Tödlicher Unfall in Alsdorf:

Mordprozess am Landgericht : Alsdorf-Hoengen, 3. Januar, 17.45 Uhr

Nach dem schweren Unfall auf der Landesstraße 240 bei Alsdorf-Hoengen am 3. Januar muss sich Andreas Z. (46) seit Dienstag unter anderem wegen Mordes am Aachener Landgericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft Z. vor, mit voller Absicht und mindestens 135 Kilometern pro Stunde in den an einer Ampel stehenden BMW eines 48-Jährigen gerast zu sein, um sich und seinen Lebenspartner Dirk Z. (43) zu töten. Dirk Z. starb, der 48-Jährige ist querschnittsgelähmt. Andreas Z. überlebte und sagte beim zum Prozessauftakt kein Wort.

In einem Brief, den Andreas Z. seinen Eltern am 31. Januar schrieb, beschwert er sich über das „himmelschreiende Unrecht“, das ihm durch seine Verhaftung widerfahren sei. Er sitze nur „wegen der Aussage einer einzigen Frau“ in Untersuchungshaft, niemals habe er sich und seinen Lebenspartner Dirk Z. am 3. Januar in Alsdorf auf der L240 töten wollen. Dirk Z. habe sich ja auch gar nicht von ihm trennen wollen, und selbst wenn doch, würde das auch nichts zu bedeuten haben, da Andreas und Dirk Z. sich im Verlaufe ihrer Beziehung schon so häufig getrennt und wieder zusammengefunden hätten.

So steht es in dem Brief, den Richter Roland Klösgen am Dienstag am ersten Tag des Prozesses gegen Andreas Z. (46) verlas. Die Aachener Staatsanwaltschaft wirft ihm neben dem Mord an seinem Lebenspartner zwei versuchte Morde an dem 48-jährigen BMW-Fahrer und an einer 30-jährigen Aachenerin vor. Mit ihrem Opel war der Golf ebenfalls kollidiert. Die 30-Jährige hatte großes Glück und brach sich damals, am 3. Januar gegen 17.45 Uhr, lediglich die Mittelhand.

Andreas Z. wollte sich zunächst weder zu seiner Person noch zu den Vorwürfen äußern, er bat nicht einmal seine überlebenden Opfer um Entschuldigung, obwohl beide am Dienstag als Zeugen aussagten. Und obwohl kein Zweifel daran besteht, dass Z. den Unfall am 3. Januar verursacht hat. Seine Verteidiger deuteten immerhin an, nächste Woche eine Erklärung im Namen des angeklagten Z. abgeben zu wollen.

Eifersucht, Trennungen, Drogen

Die Aussagen von elf weiteren Zeugen zum Unfallgeschehen lassen wenig Zweifel daran, dass Andreas Z. den Unfall mit voller Absicht und keineswegs versehentlich herbeigeführt hat. Mehrere Zeugen hatten beobachtet, dass der Golf, den Z. steuerte, mit hoher Geschwindigkeit auf der L240 in Fahrtrichtung Baesweiler unterwegs war, mehrere gemeingefährliche Überholmanöver riskierte und ungebremst ins Heck des an der Ampel auf der Linksabbiegerspur Richtung Alsdorf-Hoengen wartenden BMW raste.

Keiner der Augenzeugen des Unfalls hatte wahrgenommen, dass die Bremslichter am Golf vor der Kollision aufgeleuchtet hätten oder dass ein Ausweichmanöver unternommen worden wäre. Bislang hat der Prozess nicht viel ergeben, das für die Unschuld des Angeklagten spricht.

Dirk Z.s Bruder berichtete dem Gericht von einer schwierigen Beziehung, die Dirk und Andreas Z. seit Ende der 90er Jahre geführt hätten. Eine offene Beziehung mit wechselnden Sexualpartnern, Eifersucht, Trennungen, Wiedervereinigungen, Drogen- und Alkoholexzessen. 2016 die förmliche Verpartnerung. Im Dezember 2018 dann soll Dirk Z. endgültig beschlossen haben, sich von Andreas Z. zu trennen.

Der Prozess wird nächste Woche Dienstag um 9 Uhr in Saal A0.009 des Aachener Landgerichts fortgesetzt.

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