Brand: Umgekippter Tanklaster: Bis 5.30 Uhr gekämpft - und gewonnen

Brand: Umgekippter Tanklaster: Bis 5.30 Uhr gekämpft - und gewonnen

Der Haarbach plätschert an dieser Stelle durch Brand. Und die Schutzgebiete für Aachens Trinkwasserquellen sind nicht fern. Insofern droht an diesem Dienstagnachmittag eine Umweltkatastrophe im Aachener Süden. Die bange Frage lautet über Stunden hinweg: Halten die Tanks - oder fließen bis zu 30.000 Liter Heizöl aus?

Was ist geschehen? Als die Feuerwehr und die Polizei die Einsatzstelle - es ist die Autobahn 44 Richtung Belgien kurz vor der Ausfahrt Brand - erreichen, bietet sich ihnen ein haarsträubendes Bild. Ein Tanklastzug ist von der Piste abgekommen.

Der Lkw einer Aachener Heizölfirma hat die Leitplanke nach rechts durchbrochen, ist die Böschung hinab gepoltert. Der Laster prallt mit dem Fahrerhaus frontal gegen einen Baum und liegt nun auf der Seite. Der Anhänger des Zuges hat sich einmal gedreht und liegt nun auf dem Dach. Der 37 Jahre alte Fahrer ist in seiner völlig zerstörten Kabine eingeklemmt.

Ihm gilt das erste Augenmerk der Helfer. Durch die Dachluke wird der Mann geborgen. Er ist augenscheinlich sehr schwer verletzt und wird sofort in ein Krankenhaus transportiert. Die Polizei sperrt die Autobahn Richtung Belgien zwischen Kreuz und Ausfahrt Lichtenbusch komplett ab.

Die Feuerwehr macht sich ebenfalls unter der Regie von Einsatzleiterin Edda Jäckle sofort ans Werk. Die bange Frage lautet: Wie viel Öl läuft aus? Ganz genau kann die Frage zunächst gar nicht beantwortet werden, eben weil der Anhänger auf dem Dach liegt und man nicht sehen kann, ob die Luken dicht halten.

Am Laster selber kann man erkennen, was moderne Lkw-Technik ausmacht. Trotz des enormen Aufpralls und massiver Verformungen des Tanks läuft augenscheinlich nur eine kleine Menge Heizöl aus. Die Feuerwehr sichert die Luken mit Keilen und fängt kleinere Mengen Öl, die aus dem Tank tropfen, mit Wannen auf. So ganz traut man diesem „Frieden” jedoch nicht. Jede Sekunde kann einer der Tanks Leck schlagen - und besagte Umweltkatastrophe nähme ihren Lauf.

Zunächst soll geprüft werden, ob man die rund 30.000 Liter ohne großen Aufwand abpumpen kann. Auch hinter diesem Wunsch stehen Fragezeichen. Vorsichtshalber hat die Einsatzleiterin schon die Experten des „Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystems” (Tuis) in Alarmbereitschaft versetzen lassen.

Hinter diesem Wortungetüm verbirgt sich ein Verbund, den der Verband der Chemischen Industrie einst ins Leben rief. In diesem Fall wären es die Tuis-Kräfte bei Bayer Leverkusen, die zum Einsatz kämen. Sie verfügen über Techniken, auch in solch schwieriger Lage Möglichkeiten zum Abpumpen des Öls zu schaffen - zum Beispiel durch das Anbohren der Tanks.

Zunächst sieht es aber so aus, als käme man mit „herkömmlichen” Methoden klar, bis Probleme mit dem Öffnen der Luken auftauchen. Es geht hin und her. Auch hat die Feuerwehr ihren neuen Kran auf die Autobahn beordert. Schließlich muss der Lastzug am Ende auch noch aus dem Graben geborgen werden. Zusätzlich wird ein zweiter Kran angefordert - auch für den Fall, dass die Zugmaschine weiter abzurutschen droht.

Die Autobahn ist da schon stundenlang gesperrt. Rund ums Aachener Kreuz haben sich im Berufsverkehr - wie könnte es anders sein - lange Staus gebildet. Zum Teil geht nichts mehr, hunderte Autofahrer stecken stundenlang fest. Deshalb wird gegen 19 Uhr kurzzeitig eine Fahrbahn freigegeben, um den Verkehr abfließen zu lassen, danach ist die Bahn wieder „dicht”.

Der Einsatz selber dauert bis in die Morgenstunden. Erst gegen 5.30 Uhr wird die Autobahn wieder freigegeben.

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