Tornado in der Eifel macht Förstern Arbeit

Dramatischer Tornado : Die Arbeit nach dem Sturm in der Eifel

Eine breite Schneise der Verwüstung zieht sich quer durch den Roetgener Wald in Richtung Dreilägerbachtalsperre bis hinunter zum Kuhberg, wo vergangene Woche ein Tornado ein Wohngebiett getroffen hat. Inzwischen steht fest: Der Tornado wird die Gemeinde Roetgen teuer zu stehen kommen.

Wolfgang Klubert lenkt seinen Geländewagen Richtung Rosenkranzweg und stoppt plötzlich. Der Roetgener Förster steigt aus und blickt auf das Chaos, bestehend aus entwurzelten und abgeknickten Bäumen und einem Gewirr aus Geröll und Ästen. Eine breite Schneise der Verwüstung zieht sich im Zickzack-Kurs quer durch den Roetgener Wald Richtung Dreilägerbachtalsperre bis hinunter zum Kuhberg, wo der Tornado in der vergangenen Woche ein Wohngebiet am Ortsrand getroffen hat.

Während die dramatischen Folgen des Wirbelsturms im Ort selbst noch immer augenscheinlich sind, offenbaren sich die Schäden im Wald erst nach und nach. Doch schon jetzt steht fest, dass der Tornado die Gemeinde Roetgen teuer zu stehen kommt: Auf mindestens eine Million Euro schätzt Forstbetriebsleiter Klubert mittlerweile alleine den Schaden im Wald.

Der Förster ist derzeit dabei, das genaue Ausmaß der Verwüstung zu dokumentieren und Angebote von Holzaufkäufern zu sammeln. Das Problem: die Marktlage ist aufgrund der grassierenden Borkenkäferplage katastrophal, die Preise sind dementsprechend im Keller. „Wir müssen nun geschätzte 15.000 Festmeter Holz binnen kürzester Zeit verkaufen“, sagt Klubert. Das sei mehr als der doppelte Jahreseinschlag. „Auf diese Weise macht man nur hohe Verluste.“ Sein Amtskollege aus Simmerath, Dietmar Wunderlich, bestätigt diese Einschätzung. Der Markt sei schlicht übersättigt. „Im Gegensatz zu Roetgen sind wir aber mit einem blauen Auge davongekommen.“ Denn der Tornado habe im Lammersdorfer Wald nur noch vergleichsweise geringe Schäden angerichtet. Auf bis zu 70.000 Euro taxiert Wunderlich die Verluste für Simmerath.

25 Hektar Wald sind zerstört

Aus der Luft wird schnell klar, wie viel Arbeit auf das Team des Forstbetriebs nun zukommt: Kilometer um Kilometer hat sich der Sturm durch den Wald gefressen – auf einer Breite von bis zu 80 Metern. 25 Hektar Wald sind auf Roetgener Gemeindegebiet nach ersten Schätzungen vollkommen zerstört. Alleine die Wiederaufforstung wird mit einer Viertelmillion Euro zu Buche schlagen, sagt Klubert. Hinzu kommt ein sechsstelliger Betrag für die Wiederherstellung der Waldwege.

Umgeknickt wie Streichhölzer: Forstbetriebsleiter Wolfgang Klubert inspiziert derzeit die Schäden und holt Angebote von Holzkäufern ein. Foto: Marco Rose

Schon in der kommenden Woche könnte mit der gerade wieder eingekehrten Waldesruhe Schluss sein: Dann werden sich mindestens zwei riesige Erntemaschinen, sogenannte Harvester, durch den Forst ackern und Baum für Baum in verkaufsfertige Einheiten verarbeiten. Bis zu drei Monate werden die Arbeiten dauern, bis dahin werden weite Teile des bei Wanderern in der Region beliebten Roetgener Waldes gesperrt bleiben.

Aufgrund der Gefahr durch möglicherweise Bäume oder Äste darf das Gebiet seit der vergangenen Woche ohnehin nicht betreten werden, was „ganze Horden von Katastrophentouristen“ (Klubert) aber nicht davon abgehalten hat. Besonders erbost ist der Förster über selbsternannte Tornadoforscher und Sturmjäger, die in den vergangenen Tagen in Roetgen unterwegs waren. „Das war filmreif. Einen Holländer habe ich des Waldes verwiesen. Der Mann war mit einem Jeep ausgestattet wie die ‚Ghostbusters’ aus dem gleichnamigen Hollywoodfilm.“

Unerfreulicher Höhepunkt der Invasion: Ein Mann tritt mit Anlauf von hinten in den Geländewagen des Försters, nachdem dieser ihn verwarnt hat – ein geschätzter Schaden von 3000 Euro entsteht. Klubert erstattet Strafanzeige und ist außer sich: „Wenn man sieht, wie die Leute hier durch den Wald trampeln, dann zweifelt man an der Menschheit. Es ist wirklich keine Zumutung, diese Verbote zu beachten.“

Um Verständnis bitten unterdessen auch die Sturmopfer in Roetgen. Bei gutem Wetter gehen die Aufräumarbeiten am Ortsrand zwar zügig weiter. Katastrophentouristen – der futuristisch ausgestattete Niederländer wird auch hier gesichtet – machen den Menschen allerdings zu schaffen. Autos aus allen Teilen Deutschlands fuhren am vergangenen Wochenende durch den Ort. „So viel Verkehr und Wandergruppen hatten wir hier noch nie“, sagt Mandana Biegi, deren Haus in der Rotter Gasse komplett abgedeckt wurde. „Das ist alles andere als schön, das trifft einen persönlich. Wir fühlen uns verletzlich und unsicher.“ Sie formuliert eine Bitte an alle Neugierigen: „Bleiben Sie bitte zuhause, und schauen Sie sich die Bilder einfach im Internet an!“

Der Tag nach der Windhose: In Roetgen ist Aufräumen angesagt

Hier geht es zur Bilderstrecke: Schneise der Verwüstung in Roetgen

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