Neuer Job: Ulla Thönnissen wird Co-Geschäftsführerin bei der Metropolregion Rheinland

Neuer Job : Ulla Thönnissen wird Co-Geschäftsführerin bei der Metropolregion Rheinland

Ulla Thönnissen (55) hat einen neuen Job: Die frühere Landtagsabgeordnete und ehemalige CDU-Kreisvorsitzende aus Aachen übernimmt zusammen mit der Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Kölner Stadtrat, Kirsten Jahn, die Geschäftsführung der Metropolregion Rheinland (MRR). Beide treten  im Frühjahr die Nachfolge von Ernst Grigat an.

In Köln hatte die Berufung der Grünen-Politikerin für reichlich Wirbel gesorgt. Denn für die lukrativ dotierte Stelle des von den Städten, Kreisen und Kammern der Region getragenen Vereins hatte es keine öffentliche Ausschreibung gegeben. Der Vorsitzende, Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD), hatte nach eigener Aussage nur um Personalvorschläge aus dem Kreise der Vorstandskollegen gebeten, um die Nachfolge möglichst schnell regeln zu können. Thomas Thelen sprach mit Ulla Thönnissen.

Ulla Thönnissen (CDU) wird neue Geschäftsführerin der Metropolregion Rheinland. Foto: dmp press/Ralf Roeger

Man darf zu der neuen Stelle gratulieren. Künftig werden Sie also in Köln arbeiten?

Ulla Thönnissen: Ja, vielen Dank. Ich freue mich auf die Aufgabe, werde dann also regelmäßig in Köln sein. Noch mehr werde ich aber wohl unterwegs sein in den einzelnen Städten, Gemeinden und Kreisen, die die Metropolregion bilden.

Wie beurteilen Sie die bisherige Arbeit der Metropolregion, an der es durchaus Kritik gibt?

Thönnissen: In der Analyse der letzten zwei Jahre muss man eingestehen, dass es nicht gelungen ist, die bisherige inhaltliche Arbeit der Metropolregion nach außen zu kommunizieren. Es hat darüber hinaus keine Identitätsstiftung nach innen gegeben, insofern wird die MRR von den einzelnen Gebietskörperschaften nicht als bindende Klammer wahrgenommen. Das gilt es umgehend zu verändern.

Wo genau sehen Sie denn die inhaltlichen Schwerpunkte ihrer Arbeit?

Thönnissen: Gemeinsam mit Kirsten Jahn werde ich zeitnah ein Konzept für die künftige Geschäftsführung entwickeln. In erster Linie möchte ich Ansprechpartnerin sein für die unterschiedlichen Akteure, deren Interessen sich in der MRR wiederfinden wollen und müssen. Hierfür wird es erforderlich sein, mit allen zu reden und allen zuzuhören, um aus vielen Stimmen eine gemeinsame zu machen, die die Interessen auf nationaler und internationaler Ebene vertritt.

Was sind die konkreten Themen?

Thönnissen: Die Kernthemen werden in den Bereichen Mobilität, Verkehr und Digitalisierung liegen. Beispielsweise wäre ein „Rheinlandticket“ denkbar, das bei der Gründung der MRR bereits angedacht war. Aber auch zum Thema Strukturprozess Braunkohle müssen wir in der Metropolregion zwingend eine Position entwickeln. Und gerade hier im Rheinischen Revier kommt mit dem Strukturwandel eine riesige Aufgabe auf uns zu. Die müssen wir im Schulterschluss mit allen Verantwortlichen bewältigen.

Wie ist es eigentlich dazu gekommen, dass Sie zur Co-Geschäftsführerin der Metropolregion berufen worden sind? Für Außenstehende kam die Entscheidung für eine Doppelspitze überraschend.

Thönnissen: Die Metropolregion, die im Februar 2017 gegründet wurde, hat im Sommer 2017 eine namhafte Personalagentur aus Düsseldorf mit der Findung eines Geschäftsführers beauftragt. Diese Agentur hat damals bei mir angefragt, ob ich Interesse an der Geschäftsführerstelle habe. Ich habe dort das komplette Bewerbungsverfahren durchlaufen und bin in der Endauswahl gelandet. Letztlich fiel die Entscheidung zugunsten des jetzt ausscheidenden Geschäftsführers.

Nun kommen Sie doch noch zum Zug. Wie ist es dazu gekommen?

Thönnissen: Aufgrund der Komplexität der in der zukünftigen Arbeit anstehenden Aufgaben wurde im Vorstand diskutiert, eine Doppelspitze einzurichten und ich wurde gefragt, ob ich bereit sei, Teil dieser Geschäftsführung zu werden. Das habe ich aus ehrlicher Überzeugung und Lust an der Gestaltung der MRR bejaht. Daraufhin habe ich dem Vorstand sowohl meine Ideen für die zukünftige Vorgehensweise als auch die kritisch-analytische Sicht der Arbeit der letzten zwei Jahre dargestellt. Anschließend hat der Vorstand sich für die Doppelspitze ausgesprochen.

Wie stehen Sie zu den Klüngelvorwürfen, die in Kölner Medien und in der Politik im Zusammenhang vor allem mit der Berufung von Kirsten Jahn, aber auch Ihre Person betreffend erhoben werden?

Thönnissen: Als Aachenerin kenne ich den „Kölsche Klüngel“ vom Hören-Sagen und bin für eine Beurteilung im wahrsten Sinne des Wortes zu weit weg. Das ist (für die zukünftige Arbeit) vielleicht auch gut so.

Was sagen Sie zu dem Vorwurf der SPD Mittelrhein, die von „Personalgeschacher“ spricht und kritisiert, die CDU in Aachen versorge ihre ausgeschiedene Landtagsabgeordnete mit einer Halbtagsstelle?

Thönnissen: Ich war vor meiner Zeit als Landtagsabgeordnete erfolgreich unternehmerisch tätig und bin es seit meinem Ausscheiden aus dem Landtag wieder.

Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling bemängelt, das Verfahren zur Stellenbesetzung sei „intransparent und erfolgte dem Vernehmen nach ohne Berücksichtigung der Grundsätze der Bestenauslese“. Was sagen Sie dazu?

Thönnissen: Wie gesagt, ich habe das komplette Bewerbungsverfahren im Sommer 2017 durchlaufen und bin unter den drei Besten gelandet. Ich kann auf viele Jahre Geschäftsführung eines mittelständischen Unternehmens zurückblicken und verfüge  über umfangreiche Erfahrung in der Politik, sowohl in der Kommunal- als auch in der Landespolitik und in überregionalen Gremien. Ich war drei Jahre lang Vorsitzende des „Region Aachen Zweckverband“.

Was qualifiziert Sie für Ihre neue Tätigkeit?

Thönnissen: Ich weiß, wie Wirtschaft und Politik funktionieren und verfüge über ein großes Netzwerk in NRW und im benachbarten Ausland. Nicht zuletzt bin ich mit Leib und Seele Rheinländerin und führe gern Menschen zusammen. Das gehört zu meinen Stärken und  auch aktuell zu meinen beruflichen Kernkompetenzen.

Was bedeutet Ihre neue berufliche Aufgabe für Ihre politische Tätigkeit? Werden Sie Ihr Amt als Vorsitzende der CDU-Städteregionstagsfraktion behalten?

Thönnissen: Damit ich meine Arbeit in der Fraktion weiterhin mit dem hierfür notwendigen Zeitaufwand erledigen kann, werde ich in der MRR nur halbtags tätig sein. Ich bin ja auch derzeit neben der ehrenamtlichen politischen Arbeit berufstätig. Insofern ändert sich hier nichts.