Düren/Aachen: Tödliches Unfalldrama auf der A44: Bewährungsstrafe für Angeklagten

Düren/Aachen : Tödliches Unfalldrama auf der A44: Bewährungsstrafe für Angeklagten

In der nächsten Woche jährt sich ein schrecklicher Unfall auf der A44 zum ersten Mal. Eine 25-jährige Studentin der RWTH Aachen war dabei so schwer verletzt worden, dass sie wenige Tage später im Uniklinikum starb. Am Freitag ist ein wesentliches Stück seiner Aufarbeitung vor dem Dürener Schöffengericht abgeschlossen worden.

Das Gericht verurteilte den inzwischen 29 Jahre alten Autofahrer, der den Unfall am 1. Februar 2017 zwischen Alsdorf und Aldenhoven verursacht hatte, zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten.

Nach Überzeugung des Gerichts kam es zu dem Unfall, als der Pkw-Fahrer nach einem Überholmanöver gegen das Heck eines Kleinbusses der RWTH Aachen stieß. Dieser Bus, mit angehenden Bauingenieuren auf dem Weg zu einer Exkursion, stieß gegen die Leitplanke, schleuderte zurück, und kippte um. Zur Bilanz des Unfalls gehörten zudem elf verletzte Bus-Insassen sowie drei leicht Verletzte aus dem Pkw.

Die Vorsitzende Richterin Christine Lange machte am Ende des von starken Emotionen geprägten Prozesses deutlich, dass ein solches Verfahren sowohl eine menschliche Sicht wie auch eine juristische Perspektive habe. Die juristische Seite drücke sich in einer Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs aus. Die menschliche zeigte sich bei einer Einlassung des Vaters der getöteten Studentin. Er schilderte unter Tränen in bewegenden Worten, wie sehr die Familie unter dem Tod der geliebten Angehörigen leide und wie abrupt deren Lebenspläne und Ideen beendet worden seien.

Weitere vier Aussagen

Nachdem am ersten Prozesstag im Dezember bereits acht Zeugen ausgesagt hatten, folgten am Freitag weitere vier. Ausführlich berichtete ein Gutachter, der dem Prozess während der gesamten Beweisaufnahme beiwohnte und häufig auch Zeugen zu Details ihrer Wahrnehmungen befragte. Eine wesentliche Frage war, ob der Bus an jenem frühen Morgen in der Dunkelheit ordnungsgemäß beleuchtet gewesen war. Dazu erklärte der Gutachter, dass er bei einer mikroskopischen Untersuchung von Lichtanlage und Leuchtmitteln die sichere Erkenntnis gewonnen habe, dass die Beleuchtung zum Unfallzeitpunkt eingeschaltet war und auch funktioniert habe. Er kam allerdings auch zu dem Schluss, dass die später verstorbene Studentin trotz technisch einwandfrei funktionierender Sicherheitsgurte nicht angeschnallt war.

Ein wesentlicher Punkt war die Alkoholkonzentration im Blut des Pkw-Fahrers, die knapp zwei Stunden nach dem Unfall noch bei 0,78 Promille lag. Dieser Wert zeige, dass der Fahrer das Thema Restalkohol ebenso vernachlässigt hatte wie seine offensichtlich deutlich zu kurz gekommene Nachtruhe. Das Gericht wollte auch Indizien für einen Sekundenschlaf als Unfallursache nicht ausschließen.

In der Urteilsbegründung ging die Vorsitzende Richterin — wie auch Staatsanwältin Golricz Litterscheid, Nebenklage-Vertreter Wolfram Pott und Verteidiger Stefan Krings in ihren Plädoyers — auf die menschliche Dramatik dieses Falles ein. Richterin Lange würdigte unter anderem, dass der Angeklagte erkennbar das Bedürfnis hatte, den Angehörigen der tödlich verletzten Studentin aber auch den bei dem Unfall Verletzten sein Mitgefühl auszudrücken.

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