Genk: Tourenwagen, Trucks, Radler und Skater

Genk: Tourenwagen, Trucks, Radler und Skater

Preisfrage: Renommierte Rennstrecke mit Formel-1- und Tourenwagen-Historie nahe Aachen? Antwort: Nürburgring. Nein, noch näher. Spa Franchorchamps - fast, auch in Belgien, nur über eine andere Autobahn. Richtig: Zolder.

An der E 314 Richtung Antwerpen weisen zwei dezente Schilder darauf hin, dass die Ausfahrt 27 auch zu der Rennstrecke führt, die in den letzten Jahren zumindest in der deutschen Wahrnehmung in eine Art Schneewittchenschlaf gefallen zu sein scheint.

Dabei tut sich auf und neben der 4,1 Kilometer langen Asphaltschleife an rund 250 Tagen im Jahr jede Menge.

Natürlich richtet sich das meiste Interesse auf Veranstaltungen wie das 24-Stunden-Rennen, den Truck Grand Prix oder den in diesem Jahr noch ausstehenden Höhepunkt, das Finale der FIA GT Championship mit den jeweiligen Trainingssessions im Vorfeld. Aber auch an Wochentagen, denen kein Renn-Wochenende folgt, ist hier stets Betrieb.

Teams aus verschiedensten Rennserien nutzen den Kurs gern zu Tests, und an diesen Tagen kostet das Zuschauen nichts. Das lockt nicht nur Motorsportfreaks an, sondern auch schon einmal ganze Familien. Der typische Geruch aus Kraftstoffen und Gummiabrieb ergibt pures Rennflair, das die Kiebitze im wahrsten Wortsinn schnuppern.

Stammgäste wunderten sich kürzlich über Teams, die jahrelang hier nicht zu sehen gewesen waren: Sämtliche Teilnehmer der WM der Tourenwagen (WTCC - World Touring Car Championship) drehten ihre Runden. Und das aus gutem Grund: Im nächsten Jahr wird die WTCC in Zolder einen WM-Lauf austragen.

So hatten die Verantwortlichen bei Chevrolet die Idee, den Circuit in der mehrwöchigen sommerlichen Rennpause für einen Tag zu mieten, um sie sich schon einmal anzusehen.

„Einmal ansehen” bedeutet, so viele Runden wie möglich zu drehen und dabei alle Daten aufzunehmen. Im Computer gespeichert, werden sie später ausgewertet und ersparen einem Team so letzten Endes mehr als diesen einen Tag, wenn es dann im Juni 2010 ernst wird.

Und weil auch die in dieser Serie vertretenen großen Rennställe sparen, wann immer es geht, haben die Chevrolet-Leute ihrer Konkurrenz angeboten, gleich mit zu testen und so Kosten zu sparen. Gesagt, getan, und so drehten BMW, Lada, Seat und Chevrolet ihre Runden und teilten sich die fälligen 15.000 Euro Streckenmiete.

„Wieso eigentlich Chevrolet?”, fragt sich der Außenstehende vielleicht, denn wer hierzulande an diese Marke denkt, hat oft noch spritfressende US-Straßenkreuzer vergangener Tage mit riesigen Heckflossen vor Augen.

Aus diesen Monstern sind längst europäische Alltagsfahrzeuge geworden und das neue Modell Cruze schickt sich derzeit sogar an, den renommierten Marken wie BMW in der WTCC Konkurrenz zu machen. Auch wenn der Aufwand dabei nicht mit dem der Formel 1 vergleichbar ist, geht es dennoch höchst professionell zu.

Und den Laien lassen auch die Zahlen der Chevrolet-Leute staunen. 1200 bis 1400 Slickreifen werden pro Saison verschlissen, davon gehen allein vier bis fünf Sätze pro Trainingstag drauf. In der Box in Zolder arbeiteten 14 Leute, das komplette Team umfasst 40 Mitarbeiter und mit Nicola Larini sitzt ein ehemaliger Formel-1-Pilot im Cockpit.

Das nötigt auch Jörg Müller Respekt ab, dem seit Jahren erfolgreichen BMW-Piloten aus Hückelhoven, der allerdings seit 15 Jahren in Monaco lebt. Er hatte den Termin natürlich zu einem Besuch in der Heimat genutzt.

Auch wenn er Zolder nicht mehr als seine „Heimstrecke” sieht, betont er doch voller Stolz: „Ich hab´ die Route Hückelhoven-Sittard-Zolder auch nach den vielen Jahren ohne Navigationsgerät auf dem kürzesten Wege gefunden.” Und das nicht etwa in einem sportlichen Modell, sondern im Transporter seines Bruders.

Damit ist er aber gerade in Zolder kein Exot, denn hier ist alles willkommen, was Räder hat. Beispielsweise gehört dienstags, mittwochs und donnerstags der Kurs von 18.15 bis 21.30 Uhr den Radfahrern und Inline-Skatern. Sie können ihren Hobbies - auch bei Flutlicht - nach Herzenslust frönen.

Dabei sind Hobbyfahrer ebenso willkommen wie Rennsportler, die hier trainieren. In Zukunft werden sogar Schulungen angeboten. Die „Vlaamse Wielerschool” (Flämische Radfahrschule) offeriert erste Kurse, die bald noch erweitert werden sollen.

Weltcup am zweiten Weihnachtsfeiertag

Noch zwei Großevents stehen in der ausklingenden Saison auf dem Programm. Den Auftakt macht das Finale der FIA GT Championship am 24. Oktober.

Der Schlusspunkt folgt dann am 26. Dezember, wenn tatsächlich am zweiten Weihnachtsfeiertag der „UCI World Cup Cyclocross” ausgetragen wird. Cyclocross ist eine Radsportdisziplin, in der die Athleten einen Kurs aus Straße, Landstraße, Waldlichtungen und Wäldern befahren.

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