Aachen: Reaktorunfall: Was Menschen im Notfall einpacken würden

Aachen : Reaktorunfall: Was Menschen im Notfall einpacken würden

Eigentlich sind es Gedanken, die man sich lieber nicht machen möchte: Was würde ich bei einem Reaktorunfall mitnehmen — und was nicht? 28 Menschen aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland haben sich aus aktuellem Anlass dennoch diese Frage gestellt.

Ute Haupts und Katrin Wolfarth haben daraus in Zusammenarbeit mit dem Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie schließlich das Kunstprojekt „Woanders gibt es nicht“ gemacht. Am Sonntag wurde die Wanderausstellung, die in den kommenden Wochen in der ganzen Euregio zu sehen sein wird, im KuKuK an der belgisch-deutschen Grenze eröffnet.

„Die Idee zu dem Fotoprojekt stammt ursprünglich von meiner Tochter“, erklärte Initiatorin Katrin Wolfarth. „Sie hat mich einmal gefragt, was wir denn mitnehmen würden, wenn Tihange explodieren sollte.“ Die Antworten darauf sind jetzt unter freiem Himmel beim deutschen Zollhaus Köpfchen zu sehen. Menschen aus unterschiedlichen Altersgruppen und aus allen drei Ländern der Grenzregion haben ihre Koffer gepackt, wie sie es auch im Notfall tun würden.

Einiges davon ist wenig überraschend: Medikamente sind dabei, häufig auch das Mobiltelefon, Kleider oder auch der Autoschlüssel. Was die Ausstellung aber interessant macht, sind die ungewöhnlichen Dinge. So findet sich auf den Bildern auch eine Dose Katzenfutter, einige Malpinsel oder Kurioses wie ein Glätteisen wieder. „Mitunter sind das sehr persönliche Einblicke in das Leben der Menschen, die eine ziemliche Wucht haben“, sagte die Fotografin des Projekts, Ute Haupts.

Unter jedem der Bilder stehen jeweils der Vorname und das Alter jener Person, die da gerade den Koffer gepackt hat. Das fördert wiederum interessante Zusammenhänge zutage: So fällt beispielsweise schnell auf, dass besonders älteren Leuten viel an Erinnerungsstücken wie Fotoalben und Festplatten liegt. Die Jüngeren unter den Projektteilnehmern nehmen hingegen lieber angefangene Kapitel des selbst geschriebenen Romans oder Unterhaltungselektronik mit. Und die Mittvierziger? Versicherungsunterlagen und ein Set mit Spielkarten.

„Wenn man immer nur hört und liest, was da technisch in den Atomkraftwerken passiert, dann ist das etwas anderes, als wenn man durch die Fotos unmittelbar sieht, was den Menschen wichtig ist“, so die Fotografin. Diese persönlichen Einsichten sind manchmal traurig und manchmal witzig — auch wenn dem Betrachter vor dem ernsten Hintergrund nicht immer zum Lachen zumute sein dürfte.

Die Ausstellung wird in den folgenden Wochen auch noch in Maastricht und Lüttich zu sehen sein, allerdings stehen die genauen Daten noch nicht fest. Wo sich die Wanderausstellung zum jeweiligen Zeitpunkt gerade befindet, erfährt man im Internet.