Aachen: Überfall auf Pax-Bank: Spur führt zu Hausbesetzern

Aachen : Überfall auf Pax-Bank: Spur führt zu Hausbesetzern

Am Dienstagmorgen stand die spanische Polizei wieder vor einem der besetzten Häuser in Barcelona, wieder hatte sie einen Haftbefehl aus Aachen dabei, wieder ging es um drei Überfälle, die zwischen 2012 und 2014 auf drei Bankfilialen in der Aachener Innenstadt verübt wurden, die alle drei dicht beieinander liegen.

Und wieder war der Mann, der verhaftet wurde, ein aktives Mitglied der linksextremen Hausbesetzerszene von Barcelona. Die Ermittler glauben, dass der 58 Jahre alte Portugiese beim Überfall auf die Pax-Bank im November 2014 dabei gewesen ist.

Der Mann sei bereits wegen Bankraubs vorbestraft. Der Überfall hatte ein großes Medienecho hervorgerufen. Die Polizei hatte die Täter damals als „Profis” bezeichnet.

Die Aachener Polizei hatte schon früh den Verdacht, dass es einen Zusammenhang zwischen den drei Banküberfällen gab, und je länger die Ermittlungen dauerten, desto mehr erhärtete sich der Verdacht. Die Wortführer bei allen drei Überfällen waren Frauen, „was für diese Delikte eher ungewöhnlich ist“, wie ein Sprecher des Landeskriminalamtes am Dienstag mitteilte.

Die Ermittlungen führten in der Tat zu zwei Frauen. Im Juli 2015 wurde an der griechisch-bulgarischen Grenze eine 29 Jahre alte Niederländerin festgenommen, die der linksextremen Hausbesetzerszene Barcelonas zugerechnet wird. Sie soll am Überfall auf eine Filiale der Aachener Bank im Sommer 2013 beteiligt gewesen sein.

Am 12. April wurde in einem besetzten Haus in Barcelona eine 35-Jährige mit italienischer und österreichischer Staatsangehörigkeit verhaftet, sie soll die Anführerin der Bande sein, die die Pax-Bank ausraubte. Auch sie: aktives Mitglied der Hausbesetzerszene in Barcelona.

Sie sitzt in Spanien in Untersuchungshaft und soll in den nächsten Wochen an Deutschland ausgeliefert werden. Und nun der 58-jährige Portugiese, vorbestraft unter anderem wegen Bankraubes. Auch er sitzt nun in Spanien in Untersuchungshaft.

Alle drei Tatverdächtigen konnten mit Hilfe von an den Tatorten genommenen DNA-Spuren überführt werden. Ob es weitere Spuren möglicher Tatverdächtiger gibt, wollte die Aachener Staatsanwaltschaft am Dienstag nicht mitteilen.

Fest steht, dass die linksextreme Hausbesetzerszene eine völlig neue Tätergruppe für die Aachener Staatsanwaltschaft ist, jedenfalls in Bezug auf Banküberfälle. Behördensprecherin Katja Schlenkermann-Pitts erklärte am Dienstag, sie gehe davon aus, dass das bei den drei Überfällen erbeutete Geld zur Finanzierung des Lebensunterhaltes der Hausbesetzer in Barcelona verwendet worden ist.

Die Festnahmen der mutmaßlichen Täter „erfolgten im Rahmen von zum Teil aufwendigen und personalintensiven Durchsuchungsmaßnahmen in der spanischen Hausbesetzerszene“, teilte das Landeskriminalamt NRW am Dienstag mit. Die Aktionen seien mit Genehmigung der zuständigen Justizbehörde Spaniens von Beamten des LKA begleitet worden.

Die Ermittler aus Nordrhein-Westfalen arbeiteten laut LKA mit Polizeibehörden zahlreicher europäischer Länder, im einzelnen Spanien, Niederlande, Belgien, Großbritannien, Irland, Bulgarien, Griechenland, Portugal, Österreich und Italien zusammen. „Dies zeigt erneut, wie wichtig eine gut funktionierende internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Terrorismusbekämpfung ist", erklärte LKA-Chef Uwe Jacob am Dienstag in Düsseldorf.

Trotz des bereits erreichten Fahndungserfolges werden die Ermittlungen nach den noch nicht identifizierten Mittätern der drei Banküberfälle in Aachen weitergeführt. So haben sich konkrete Hinweise ergeben, dass alle drei Tatorte in Aachen bereits vor der ersten Tat im Jahre 2012 ausbaldowert worden sind.

Die Staatsanwaltschaft geht nach eigenen Angaben davon aus, dass nach der Auslieferung der Tatverdächtigen Anklage erhoben wird.

(gego/red)
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