Tihange: Risiko des ältesten belgischen Meilers für Region ist groß

Studie für Grüne: Risiko des ältesten belgischen Meilers für die Region ist groß

Der deutsche Reaktorsicherheitsexperte Manfred Mertins sieht in dem ältesten belgischen Atommeiler Tihange 1 eine „potenzielle Gefahr für den Standort Tihange und dessen Umgebung“. Mertins fordert deshalb die Abschaltung des Meilers, der 1975 ans Netz ging.

Der Atomexperte hat im Auftrag der Grünen Europa-Abgeordneten Rebecca Harms eine Studie erstellt und diese jetzt in Brüssel vorgestellt. Darin kommt er zu dem Ergebnis, dass der Weiterbetrieb von Tihange 1 durch das veraltete Reaktordesign, das mangelhafte Sicherheitsmanagement und die Häufung ungeplanter Ereignisse ein großes Sicherheitsrisiko darstellen.

Bereits im Februar war eine Häufung von Precursor-Fällen in Tihange 1 bekannt geworden. Das sind Vorfälle in AKW, die die Wahrscheinlichkeit für einen Kernschaden erhöhen. Mertins sagte unserer Zeitung damals, dass der Meiler, der 1975 ans Netz ging, heutzutage keine Betriebserlaubnis erhielte. „Tihange 1 ist vollkommen überaltert.“

Rebecca Harms findet das alarmierend. Die atompolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion in Brüssel fordert deshalb die Stilllegung des Reaktors. „Die belgischen Behörden müssen den aktuellen Stillstand fast aller belgischen Reaktoren zum Anlass nehmen, um zumindest den Pannenreaktor Tihange 1 43 Jahre nach Betriebsbeginn endlich und endgültig vom Netz zu nehmen.“

Tihange 1 wurde seit dem 13. Oktober gewartet, wird aber derzeit schon langsam wieder angefahren. Die Wartung des Meilers wurde vorgezogen, weil Belgien im Winter eine Stromknappheit fürchtet. Während einer früheren Abschaltung im Juli ist es laut der belgischen Atomaufsichtsbehörde Fanc zu einem Vorfall auf Stufe 1 der Ines-Skala (Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse), einer Störung, gekommen. Laut Fanc hat aber keine Gefahr bestanden.

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