Über 1000 Erbschaften gingen 2018 an das Land NRW

Erbschaften für NRW : Von Müllkippe bis Whiskyfass

Wer träumt nicht manchmal von der vergessenen Großtante aus Amerika, die einem völlig überraschend Reichtümer vererbt. Überraschende Erbschaften macht das Land NRW jeden Tag – Begeisterung lösen die aber nur sehr selten aus.

Das Land NRW als Großerbe: In einer alternden Gesellschaft fallen immer mehr Erbschaften nach dem Tod des Eigentümers mangels Nachkommen an den Staat. 2018 wurden laut NRW-Finanzministerium 1026 sogenannte Fiskalerbschaften neu festgestellt – seit 2009 (659) ist die Zahl stark gestiegen. Die zuständigen Behörden freut das aber meist wenig: Vererbt werden vielfach kaum verwertbare Haushaltsgegenstände oder überschuldete und vor dem Verfall stehende Schrottimmobilien. Werthaltige Nachlässe wie etwa Schmuck oder Geld „stellen eher die Ausnahme dar“, erklärt das Ministerium nüchtern. Der Fiskus darf solche wertlosen Nachlässe – anders als natürliche Personen - nicht ausschlagen.

So landete bei der zuständigen Bezirksregierung Düsseldorf bereits 2016 eine Abfalldeponie. Sie musste erst stillgelegt und geschlossen werden. Jetzt fielen vermutlich über „Jahre bis Jahrzehnte Kosten für die Sicherung und Wartung an“, sagte eine Sprecherin. Ein Verkauf der längst mit Grün überwachsenen Deponie sei „höchst unwahrscheinlich“.

Baufällige Gebäude, mit Altlasten kontaminierte Grundstücke oder wertlose Immobilien heillos zerstrittener Erbengemeinschaften mit ungeklärten Eigentumsverhältnissen – wenn solche Erbschaften an den Staat fallen, muss der oft erst mal kräftig Geld in die Hand nehmen – etwa, um Gebäude zu sichern, damit sie nicht einstürzen.

Knapp 2,4 Millionen Euro Ausgaben für die Sicherung und Entwicklung der Fiskalerbschaften verbuchte das Ministerium 2018 - plus geschätzte Personalkosten von rund 1,2 Millionen Euro. Da die Einnahmen aus den Erbschaften 2018 aber deutlich auf 6,9 Millionen Euro gewachsen sind (Vorjahr 6,2 Millionen Euro, 2009: 3,8 Millionen), verbuchte das Land immerhin ein Plus von einigen Millionen Euro.

Gelegentlich bringen die Erbschaften auch Abwechslung in den Büro-Alltag. So erbte die Bezirksregierung Detmold 2016 ein Fohlen, das auf einem Hof in Sachsen stand. Die Behörde übernahm Miete und Futter, das Tier konnte in Ruhe aufwachsen und wurde dann an einen neuen Besitzer verkauft. Dieselbe Behörde erbte 2011 ein Patent zur Herstellung von Architektur- und Industriefotografien. Nun mussten sich Beamte in der für sie fremden Branche auf die Suche nach einem Käufer machen, was am Ende gelang.

„Die Verwaltung der Erbschaften ist arbeitsintensiv und leider zum Teil auch defizitär“, sagt ein Sprecher aus Detmold - aber sie dürfte gelegentlich auch Spaß machen. So verwaltet die Kölner Bezirksregierung seit Jahren die Verwertungsrechte für den im Karneval bewährten Schunkelwalzer „Wenn das Wasser im Rhein goldner Wein wäre“, mit dem der Volkssänger Willy Schneider in der Wirtschaftswunderzeit Erfolge feierte.

An die Bezirksregierung Arnsberg fielen Eigentumsrechte an einem Dampfboot in den Niederlanden, 5000 Schallplatten eines verstorbenen Händlers, das kostenlose Nutzungsrecht für einen Skilift und – womöglich die Krönung des Erbschaftsglücks – das Miteigentum an einem Whiskyfass in Schottland.

(dpa)
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