1. Region

Ergebnisse frühestens Mittwoch: Über 800 Tests bei Fleischverarbeiter Tönnies durchgeführt

Ergebnisse frühestens Mittwoch : Über 800 Tests bei Fleischverarbeiter Tönnies durchgeführt

Bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück sind die ersten 800 Mitarbeiter auf das Coronavirus getestet worden. Die Ergebnisse stehen noch aus. Im Kreis Coesfeld bleibt die Lage angespannt. Kritik an den Schlachtbetrieben kommt von Wirtschaftsminister Pinkwart.

In einem ersten Schritt hat der Kreis Gütersloh bei Deutschlands größtem Fleischverarbeiter Tönnies 800 Mitarbeiter auf das Coronavirus getestet. Eine Sprecherin sagte am Dienstag, das seien am Montag 300 Beschäftigte mehr gewesen als für den ersten Tag geplant. Nach Angaben des Kreises ist mit ersten Ergebnissen nicht vor Mittwoch zu rechnen. Für Dienstag lagen zunächst keine Zahlen zu den Tests vor.

Insgesamt arbeiten am größten Tönnies-Standort in Rheda-Wiedenbrück 6500 Mitarbeiter, darunter auch Angestellte in der Verwaltung. Einem Sprecher zufolge entscheiden die Behörden, wer zur Risikogruppe gehört und getestet werden muss. Tönnies hat zwischen den Umkleideräumen und den Schlacht- und Zerlegeeinheiten eine Teststation aufgebaut.

Nachdem in einem Schlachtbetrieb der Firma Westfleisch in Coesfeld eine hohe Zahl von Infektionen entdeckt worden war, wurde der Betrieb am vergangenen Freitag geschlossen. Das NRW-Gesundheitsministerium ordnete an, dass landesweit bis zu 20 000 Mitarbeiter von Fleischfabriken untersucht werden müssen.

In Coesfeld ist die Zahl der positiv auf das Virus getesteten Arbeiter auf 261 gestiegen. Mit Stand Dienstagabend waren 1012 der rund 1200 Beschäftigen der Firma Westfleisch getestet worden, 573 mit einem negativen Ergebnis, wie der Kreis erklärte. Am Montag waren 254 Infizierte gemeldet worden.

Der Kreis Coesfeld hatte wegen der Infektionen einen Großteil der eigentlich von Montag an landesweit geplanten Lockerungen der Corona-Auflagen um eine Woche verschoben. Entscheidungsgrundlage sind die Neuinfektionen der letzten sieben Tage. In dem betroffenen Kreis war dieser Wert in der vergangenen Woche auf über 50 gestiegen. Am Dienstag lag Zahl der Neuinfektionen laut NRW-Gesundheitsministerium bei 103,2 pro 100 000 Einwohner und Woche.

In einem Zerlegebetrieb im Kreis Borken waren in den vergangenen Tagen 33 Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet worden. Das Unternehmen in Schöppingen durfte unter Auflagen weiter produzieren. Am Dienstag stellte der Besitzer von sich aus den Betrieb vorübergehend ein.

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) kritisierte die Branche. „Die Corona-Krise zeigt wie unter einem Brennglas, wo es Probleme gibt.“ Die Unterbringung sei in manchen Betrieben nicht so, wie sie sein müsste. „Die Hauptverantwortung trägt die Industrie selbst. Sie muss hier zu besseren Lösungen kommen“, sagte Pinkwart in Düsseldorf. Auch an der Preisgestaltung übte er Kritik: „Wenn das Kilo Fleisch dann 50 Cent teurer ist, dann wird es daran nicht scheitern dürfen.“

Tönnies kündigte an, im Rahmen eines Hygienekonzeptes ein von den Behörden unabhängiges Testzentrum aufzubauen, um die Mitarbeiter auch in Zukunft zu untersuchen.

(dpa)