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Tief „Emmelinde“: Über 40 Verletzte und viel Zerstörung durch Tornados in NRW-Städten

Tief „Emmelinde“ : Über 40 Verletzte und viel Zerstörung durch Tornados in NRW-Städten

Abgedeckte Dächer, umgeknickte Bäume, zerstörte Fensterscheiben: Tornados haben am Freitag in mehreren NRW-Städten massiv Zerstörungen angerichtet. In Paderborn wurden 43 Menschen verletzt. Die Aufräumarbeiten werden nach den großen Schäden länger andauern.

Gefährliche Tornados haben im Osten von Nordrhein-Westfalen massive Zerstörungen angerichtet. Allein in Paderborn wurden bei dem heftigen Unwetter am Freitag mehr als 40 Menschen verletzt. Darunter sind nach Angaben der Stadt 13 Schwerverletzte. Eine Frau schwebt laut Polizei weiter in Lebensgefahr. Auch in Lippstadt im Kreis Soest und im Kreis Höxter bildeten sich Tornados, bestätigte der Deutsche Wetterdienst. Nach Angaben des NRW-Innenministeriums sind landesweit mehr als 7500 Einsatzkräfte ausgerückt, um nach dem Unwetter Menschen zu retten oder aus einer Notlage zu befreien und Schäden zu beseitigen.

Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) kündigte nach dem Besuch von Lippstadt und Paderborn am Samstag an, dass die Landesregierung in den nächsten Tagen Hilfen prüfen werde. Sehr vieles werde versichert sein. „Und da wo Bedarf ist, werden wir genau prüfen, wie wir helfen können“, sagte er. Es gebe auch an der öffentlichen Infrastruktur Schäden. Die Arbeiten würden sicher noch Tage und Wochen dauern.

Der Tornado in Paderborn richtete nach Schilderung der örtlichen Behörden auf fünf Kilometern Länge und etwa 300 Metern Breite Verwüstung quer durch die Stadt an. „Es ist ein unvorstellbares Bild gewesen und ist es nach wie vor“, sagte Bürgermeister Michael Dreier (CDU) am Samstag.

Bäume und Ampeln seien wie Streichhölzer umgeknickt worden, Leitplanken wie Papierschnipsel durch die Luft geflogen. Aufgewirbelte Dachziegel hätten sich in die Fassaden benachbarter Häuser „gefressen“. Außerdem gingen viele Scheiben zu Bruch. Wohnungen seien zunächst unbewohnbar, Betriebe seien zerstört.

Die Behörden in Paderborn lobten die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. „Die Bereitschaft der Menschen zu helfen, war immens“, schilderte der Leitende Polizeidirektor von Paderborn, Ulrich Ettler. Doch es gab auch Kritik an einzelnen Bürgern: „Es gab leider auch einige, die so dreist waren, Absperrbänder zu missachten und die Arbeit der Rettungskräfte zu behindern.“

Auch das Hauptdienstgebäude der Polizei in Paderborn wurde nach Angaben Ettlers schwer beschädigt. Ein Polizist wurde bei einem Einsatz leicht verletzt, als er mit Kollegen zwei Menschen aus einem eingeklemmten Fahrzeug retten wollte. Ein Baum krachte durch die Windschutzscheibe eines Feuerwehrlöschfahrzeugs, die beiden Insassen seien unverletzt geblieben. Nach Angaben des Bürgermeisters stürzten an anderer Stelle in Paderborn Bäume auf einen Bus. Dabei sei glücklicherweise kein Mensch schwer verletzt worden.

In Lippstadt gab es bei dem schweren Unwetter nach Informationen der Polizeibehörden des Kreises Soest keine Verletzten. Nach Angaben von Bürgermeister Arne Moritz (CDU) waren die Aufräumarbeiten am Samstag in vollem Gang. „Uns erreichen unendlich viele Beispiele gegenseitiger Hilfe, Unterstützung und tätiger Solidarität“, schrieb er auf Facebook. Der Aufenthalt in der Innenstadt sei aber noch gefährlich. „Katastrophentourismus behindert Rettungskräfte und Aufräumarbeiten. Bitte bleiben Sie da, wo Sie sind“, betonte er.

In Höxter gab es bei einem Tornado am Freitag nach Auskunft der Polizei Sachschäden, aber keine Verletzten. „Verletzte sind im Moment nicht bekannt“, sagte ein Sprecher der Polizei am Samstag. In relativ kurzer Zeit habe der Tornado Bäume umgestürzt und Dächer abgedeckt. In Lütmarsen und Ovenhausen habe es Schäden gegeben, beides sind Ortsteile von Höxter im äußersten Osten Nordrhein-Westfalens.

Der DWD bestätigte am Samstag insgesamt drei Tornados in NRW – in Paderborn, Lippstadt und Höxter. Es habe auch noch weitere Tornado-Verdachtsmeldungen für Ratingen bei Düsseldorf und aus dem Sauerland gegeben, die aber noch geprüft werden müssten.

Die bestätigten Tornados hätten sich in Zusammenhang mit kräftigen Gewittern gebildet. Sie seien kleinräumig aufgetreten. Es habe auch Niederschläge von teilweise 30 bis 40 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit während der Unwetter gegeben. Die Gewitter seien aber relativ schnell durchgezogen. An manchen Stellen habe es gehagelt.

Die Tornados in Nordrhein-Westfalen zeigen nach Ansicht von Wüst einmal mehr, dass mit häufigeren Extremwetter-Ereignissen gerechnet werden muss. „Wenn man heute diese Schneise der Verwüstung hier sieht, dann fasst das einen schon an. Dann sieht man, dass das eben auch bei uns leider möglich ist und wir müssen uns darauf einrichten, dass so etwas hier häufiger passiert“, erklärte er.

(dpa)