Aachen/Düren: Trotz Schlägen im Kinderheim: Keine Entschädigung

Aachen/Düren: Trotz Schlägen im Kinderheim: Keine Entschädigung

Das Aachener Sozialgericht hat am Mittwoch die Klage einer Frau aus dem Selfkant auf Opferentschädigung zurückgewiesen.

Die heute 50-jährige Frau war in einem Kinderheim in Düren aufgewachsen, weil ihre Mutter mit der Erziehung überfordert war. Im Heim sei sie wiederholt geschlagen worden, sie sei deswegen noch immer in psychologischer Behandlung.

Der Vorsitzende Richter Heinfried Tintner begründete seine Entscheidung unter anderem damit, dass eine Entschädigung nach dem Opferentschädigungsgesetz grundsätzlich nur für Opfer körperlicher Gewalt in Frage käme. Dafür gebe es aber aufgrund der lange zurückliegenden Ereignisse weder Beweise noch Zeugen.

Auch wenn das „heute völlig inakzeptabel“ sei, müsse hier damaliges Recht zugrunde gelegt werden, wonach die Ausübung von Gewalt durch Erziehungsberechtigte und Lehrer gegenüber ihren Schützlingen bis weit in die 70er Jahre völlig legal war. Das so genannte Züchtigungsrecht wurde erst 1986 abgeschafft.

Der Tatsache, dass Frau P. in dem Kinderheim auch psychischer Gewalt ausgesetzt war, konnte das Gericht ebenso wenig Rechnung tragen: „Nach gängiger Rechtsprechung gibt es für Opfer psychischer Gewalt grundsätzlich keine gesetzliche Opferentschädigung“, sagte Pressesprecher Volker Bischofs.

(ela)