Aachen: „Twogether“: Ein Duo auf dem besten Weg zum großen Traum

Aachen: „Twogether“: Ein Duo auf dem besten Weg zum großen Traum

Sie sind ein eingespieltes Team, Simon Oslender, 16, und Jérôme Cardynaals, 18. Und was ein bisschen nach abgedroschener Floskel klingt, ist bei den beiden tatsächlich der Fall. Dieses blinde Verständnis, das muss bei ihnen sein.

Der Aachener Oslender und Cardynaals aus Maastricht machen seit vier Jahren Musik zusammen — und das unter einem Band-Namen, den das Duo kaum passender hätte auswählen können: „Twogether“.

Auf der Bühne fühlen sie sich pudelwohl: Simon Oslender (links) an der Hammond-Orgel und Jérôme Cardynaals (rechts) am Schlagzeug spielen als „Twogether“ Konzerte in der Region, aber auch in Großstädten wie Köln und Berlin und im benachbarten Ausland. Foto: Laura Beemelmanns

Jazz — das ist ihre gemeinsame Leidenschaft. Oslender spielt Hammond-Orgel und Klavier, Cardynaals Schlagzeug, zwei Alben haben die jungen Musiker schon rausgebracht. Und sie spielen Konzerte, teils vor tausenden von Leuten, teils mit renommierten Musikern wie Bruno Müller, einem der meistbeschäftigsten Gitarristen Deutschlands. Mit einem großen Ziel vor Augen: ihre Leidenschaft zu ihrem Beruf zu machen.

Die Geschichte von „Twogether“, das kann man nicht anders sagen, ist eine besondere. Das zeigt schon die erste Begegnung der jungen Musiker. Irgendwann Mitte 2009, eine Maastrichter Jugend-Big-Band spielt an der Grundschule in Walheim — nichts Besonderes, und dennoch ein Glücksfall. Jérôme Cardynaals spielte in der Band, Oslender — damals musikalisch noch im Heimatort Walheim unterwegs — lauschte. Nach dem Auftritt kamen die beiden ins Gespräch, nichts Tiefgründiges, ein Plausch über Musik. Die Geburtsstunde ihrer Band war das nicht, aber irgendwie war es so etwas wie eine Grundlage. Denn schon wenig später schloss sich auch Oslender der holländischen Big Band an, und der Kontakt zu Cardynaals wurde intensiver.

Das erste Treffen fand schließlich in Oslenders Keller statt — dort, wo der Aachener sein eigenes kleines Reich hat, Proberaum und Tonstudio in einem — die Geburtsstätte von „Twogether“. Die beiden spielten ein bisschen, experimentieren, „und da war schon klar, dass das passt“, sagt Oslender. Musikalisch und menschlich. „Wir machen nicht nur Musik zusammen, wir sind auch die besten Freunde.“ Jérôme Cardynaals lächelt, als er das hört, „es klingt ein bisschen kitschig“, sagt er dann. „Aber ich würde sagen, dass wir so etwas wie Seelenverwandte sind.“ Ein Beispiel gefällig? „Wir mussten drei Stücke auswählen, um sie zu einem Wettbewerb zu schicken“, erzählt Cardynaals. „Als ich Simon angerufen habe, hatte er sofort dieselben Stücke im Kopf wie ich.“

Der erste öffentliche Auftritt als Duo ist noch so ein besonderes Ereignis. November 2010, ein renommierter Jazz-Wettbewerb in Amsterdam. „Twogether“ haben sich angemeldet, „so zum Spaß“, sagt Oslender. Und mit genau dieser Wir-haben-nichts-zu-verlieren-Einstellung erklimmen die beiden die Bühne, ganz locker, ganz entspannt. „Das muss irgendwie Eindruck gemacht haben“, erzählen sie heute. Sie überstehen die Vorrunde, ziehen ins Finale ein — um dort mit derselben Einstellung aufzutrumpfen. Und wieder klappt‘s, Ehrenpreis, Publikumspreis und der erste Preis der Fachjury. Und als ob das alles nicht märchenhaft genug ist, gibt‘s da noch die Geschichte vom Vorabend des besagten Jazz-Wettbewerbs. Simon Oslender, damals gerade erst zwölf Jahre alt, gewinnt den Eujazzpreis, den im Jahr zuvor — na, wer schon? — Jérôme Cardynaals erhalten hat.

Seit diesem Wochenende geht‘s immer weiter bergauf: Viele Anfragen für Konzerte, die erste CD im Sommer 2011, noch mehr Anfragen für Konzerte, Auftritte in und außerhalb der Region bis in die Schweiz. Ja, man kann sagen, es läuft rund für das Duo. Das zweite „Twogether“-Album „50/50“ erschien im Mai dieses Jahres, ohne Label, komplett in Eigenproduktion. Die Stücke darauf haben sie alle selbst geschrieben, musikalisch unterstützt werden sie auf der CD von Gitarrist Bruno Müller, Jo Dideren am Kontrabass und Saxophonist Peter Hermesdorf.

Die größte Unterstützung bekommen die beiden jungen Musiker aber von zu Hause, „ohne unsere Eltern wäre das alles gar nicht möglich“, sagen sie. Beide gehen noch zur Schule, Oslender aufs Pius-Gymnasium, Cardynaals auf eine Musik-Akademie in Heerlen. Vielleicht studieren sie danach, vielleicht gehen sie auf Tour. Eins ist dabei jedenfalls klar: Beide wollen später mit der Musik ihr Geld verdienen, ihre Leidenschaft zum Beruf machen. „Unbedingt“, sagt Simon Oslender. Und Jérôme Cardynaals fügt an: „Ich habe keinen Plan B, ich will das tun, was mir Spaß macht.“

Sie sind auf dem besten Weg, ihren großen Traum zu verwirklichen. Und im besten Fall wollen „Twogether“ das zusammen tun. „Ohne Jérôme wäre ich musikalisch nicht da, wo ich heute bin“, sagt Oslender. Und sein Kompagnon spielt den Ball direkt zurück: „Dieses freie Entfalten in der Musik — das kann ich nur mit Simon.“ Sie sind ein eingespieltes Team.