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Nach großem Kampagnen-Start: Überraschender Impf-Stopp in NRW-Kliniken

Nach großem Kampagnen-Start : Überraschender Impf-Stopp in NRW-Kliniken

Weil der Nachschub vorübergehend stockt, zieht NRW bei den Corona-Impfungen die Notbremse: Für Krankenhäuser gilt ein sofortiger Impf-Stopp. Die SPD-Opposition sieht darin einen gravierenden Vertrauensverlust nach vollmundiger PR-Kampagne von Minister Laumann.

Eigentlich sollte der Impf-Turbo richtig hoch gefahren werden - jetzt muss Nordrhein-Westfalen abrupt auf die Bremse treten. Wegen Engpässen bei den Impfstoff-Herstellern Biontech/Pfizer hat das NRW-Gesundheitsministerium einen sofortigen Impfstopp für die Krankenhäuser verhängt, die mit dem Produkt des Unternehmens versorgt werden. Wegen der Lieferverzögerung verschiebt NRW nach Angaben vom Mittwoch auch den Impf-Start für zu Hause lebende Über-80-Jährige. Die 53 Impfzentren sollen ihren Betrieb nun erst am 8. Februar aufnehmen - eine Woche später als geplant. Auch in Altenheimen können vorerst keine weiteren Erstimpfungen gegen Corona wegen der Verzögerungen mit dem Impfstoff von Biontech stattfinden.

„Die Menge des Impfstoffes bestimmt das Tempo“, unterstrich Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) im Landtag in einer mehrstündigen Ausschuss-Anhörung. Die Lieferverzögerungen beträfen in NRW 100 000 Impfdosen, die in den nächsten Tagen weniger als zugesagt kämen. Er gehe davon, dass der weitere Biontech-Impfstoff in der ersten Februar-Woche für übrige Erstimpfungen in den Altenheimen und für Mitarbeiter der Krankenhäuser von NRW vergeben werden könne. Die Zweitimpfungen in den Altenheimen mit dem Biontech-Impfstoff gingen weiter, weil die zweite Dosis zurückgelegt worden sei.

Gesundheitsstaatssekretär Edmund Heller geht davon aus, dass die Lieferverzögerungen beim Impfstoff-Hersteller Biontech bis zum Ende des ersten Quartals wieder aufgeholt sein werden. Ab etwa Mitte Februar werde von mehr Biontech-Impfstoff ausgegangen, erklärte er.

Für den Impfstoff von Moderna gebe es insgesamt vier Liefertermine bis zur achten Kalenderwoche. Das seien noch relativ überschaubare Mengen. Nach der ersten Tranche von rund 13 000 Dosen würden in der nächsten Woche weitere 19 000 Dosen von Moderna erwartet. Um Verwechslungen auszuschließen, gehe der Moderna-Impfstoff vorerst weiter nur an die Mitarbeiter der Unikliniken. Für die Unikliniken gilt der Impfstopp nach Darstellung des Ministeriums derzeit nicht.

Die Vergabe der Impftermine an die Über-80-Jährigen, die zu Hause wohnen, soll wie geplant am 25. Januar starten und das mit einer hohen Termin-Anzahl. Laumann sprach von 420 000 Terminen ab dem 8. Februar. Auch der Buchungszeitraum sei mit acht Wochen für die Impfungen groß. Der Minister appellierte nach den Erfahrungen in anderen Bundesländern, dabei möglichst den Online-Weg zu wählen. Ein Teil der Termine werde für die Vergabe an den Telefon-Hotlines reserviert, bei denen es bei vielen Anrufen zu Engpässen kommen könne. 1000 Mitarbeiter in Call-Centern stünden zur Verfügung.

In der Debatte um bessere Fahrmöglichkeiten zu den Impfzentren und Taxi-Gutscheine für ältere Menschen setzt Laumann auf kommunale Lösungen wie auf Hilfe aus dem Familienkreis. Die Frage, wie man das in der Region löst, sei mit vertretbaren Kosten nicht durch das Land zu beantworten. Er gehe davon aus, dass die Standortauswahl in den Kreisen und kreisfreien Städten nicht nur mit Blick auf die Immobilie getroffen worden sei, sondern auch auf die Frage, wie die Menschen dort hinkommen. „Das ist nicht nur eine Aufgabe von staatlichen Organisationen“, sagte er mit Verweis auch auf die Familien.

Um schneller an Erkenntnisse über eine mögliche Ausbreitung von Virusmutationen zu kommen, hat Laumann die Gesundheitsämter angewiesen, positive Corona-Tests auf der deutschen Seite der Grenze zu den Niederlanden entsprechend zu untersuchen. In dem Nachbarland sei bei 10 Prozent der Corona-Infizierten das mutierte Coronavirus nachgewiesen worden. Die in England oder Südafrika nachgewiesenen Virus-Mutationen gelten Experten zufolge als infektiöser als bisherige Formen. Laut Laumann gibt es bislang in NRW 15 nachgewiesene Fälle.

Erst zu Wochenbeginn hatte Laumann medienwirksam den Impf-Startschuss für etwa 100 000 Mitarbeiter gegeben, die an den Krankenhäusern die Corona-Patienten betreuen, die Stationen reinigen oder in weiteren besonders zu schützenden Bereichen arbeiten. Die SPD-Fraktion warf dem Minister vor, mit den „klammheimlich“ eingestellten Erstimpfungen das Vertrauen in die Impfstrategie des Landes zu gefährden. Angesichts der Kehrtwende sei der „großangelegte PR-Termin zum Start der Impfkampagne“ irreführend gewesen. Man sollte „für einen schnellen PR-Erfolg nicht mehr versprechen als man halten kann“, sagte Mönchengladbachs Oberbürgermeister Felix Heinrichs (SPD).

(dpa)