Aachen: Traumstart für den neuen Rektor der RWTH Aachen

Aachen : Traumstart für den neuen Rektor der RWTH Aachen

Das Votum der RWTH-Hochschulwahlversammlung fiel einstimmig aus. Das 36-köpfige Gremium hat am Montag Ulrich Rüdiger (51) zum neuen Rektor der Aachener Hochschule gekürt. Der Physik-Professor, derzeit noch Leiter der Universität Konstanz, tritt seine sechsjährige Amtszeit am 1. August an. Er löst Ernst Schmachtenberg ab, der im Sommer aus Altersgründen ausscheidet.

„Ich bin tief beeindruckt von dem Ergebnis“, erklärte Rüdiger am Montag kurz nach seiner Wahl. „Ich verstehe es als ein großes Zeichen des Vertrauens und der Wertschätzung.“

Für den Wissenschaftler ist der Wechsel nach Aachen eine Rückkehr in seine alte Wahlheimat. Der gebürtige Helmstedter hat an der RWTH das gesamte Physik-Studium absolviert und sich hier sowohl promoviert als auch habilitiert. Nach Forschungsaufenthalten in den USA übernahm Rüdiger 2002 an der Universität Konstanz eine Professur für Experimentalphysik. Bereits im Alter von 42 Jahren wurde er dort zum Rektor gewählt.

Obwohl seine Amtszeit an der baden-württembergischen Hochschule erst 2023 endet, hat sich Rüdiger nun zu einem Wechsel nach Aachen entschieden. „Die RWTH bietet ein größeres Fächerportfolio als die Uni Konstanz“, nannte der Wissenschaftler als Grund. Für ihn sei das ein wichtiger Aspekt. Als Physiker habe er immer auch die Nähe zu den Ingenieurstechnologien oder zur Medizin gesucht und sich um einen Wissenstransfer bemüht. In Aachen sei das besser möglich als an seiner bisherigen Wirkungsstätte. Zudem könne hier die „Nähe zwischen Wissenschaft und Wirtschaft gut gelebt werden“. Das gelte auch mit Blick auf regionale Unternehmen.

Als Rektor warten auf Rüdiger weitere anspruchsvolle Aufgaben. Zum einen vertritt er die RWTH nach außen, wird künftig deren personifizierte Marke sein. Zum anderen ist er für die strategische Ausrichtung der Hochschule verantwortlich und muss rund 500 Professoren auf einen gemeinsamen Kurs einschwören. „Dazu ist diplomatisches Fingerspitzengefühl und taktisches Geschick nötig“, betonte Bernd Bohr, Vorsitzender der Findungskommission und des Hochschulrates. „Professor Rüdiger verfügt über beides. Er hat während seiner sehr erfolgreichen Zeit in Konstanz bewiesen, dass er Rektor kann.“

Lob kam auch vom Vorsitzenden der Hochschulwahlversammlung, Stefan Kowalewski: „Rüdiger hat bei seiner Vorstellung einen hervorragenden Eindruck hinterlassen.“ Und vom scheidenden Rektor Schmachtenberg: „Ich freue mich riesig, dass er bald hier ist.“ Schmachtenberg verwies nicht ohne Stolz darauf, dass Rüdiger bald an der Spitze einer Hochschule stehen wird, die „international wunderbar verankert“ ist. Die RWTH habe in den vergangenen Jahren einen großen Aufschwung in Forschung und Lehre erlebt. Bis zum Jahr 2025 sei dieser Kurs weiter festgeschraubt. Rüdigers Aufgabe sei es nun, eine Strategie für die Zeit bis 2040 zu entwickeln. Dabei habe sein Nachfolger darauf zu achten, „dass der riesige Dampfer auch in die richtige Richtung läuft, wenn der Kapitän mal nicht auf der Brücke ist“.

Das Problem Finanzen

Dass diesem Kurs manchmal Finanzklippen im Weg stehen, ließ Schmachtenberg nicht unerwähnt. Im Vergleich zur internationalen Spitze würden deutsche Universitäten über wenig Geld verfügen. „Da haben wir im Wettbewerb ein Problem“, fügte der nach zehn Jahren aus dem Amt scheidende Rektor hinzu und merkte mit einem Augenzwinkern in Richtung seines Nachfolgers an: „Sie sehen, ich würde gerne noch ein wenig weitermachen.“

(jozi)
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