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Umfrage zeigt: Suche nach Hebamme in NRW schwierig

Umfrage der Hochschule für Gesundheit : Die Suche nach Hebammen in NRW ist mühsam

Die Hebammensuche gestaltet sich für Schwangere in NRW derzeit schwierig: Im Schnitt müssen sie vier Hebammen anrufen, bevor ihre Betreuung für die Zeit vor oder nach der Geburt sichergestellt ist. Am Ende finden fast alle eine. Als Konsequenz einer Umfrage der Hochschule für Gesundheit in Bochum soll nun an einer verbesserten Suche gearbeitet werden.

Mit der Umfrage der Hochschule für Gesundheit in Bochum (HSG), an der rund 2000 Hebammen und 1800 junge Mütter aus ganz NRW teilnahmen und deren Ergebnisse unserer Zeitung vorliegen, sollte die Versorgungslage in der NRW-Geburtshilfe erfasst werden. Ergebnis: Sie ist für die Schwangeren mühsam, aber im Schnitt durchaus zufriedenstellend.

Knapp acht Prozent der Schwangeren fragen demnach sogar mehr als zehn Hebammen an, um zum Ziel zu kommen.Die vielen Anfragen von Schwangeren kosten im Umkehrschluss die freiberuflich tätigen Hebammen viel Zeit: Zwei von drei (68,5 Prozent) geben an, aufgrund fehlender Kapazitäten mehrmals pro Woche Anfragen für Wochenbettbetreuungen ablehnen zu müssen. „Hier scheint es ein Vermittlungsproblem zu geben“, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Er will als Konsequenz die Einrichtung einer digitalen Plattform zur Vermittlung von Hebammen an Schwangere unterstützen.

Tatsächlich ohne Betreuung im Wochenbett bleiben am Ende der Umfrage zufolge nur rund drei Prozent der Frauen. Aber: „Nahezu  jede zweite Hebamme ist für die nächsten sechs Monate ausgelastet“, heißt es in der Studie, die am Donnerstag auf einer Fachtagung in Bochum vorgestellt wird. Angesichts einer Schwangerschaftsdauer von etwa neun Monaten raten die Experten deswegen zu einem pragmatischen Vorgehen: Frauen sollten „frühzeitig“ Kontakt zu eine Hebamme aufnehmen – also innerhalb der ersten Schwangerschaftswochen.

Eine deutliche Versorgungslücke gibt es demnach aber bei persönlichen Begleithebammen während der Geburt: Jede fünfte schwangere Frau (21,9 Prozent) hat keine solche Hebamme gefunden, obwohl sie sich das gewünscht hätte.

Die Umfrage ergibt zudem Hinweise auf eine Überlastung der Hebammen in Kliniken: Nur knapp sieben Prozent der Befragten dort haben demnach aktuell keine Überstunden, mehr als jede dritte (71 Prozent) berichtet, dass ihr Kreißsaal im letzten Monat vorübergehend geschlossen wurde, weil Hebammen fehlten. 43,1 Prozent haben ihren Arbeitgeber in den vergangenen vier Wochen darüber informiert, dass eine ordnungsgemäße Erfüllung der Arbeitsleistung nicht möglich war. Solche „Gefahrenanzeigen“ dienen zum Eigenschutz der Arbeitnehmerinnen vor eventuellen juristischen Konsequenzen.

„Nicht nebenher noch Putzen“

Nicola H. Bauer, Professorin für Hebammenwissenschaft an der HSG, fordert: „Der Personal­-
schlüssel muss verbessert werden und hebammengeleitete Konzepte eingeführt werden.“ Ohne Attraktivierung des Berufes würde sich die Situation in den Kreißsälen weiter verschärfen. Es müsse über Entlastungen im klinischen Arbeitsalltag nachgedacht werden. „Hebammen sollten sich auf die Geburtsbetreuung der Frauen konzentrieren können und nicht nebenher noch Putzen und andere Arbeiten übernehmen“, sagt Bauer. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) will dem Hebammenmangel mit genügend Studienkapazitäten in der zukünftigen Akademisierung der Ausbildung begegnen: „Wir brauchen mehr qualifizierten Nachwuchs.“

Junge Mütter äußern sich in der Umfrage hingegen positiv über ihre Versorgung in den Krankenhäusern: Demnach sind fast 98 Prozent mit der Erreichbarkeit der Geburtsklinik zufrieden, 24 Minuten brauchen die Schwangeren im Schnitt bis zum Kreißsaal. Rund 87 Prozent haben ihr Kind an dem von ihnen gewünschten Ort bekommen.

In NRW wurden im Jahr 2018 laut statistischem Landesamt 173.150 Kinder geboren. Bereits im Frühjahr hatte der Landesgesundheitsminister eingeräumt, dass eine erstklassige Versorgung Gebärender nicht in allen Regionen in NRW durchgängig garantiert sei. Einige Kliniken hätten Probleme, ausreichend Hebammen zu finden. Das Land hat die Bochumer Studie deshalb finanziell unterstützt, um so belastbare Informationen darüber zu bekommen, welche Hebammenleistungen in NRW tatsächlich vorgehalten und nachgefragt werden. Laumann hatte damals bereits angekündigt, dass auf Grundlage der Bochumer Studie nun erörtert werden soll, wie eine vernünftige Hebammenversorgung in NRW sichergestellt werden könne.