Aachen: Tim Lausberg ist einer unter wenigen: Nur rund 250 Männer studieren an der Katho

Aachen : Tim Lausberg ist einer unter wenigen: Nur rund 250 Männer studieren an der Katho

Die Idee, soziale Arbeit zu studieren, hatte er zunächst dem Zufall zu verdanken. Schnell wuchs bei Tim Lausberg jedoch echtes Interesse. Der Aachener war nach einer Lehre zum Speditionskaufmann und einem abgebrochenen Wirtschaftsstudium auf der Suche nach einem anderen Berufsfeld.

Dann machten ihn Bekannte, die bereits an der Katholischen Hochschule (Katho) studierten, auf den Studiengang „Soziale Arbeit“ aufmerksam. Inzwischen, drei Jahre nach seinem Bachelor-Abschluss, gestaltet Lausberg im Offenen Kinder- und Jugendtreff „D-Hof“ mit jungen Menschen zwischen sechs und 27 Jahren deren tägliche Freizeit.

Und aus der fixen Idee ist eine Leidenschaft geworden: „Ich bin mit dem Herzen hier“, sagt der 30-Jährige über die Einrichtung im Aachener Stadtteil Driescher Hof. Die offene Kinder- und Jugendarbeit beruhe auf der Beziehung zwischen allen Beteiligten, erklärt Lausberg. „Es ist wichtig, offen auf die Kinder zuzugehen und alle ihre Probleme ernst zu nehmen“, sagt Lausberg.

Neben festen Zeiten, zu denen der Treff täglich geöffnet ist, gibt es regelmäßige Angebote zu Bewegung und Ernährung. Dabei bringe jeder Mitarbeiter seine eigenen Vorlieben und Talente ein, erklärt Sandra Jansen, Leiterin des D-Hofs. Auch Tim Lausberg kann seine private Leidenschaft mit den Kindern und Jugendlichen teilen: Er trainiert eine Fußballmannschaft. Andere Mitarbeiter bieten Box- und Selbstverteidigungstrainings an. Und wieder andere gärtnern mit den Kindern. Einmal in der Woche findet ein gemeinsames Abendessen statt.

Auf dem Außengelände ist aus eigener Kraft eine Anlage zum Krafttraining entstanden. Das alles sei nur möglich, wenn alle mithelfen, sagt Jansen. Und: „Partizipation ist ein großes Pfund der Jugendarbeit.“ Wenn alle mit anpacken, könnten auch eigene Vorschläge eingebracht und Wünsche realisiert werden.

Der Aachener Stadtteil Driescher Hof sei geprägt von besonderen Herausforderungen, sagt Jansen. Der Treff ermögliche den Jugendlichen, ihren Lebensraum an einem zusätzlichen Ort neben Schule und Zuhause selbst zu gestalten.

Allerdings können sich bisher nur wenige junge Männer für Studium und Karriere in der Sozialen Arbeit begeistern: Nur ein Viertel der aktuell rund 1100 an der Katho in Aachen eingeschriebenen Studenten sind Männer. Dabei qualifiziert der Studiengang „Soziale Arbeit“ für eine Vielfalt von Berufsfeldern, erklärt Dekanin Ute Antonia Lammel: Neben der Kinder- und Jugendarbeit, der Familien- und Gruppenarbeit gehört auch die Quartiers- und Gemeindeentwicklung unter demografischen Gesichtspunkten zum Zuständigkeitsbereich von Sozialarbeitern. „In der Sozialarbeit ist Kreativität gefragt, und der Job bietet eine Menge Herausforderungen“, sagt Lammel.

Christliches Weltbild

Herausforderungen, die mitunter auch die eigene Psyche betreffen: Die Studenten sind oft erst Anfang 20 und haben selbst noch nicht viel Lebenserfahrung. Vermittelt werden soll ihnen daher an der Hochschule auch eine gewisse Grundhaltung, die auf dem christlichen Weltbild fußt.

An gesellschaftlicher Anerkennung dafür, was soziale Berufe leisten, fehle es leider oft noch, betont Sandra Jansen. „Die Resonanz der Familien aus dem Stadtteil ist toll, aber gesamtgesellschaftlich muss sich noch viel tun.“ Soziale Arbeit müsse deutlicher wahrgenommen werden, sagt auch Lammel. „Mit dem forschungsorientierten Master wollen wir dafür sorgen, dass Fachkompetenzen auch auf der Leitungsebene ankommen“, sagt die Dekanin.

Die Katho bietet zudem fachübergreifende Tagungen an und macht den ersten Schritt darin, Inklusion selbstverständlich zu machen: Das Hochschulcafé wird in Kooperation mit dem Alexianer-Krankenhaus geführt. Was die finanzielle Entschädigung angeht, werde die Bezahlung meist der geleisteten Arbeit nicht gerecht, sind sich die Leiter der Katho und die Beschäftigten im D-Hof einig. Den anspruchsvollen Job macht daher nur, wer es wirklich will. „Geld ist mir nicht so wichtig wie einen Job zu machen, der mir Spaß macht“, sagt Tim Lausberg.

Und dass er damit richtig liegt, sieht er in der täglichen Arbeit. Zum Beispiel, wenn ein Problemkind auf die Frage, warum nun alles besser läuft, antwortet: „Wegen Tim!“

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