Köln: Trotz Verbot am Kölner Hauptbahnhof: Dutzende Waffen beschlagnahmt

Köln : Trotz Verbot am Kölner Hauptbahnhof: Dutzende Waffen beschlagnahmt

Bei Kontrollen an Bahnhöfen in mehreren deutschen Großstädten hat die Bundespolizei seit Jahresbeginn gezielt nach Waffen bei Passanten gesucht und fast 60 Messer, Beile oder Baseballschläger beschlagnahmt. Die Ergebnisse zeigen nach Ansicht des Bundesinnenministeriums, dass Waffenverbote an Brennpunkten wie Bahnhöfen angesichts zunehmender Messerattacken notwendig gewesen seien.

Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor. Die „Neue Osnabrücker Zeitung” hatte über die Zahlen zuerst berichtet.

Nach Verboten von Waffen in Hamburg, Frankfurt, Nürnberg, Dortmund sowie an Bahnstrecken in Berlin sind sie an diesem Wochenende auch am Kölner Hauptbahnhof untersagt. Von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag sind jeweils zwischen 18.00 Uhr und 06.00 Uhr morgens „gefährliche Werkzeuge aller Art” verboten. Bei Verstößen droht ein Zwangsgeld von 100 Euro. Zahlreiche Beamte der Bundespolizei sollen das Verbot überwachen.

Bei den bisherigen abendlichen und nächtlichen Kontrollen an Bahnhöfen zogen die Beamten neben 42 Messern auch Schlagstöcke, Schraubenzieher, Schlagringe und Reizgas ein. Nach Angaben des Ministeriums sind weitere Waffenverbote geplant. Die Polizei kann aber nur zeitlich begrenzte Verbote aussprechen. Für ein dauerhaftes Verbot wäre ein entsprechendes Gesetz erforderlich.

Im vergangenen Jahr hat die Bundespolizeiinspektion Köln nach eigenen Angaben ein Viertel mehr Gewalttaten als 2016 verzeichnet, oft sind Waffen im Spiel. Allein im ersten Halbjahr 2018 wurden 44 Vorfälle registriert, bei denen Waffen getragen wurden. Der Kölner Hauptbahnhof sei vor allem an Wochenenden „ein Brennpunkt für Gewaltdelikte”.

Beteiligt seien häufig Männer bis 40 Jahre, die unter Alkohol- oder Drogeneinfluss ständen, sagte eine Sprecherin. „Auf diese Zielgruppe werden wir uns konzentrieren.” Es gehe nicht darum, normale Reisende zu durchsuchen. Mit dem Verbot sollen Straftaten verhindert und Reisende geschützt werden. Aushänge an den Bahnhofseingängen sowie Lautsprecherdurchsagen sollten auf den Erlass hinweisen.

Vor vier Wochen war zum ersten Mal in Nordrhein-Westfalen am Dortmunder Hauptbahnhof ein zeitlich beschränktes Waffenverbot verhängt worden. Dort führte die Bundespolizei damals rund 400 Kontrollen durch und leitete 27 Ermittlungsverfahren ein. Ein Sprecher der Dortmunder Bundespolizeiinspektion bewertete die Aktion als Erfolg: „Es ist ein Signal, dass wir keine Gewalt dulden.”

(dpa)
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