Landgraaf: Tödliches Pinkpop-Drama offenbar tragischer Unfall

Landgraaf : Tödliches Pinkpop-Drama offenbar tragischer Unfall

Das tödliche Drama zum Abschluss des Pinkpop-Festivals im niederländischen Landgraaf am frühen Montagmorgen ist offenbar ein tragischer Verkehrsunfall gewesen. Niederländische Medien zitieren Zeugen, wonach die von dem Kleintransporter erfassten vier Menschen im Dunkeln auf der zuvor abgesperrten Straße gesessen hatten.

Zuvor hatte die niederländische Staatsanwaltschaft am Dienstagvormittag einen terroristischen Anschlag ausgeschlossen. Das Ermittlerteam von Polizei und Staatsanwaltschaft hatte nach dem Vorfall Untersuchungen eingeleitet, Zeugen vernommen und den festgenommenen Fahrer des Fahrzeugs verhört. Der 34-Jährige aus Heerlen befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft.

Wenige Stunden nach dem offiziellen Ende des dreitägigen Festivals war der Transporter gegen 4 Uhr morgens auf der Straße Mensheggerweg in eine Gruppe von Menschen gefahren. Ein 35-jähriger Heerlener starb dabei, zwei Männer und eine junge Frau wurden teils lebensgefährlich verletzt. Der Zustand der Verletzten sei auch am Tag nach dem Geschehen noch kritisch, gab die Staatsanwaltschaft weiter bekannt.

Personen saßen im Kreis

Der Fahrer des Transporters war zunächst geflüchtet. Die Polizei löste eine Großfahndung im Grenzgebiet aus, an der auch deutsche Beamte beteiligt waren. Später stellte sich der Mann, ein 34-Jähriger aus Heerlen, selbst den Behörden.

Niederländische Medien, darunter die Tageszeitung De Limburger, zitierten Zeugen, wonach mehrere Personen im Dunkeln mitten auf dem Mensheggerweg gesessen hätten, kurz bevor sich das tödliche Drama ereignete. Ein Taxifahrer sagte aus, dass rund zehn Personen in einem Kreis auf der Fahrbahn gesessen und offenbar etwas gespielt hätten. Rund zwei Stunden nach Abschluss des Festivals hätten sie wohl nicht mit Autos gerechnet.

Die DJane Jacqueline Schmeitz, die zuvor als „DJacky“ beim Pinkpop Platten aufgelegt hatte, erklärte auf ihrer Facebookseite, ebenfalls kurz vor blutigen Vorfall einen Kreis von Menschen mitten auf der Straße gesehen zu haben. Sie seien dunkel gekleidet gewesen und hätten keine Lichter bei sich gehabt.

&

Laut De Limburger bestätigten Polizei und Staatsanwaltschaft diese Aussagen am Montag zunächst nicht.

Bei der Untersuchung des tragischen Unfalls könnte eine Rolle spielen, wann die Straße freigegeben wurde, auf der die jungen Leute gesessen und gefeiert hatten. Sie ist tagsüber gesperrt, auch mit schweren Pollern, wurde aber nach dem Ende des Festivals wieder für den Verkehr geöffnet. Das hatte auch Polizeichef Hans van den Heuvel in der Pressekonferenz in Landgraaf bestätigt. Die Afterparty auf dem Gelände Camping B war wohl gegen 2 Uhr zu Ende gegangen, offenbar feierte die kleine Gruppe noch weiter.

Wurde Straße zu früh wieder freigegeben?

Der Taxifahrer als Zeuge sagte laut der überregionalen Tageszeitung Algemeen Dagblad auch, dass er gegen 4 Uhr nachts der in der Dunkelheit schwer erkennbaren Gruppe beim Vorbeifahren nur knapp ausweichen konnte. Der weiße Kleintransporter sei ihm an einem Kreisverkehr mit hohem Tempo entgegengekommen. Der festgenommene 35-jähriger Fahrer arbeitet demnach als Bühnenarbeiter in Rotterdam und wollte angeblich noch einen Kollegen abholen.

Ist also die Straße zu früh wieder für den Verkehr geöffnet worden? Diese Frage soll nun ebenfalls untersucht werden, hieß es dazu seitens der Ermittlungsbehörden in Landgraaf. Festivalchef Jan Smeets hatte auf Nachfragen ferner erklärt, dass in diesem Jahr ungewöhnlich viele Pinkpop-Besucher mit dem Auto gekommen waren und zusätzliche Parkplätze angelegt werden mussten.

Trauer um Opfer

Bei einer spontanen Trauerkundgebung in der Innenstadt von Heerlen legten am Montagabend Dutzende Menschen, darunter Bekannte und Angehörige der vier Opfer, Blumen, Kerzen und Botschaften ab.

Zuvor hatte auch Festivalleiter Jan Smeets auf einer Pressekonferenz seine Betroffenheit und Trauer ausgedrückt. Er stehe mit den Familien der Opfer in Kontakt. Die Organisatoren seien derzeit mit der Aufarbeitung der Tragödie beschäftigt.

(heck/hau)
Mehr von Aachener Nachrichten