lehramt studiert hat, zu Beginn seiner Amtszeit von Verwaltungsaufgaben nicht.

Herr Zimmermann, Sie kamen 2009 von der Uni ins Rathaus. Was wussten Sie über Verwaltungsaufgaben?

Zimmermann: Nicht besonders viel. Bürgermeister sind aber auch nicht dazu da, allen in der Verwaltung zu sagen, wie deren Job funktioniert.

Sondern?

Zimmermann: Es ist wichtig, dass ein Bürgermeister seinen Ort gut kennt, die Menschen kennt, weiß, in welchen Bereichen eine Entwicklung nötig ist. Ein Bürgermeister muss Ideen haben.

Und dafür sind Kenntnisse der Verwaltung unwichtig?

Zimmermann: Nun, die Ideen und Vorhaben sollten nicht unrealistisch sein. Aber mich hat es nie behindert, dass ich nicht aus der Verwaltung komme.

Sie sagen, dass die Nähe zum Bürger wichtiger ist?

Zimmermann: Ja. Die Nähe zu den Menschen ist wichtiger als die Kenntnis aller Verwaltungsvorgänge. Das ist doch etwas rein Technisches. Wer einem Bürgermeister Unkenntnis in Verwaltungsvorgängen vorwirft, hat keine Ahnung davon, was ein Bürgermeister machen soll, was seine Funktion ist.

Und was ist das Ihrer Meinung nach?

Zimmermann: Der Bürgermeister ist der einzige gewählte Beamte. Er vermittelt zwischen Rat und Verwaltung. Ich bin fest davon überzeugt, dass man die Mittlerfunktion am besten ausüben kann, wenn man beide Positionen kennt. An dieser Schnittstelle wäre es eher hinderlich, wenn man jahrelang in der Verwaltung gearbeitet hätte, glaube ich. Für den Job als Bürgermeister ist ein Blick über den Tellerrand sehr wichtig.

Gab es den Schwierigkeiten bei Ihrem Amtsbeginn?

Zimmermann: Nein, ich habe die Möglichkeit genutzt, mich einarbeiten zu lassen. Nachdem feststand, dass ich gewählt war, waren es noch vier Wochen bis zum Amtsbeginn. Diesen Monat habe ich genutzt, um die Verwaltung und die Arbeit meines Vorgängers kennenzulernen. Diese Möglichkeit hat jeder andere Bürgermeister auch — und ich kann das nur empfehlen.

Was haben Sie denn in dieser Vorbereitungszeit gemacht?

Zimmermann: Ich habe erste Termine wahrgenommen. Vor allem aber habe ich mich mit den Bereichsleitern getroffen. Ich habe mich über aktuelle Projekte informiert. Das sind die Experten. Sie sind dafür da, die Verwaltungsvorgänge zu kennen. Ich muss dem Leiter der Bauaufsicht und Stadtplanung nicht erklären, wie ein Bebauungsplan funktioniert. Das weiß er sicher besser. Ich als Bürgermeister kann aber versuchen, der Politik und vor allem den Bürgern bestimmte Projekte zu vermitteln.

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