Berlin: Versicherungen zahlen nicht für Super-GAU

Berlin : Versicherungen zahlen nicht für Super-GAU

Ein Super-GAU in Europa würde Kosten in Höhe von 100 bis 430 Milliarden Euro verursachen. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie hervor, die das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft für den Öko-Energieanbieter Greenpeace Energy erstellt hat.

Die Studienmacher kritisieren insbesondere, dass die Kernkraftwerke in Deutschlands Nachbarländern nicht ausreichend versichert sind. „Die zu erwartenden Kosten eines nuklearen Unfalls sind um ein Vielfaches höher als die Haftungs- und Deckungsvorsorge unserer Nachbarstaaten“, sagte Studienautorin Lena Reuster unserer Zeitung.

Staat haftet nicht

Zwölf Atomkraftwerke liegen nahe einer Grenze zu Deutschland. Darunter ist auch der wegen Tausender Risse im Reaktordruckbehälter umstrittene belgische Meiler Tihange 2, der Luftlinie nur 60 Kilometer von der Aachener Stadtgrenze entfernt liegt.

Bereits im vergangenen Jahr hatte unsere Zeitung berichtet, dass Betreiber Engie-Electrabel maximal mit 1,2 Milliarden Euro für Schäden haftet. Eine weitere staatliche Haftung sei in Belgien nicht vorgesehen, sagte Reuster.

Und dann gibt es noch ein weiteres Problem. Es ist unklar, wie die Schäden priorisiert werden, sagte der auf Energie spezialisierte Jurist Tobias Heldt unserer Zeitung damals. Reuster stimmte am Dienstag zu: „Natürlich kann es sein, dass Belgien zunächst Schäden im eigenen Land begleicht.“ Betroffene in unserer Region müssten Schadenersatz vor einem belgischen Gericht geltend machen, was mit größerem Aufwand verbunden sei.

Das Bundesumweltministerium erklärte 2016, dass in Deutschland 2,5 Milliarden Euro zur Verfügung stehen — aber eigentlich nur für Atomunfälle, die sich in Deutschland ereignen. Deutschland hat laut Reuster damit die weitreichendste Anforderungen an die Haftung der AKW-Betreiber. Wie zuvor schon die Grünen fordert Greenpeace eine „unbegrenzte Haftung für Anlagenbetreiber“.

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